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Kirchenvorstandswahl
„Wir drehen uns nicht mehr nur um unseren eigenen Kirchturm“
Dekan Andreas Kleefeld (links) und Dekan Stefan Kirchberger werben für die Kirchenvorstandswahl am 20. Oktober.
Dekan Andreas Kleefeld (links) und Dekan Stefan Kirchberger werben für die Kirchenvorstandswahl am 20. Oktober. // Julia Scholl
Coburg – Am 20. Oktober wählen die Kirchengemeinden im Coburger Dekanat der Evangelisch-Lutherischen Kirche neue Vorstände. Die Dekane Kleefeld und Kirchberger sprechen über Herausforderungen der Zukunft.

„Wir sind inmitten eines Transformationsprozesses“, sagt Dekan Andreas Kleefeld. Und diesen Prozess sollen die neuen Kirchenvorstände aktiv mitgestalten. Am 20. Oktober wird im Landkreis Coburg gewählt. Die Dekane hoffen auf rege Wahlbeteiligung in den Kirchengemeinden.

 „Es ist ein Ehrenamt mit erheblicher Verantwortung. Die Kirchenvorsteher leiten gemeinsam mit den Hauptamtlichen die Kirchengemeinde. Sie bestimmen mit bei administratorischen Themen, aber auch inhaltlichen“, sagt Dekan Stefan Kirchberger. Am Ende entschieden die Kirchenvorsteher mit, was in der eigenen Kirchengemeinde passiert und wie das Kirchenleben gestaltet wird. „Je nachdem, ob eine Kirchengemeinde zum Beispiel auch einen oder mehrere Kindergärten hat, kann so ein Haushaltsbudget auch in die Millionen gehen“, sagt Kleefeld.  

51 Kirchengemeinden wählen

Zum Coburger Dekanat der Evangelisch-Lutherischen Kirche gehören 51 Kirchengemeinden. Darunter Kirchengemeinden so klein wie Oettingshausen, bei Bad Rodach, mit etwa 34 Mitgliedern oder so groß wie Neustadt, mit an die 4.200 Mitgliedern. Insgesamt gibt es im Dekanatsbezirk Coburg rund 57.000 evangelische Christen. 

Dekan Andreas Kleefeld (links) und Dekan Stefan Kirchberger werben für die Kirchenvorstandswahl am 20. Oktober.
Dekan Andreas Kleefeld (links) und Dekan Stefan Kirchberger werben für die Kirchenvorstandswahl am 20. Oktober. // 

Um das Amt zu übernehmen, brauche es keine bestimmten Qualifikationen, sagt Kirchberger. Was man mitbringen sollte, sind sich die Dekane einig, ist eine Liebe zur Kirchengemeinde. Außerdem profitiere die Gemeinschaft von der Vielfalt und Wissen aus verschiedenen Bereichen. In Heiligkreuz habe man als Kandidaten unter anderem eine Erzieherin, eine Lehrerin, aber auch einen iranischen Christen, der nach Deutschland geflohen ist und hier sehr aktiv sei, sagt Kleefeld. „In St. Moriz haben von Apotheker über Kulturvermittlerin bis zum Busfahrer alles dabei“, sagt Kirchberger. Beide sind dankbar für das Interesse und Engagement, denn „es ist ein sehr großes Amt, auf das die Menschen sich einlassen.“

Einiges auf dem Prüfstand

Die kommenden Jahre wird wohl einiges auf den Prüfstand gestellt. Denn auch an der Coburger Kirchengemeinden gehen Austritte und weniger Kirchenbesucher nicht spurlos vorbei. „Die Kirche wird deutlich kleiner. Menschen verlassen die evangelische Kirche und auch die Zahl der Taufen nach der Geburt geht zurück“, sagt Kleefeld. Hier seien auch die Kirchenvorsteher gefordert, Veränderungen mitzugestalten. „Wir müssen herausfinden, wie Kirche unter veränderten Rahmenbedingungen aussehen kann“, sagt der Dekan.

So stünden für die Kirchengemeinden Dörfles-Esbach, Heiligkreuz, St. Moriz und St. Matthäus aktuell Überlegungen an, ein gemeinsames Pfarramt zu bilden. „Bisher hat jede Kirchengemeinde ein eigenes Pfarramt und wir glauben, es ist klug, wenn wir die Ressourcen an der Stelle bündeln. So könnten wir auch eine bessere Erreichbarkeit für Mitglieder gewährleisten“, sagt Kleefeld. 

Trennt man sich von Immobilien?

Außerdem steht man vor einer weiteren großen Frage: „An welchen Immobilien können wir festhalten, welche brauchen wir und von welchen müssen wir uns trennen. Da stehen gerade im Grunde alle Immobilien ein Stück weit auf dem Prüfstand“, sagt Kleefeld. „Und natürlich müssen wir nachdenken, was die Menschen eigentlich interessiert. Was erwarten sie von der Kirche und was bieten wir an?“, gibt Kirchberger zu bedenken. Das sei immer ein Abwägungsprozess, denn einige Kirchenmitglieder erlebten die Veränderungen auch als Rückzug und als Verlust von Tradition, sagt der Dekan. 

Doch man müsse versuchen, zeitgemäße Formen anzubieten, sagt Kleefeld. „Und gleichzeitig muss man darauf eingehen, dass Menschen sich nicht mehr unbedingt an einen Ort gebunden fühlen. Sondern sagen, tolles Angebot, da gehe ich hin.“ Deshalb sei die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden wichtig. Und es gebe die unterschiedlichsten Initiativen, wie die Vesperkirche, das Gemeinschaftsprojekt „Kirche Kunterbunt“ oder die Aktion „einfach heiraten“. 

Appell an Wähler

„Wir drehen uns nicht mehr nur um unseren eigenen Kirchturm, sondern wir müssen an unserem Kirchturm auch Dinge anbieten, die Menschen von anderen Kirchtürmen herlocken“, erläutert Kleefeld. Dabei sei man auf das Engagement der Kirchenvorstände angewiesen. Und die wiederum auf den Rückhalt in der Gemeinde. Deshalb möchten die Dekane an die Wahlberechtigten appellieren, ihre Stimme am 20. Oktober zu nutzen, um die Zukunft der Kirchengemeinde mitzugestalten. 

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