Heike Hellmessen sitzt in der Tür ihres Campers. Auf dem Schoß ihr Chiwawa Bella, fünf Monate. Beide genießen gerade die Ruhe. Kein Menschenlärm, keine Musik. Dabei hämmert und klopft es an allen Ecken und Enden. Schließlich muss bis Freitag alles an Ort und Stelle sein, wenn das Coburger Vogelschießen eröffnet wird.
„Ich mag diese Aufbauwochen, in denen alles etwas beschaulicher zugeht“, erzählt sie. Von März bis Oktober zieht sie mit Maik Jacobi, Bella und dem 20 Meter hohen Freefall-Turm von Volksfest zu Volksfest. Immer neue Leute kennenlernen, immer wieder an anderen Orten, für Heike Hellmessen ist das genau das Leben, das sie führen möchte.
Nur ein paar Meter weiter ist Manuel Zinnecker dabei, mit seinen vier Aufbauhelfern „The King“ zu montieren. „Das ist ein Überkopfdrehgestell und das gibt es nur einmal in ganz Deutschland“, klärt mich Arnold Zinnecker auf. Der zehnjährige Steppke ist der Sohn des „Hauses“ und hilft, wo er kann. „Und die Schule?“, frage ich. Seine Mama unterrichtet ihn und seinen Bruder André im Homeschooling. Das sei so mit der Schule abgesprochen. Da kommt der Papa. Er findet es gut, dass sein Sohn sich für das Geschäft interessiert. "Wenn er bei mir vor Ort ist, kann er von mir lernen und wenn er klug ist, das alles später mal übernehmen", sagt er.
Die Familie ist das ganze Jahr über auf Achse. Und das wortwörtlich. Denn das "Haus" der Zinneckers" wird von einem Lkw gezogen. Stolz zeigen mir Vater und Sohn ihr Reich, in dem die Mutter gerade Spagetti kocht. Rechts das Schlafzimmer der Eltern, links Bad und Kinderzimmer. Die Ausstattung edel, selbst die Wasserhähne glänzen golden. "400.000 bis 500.000 Euro muss man dafür schon hinblättern", sagt der 36-Jährige. Andere müssten das eben für ihre Häuser abzahlen.
Die Wohnwagen und Camper der Schausteller stehen im Kern am Anger. Drumherum reiht sich Losbude an Fahrgeschäft, Eisbude an Brezelstand, Attraktion an Attraktion. Noch ist viel Platz. Gegenüber von der Angerhalle zwischen "Zauberschloss" und Eispalast ist alles leer. Nicht mehr lange, dann soll das Riesenrad dort wieder seine Runden drehen und Coburgs schönsten Blick bieten.
Manfred Perz freut sich schon drauf. Er ist mit seinem Stellplatz sehr zufrieden. Seit den 70er Jahren ist er mit seinen Schokofrüchten beim Schützenfest vertreten, seit 25 Jahren direkt am Ausgang, gegenüber vom Riesenrad. "Die Leute nehmen gern immer noch was mit nach Hause", weiß er. Die Tage bis zur Eröffnung putzt er und seine Mitarbeiterinnen den Wagen außen und innen. "Der muss richtig schön glänzen", sagt Pertz, der die Organisation lobt. "Wasser und Strom fließen, da bin ich schon mal beruhigt."
Mit dem Schrubber hantiert auch Pierre Ressel. Er hat die Metallstufen rund ums Karussell mit Putzmittel eingeschäumt. "Das Zauberschloss" soll prächtig aussehen, wünscht sich sein Chef Tom Kaiser. Seit 2008 besucht er mit dem, wie er sagt, "schönsten Kinderfahrgeschäft Deutschlands" das Vogelschießen. Das Besondere: "Bei uns ist alles ein bisschen wie bei Walt Disney, die Kinder sind begeistert."
Gegenüber wird er gebraucht. Ein kleiner Essenswagen muss in die richtige Position gerückt werden. Da helfen alle zusammen. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt. Man kennt sich, man hilft sich, man weiß, dass in ein paar Tagen der Trubel und der Lärm keinen Raum für Gespräche lassen.
Dass es richtig laut wird, dafür sorgt auch Aaron Haberkorn mit seiner "Turbine". Mit diesem Fahrgeschäft ist er zum ersten Mal in Coburg. „Jahrelang haben wir hier immer einen Langosch-Stand und einen Ausschank gehabt“, erzählt er. Doch jetzt hat er sich einen Traum erfüllt. „Die Turbine“ hat es in sich. Mit 24 Umdrehungen in einer Minute gehört es zu den schnellsten in ganz Deutschland.
Mein Bummel über den noch nicht vorhandenen Rummel geht zu Ende. Grüne Plüschhasen und graue Faultiere hängen bereits an Leinen und warten darauf erschossen zu werden, ein Strauß bunter Luftballs flattert im Wind. Am Freitag werden 60 Minuten nicht reichen, um hier eine Runde zu drehen.














