Die Beatsteaks kommen nach Coburg! Yeah, die Fangemeinde zählt jetzt schon die Tage bis zum Konzert in der Cortendorfer Kulturfabrik. Aber, ist das wirklich der erste Auftritt der Berliner Alternative Punk Formation in der Vestestadt? Das Coburger Tageblatt ist auf Spurensuche gegangen und hat mit Steffen Eberlein einen Freak gefunden, der das widerlegen kann.
G-Stock-Festival
Wir schreiben den 27. August im Jahre 2004. Schauplatz ist der Sportplatz in Neuses an den Eichen. Ein bis dahin nun zum vierten Mal an den Start gehendes Festival namens G-Stock stand in den Startlöchern. Zusammen mit seinem damaligen Veranstaltungspartner Christoph „Gunso“ Gunsenheimer organisierte Steffen Eberlein dieses Event im Landkreis Coburg. Und es verlangte ihm dabei wirklich alles ab. „Wir sind damals zusammen als vomit sounds GbR aufgetreten und hatten ein kleines Produktionsbüro mit natürlich noch Analog-Telefon im Stadtteil Scheuerfeld. Wenn ich zurückblicke, waren das schon wirklich ganz krasse Zeiten!“ Schon vorher hatte Steffen einige Erfahrungen bei kleineren Konzerten sammeln können, „aber das G-Stock mit diesen letztendlichen Ausmaßen war so im Vorfeld wirklich nicht zu erwarten. Wir sind da allesamt an unsere Grenzen gekommen!“
Hauptact: She-Male Trouble aus Berlin
Ziel war es, ein Festival mit einigen überregionalen als auch heimischen Gruppen zu organisieren. „Das hat uns jede Menge Arbeit und Nerven abverlangt, aber das Booking lief relativ gut und glatt über die Bühne. Ich war damals ja erst 20 Jahre alt und bin vielleicht auch eine Spur zu naiv an die ganze Sache herangegangen.“ Als Hauptact für das G-Stock konnte die recht erfolgreiche und nach wie vor existierende Band She-Male Trouble aus Berlin gebucht werden. Und deren Bassist war und ist der Manager von den Beatsteaks. „Jedenfalls war er es, der uns gefragt hatte, ob wir Bock hätten, dass auch die Beatsteaks mit zu unserem Festival kommen. Sie wären ohnehin gerade gemeinsam auf Tour und könnten von Hamburg nach Österreich aus einen Stopp in Coburg einlegen, aber eben am Freitag, nicht auf den zuvor geplanten Samstag!“ Nach dem Telefonat war es um Steffen geschehen. „Ich habe den Hörer aufgelegt und mir zur Beruhigung einen Schnaps genehmigt!“. Das durfte doch nicht war sein, knallte es ihn durch den Kopf. Die Beatsteaks fragen bei ihm an, ob sie mit bei seinem Festival auftreten können. Und schnell stand im Organisationsteam fest: das machen wir!
Von jetzt auf gleich war allerdings total alles auf den Kopf gestellt. Größere Bühne, mehr Licht, Hotel, vielschichtiges Catering, Bauzäune, verstärkte Security. Eine kaum zu stemmende Arbeit kam auf Steffen und sein Team zu. „Als wir den 20seitigen Vertrag und den formulierten Anforderungen von den Beatsteaks erhalten haben, zitterten uns schon etwas die Beine. Letztendlich haben wir ja alles geschafft, aber wie, das kann ich nicht mehr nachvollziehen!“ Es waren die Kleinigkeiten, die Steffen fast schon an den Rand der Verzweiflung brachten. „Ich erinnere mich noch an den Wunsch von Seiten des Managements, Fenchelhonig im Backstage zu platzieren. In ganz Coburg haben wir damals keinen gefunden und sind letztendlich extra deswegen nach Bamberg gefahren. Ein irrer Aufwand, aber dieser Honig soll wohl gut für eine angeschlagene Stimme sein.“
Vor dem G-Stock gab es übrigens noch ein persönliches Kennenlernen beim Highfield Festival in der Nähe von Erfurt. „Ich denke, die haben mich dabei nicht ganz für voll genommen. Da kommt so ein junger Punk an wie ich und sage denen, dass ich der Konzertveranstalter sei. So richtig realistisch klang das wohl nicht für die Band.“ Auch die spätere Anreise zum Veranstaltungsort verlief eher schleppend. „Damals gab es ja noch kein Navi oder so. Die Band hatte sich verfahren und wir haben sie einfach an der B4 abgeholt. Ich bin in deren Nightliner eingestiegen und sie zum Ort des Geschehens gebracht. Ab diesem Zeitpunkt bis zum Auftritt am Abend habe ich einen kompletten Filmriss. Ich kann mich da an nichts mehr erinnern. Ich war wohl einfach überfordert mit allem.“
Die Arbeiten im Vorfeld zum G-Stock haben schließlich auch gesundheitliche Probleme bei Steffen hervorgerufen. „She-Male Trouble hat gerade angefangen zu spielen, als ich ein heftiges Pulsrasen bekam. Ich habe kaum mehr Luft bekommen und wir ging es total dreckig. Schnell wurde ich zum Coburger Klinikum gebracht und dort mir eine Spritze verpasst. Trotz der Tatsache dass es mir einigermaßen wieder besser gingen, sollte ich zur Sicherheit auf Station bleiben.“ Für Steffen war das natürlich die absolut schlimmste Aussage, wollte er doch unbedingt die gebuchten Beatsteaks live erleben. „All die ganze Organisation und ich zeitgleich im Klinikum? Nein, sagte ich mir, da muss ich sofort wieder raus und zurück nach Neuses an den Eichen.“ Gesagt, getan. Auf eigenes Risiko ging es als Beifahrer zurück zum Festival und ganz alleine, nur für sich, genoss er vom Backstage Bereich aus den Auftritt der vier Berliner Jungs.
Beatsteaks: Am 21. Juni 2025 in der Kulturfabrik Cortendorf
Während des Gespräches mit dem Coburger Tageblatt bekommt Steffen immer wieder eine Gänsehaut, so nachhaltig hat ihn das Geschehen aus 2004 mitgenommen. Für die Beatsteaks war es im selben Jahr mit ihrem Album „Smack Smash“ der absolute Durchbruch in ihrer Karriere. Von der Besetzung vom G-Stock Festival werden übrigens noch alle Musiker der Band bei deren anstehenden Konzert am Samstag, 21. Juni in der Cortendorfer Kulturfabrik mit dabei sein. Unter den Besuchern ist selbstverständlich auch Steffen. „Das lass’ ich mir nicht entgehen!“















