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Schöne Bescherung
Der verhinderte Weihnachtsbaum
Der 82-jährige Ernst Fischer aus Meilschnitz hatte sich sehr darüber gefreut, dass seine Tanne ausgewählt wurde,  Weihnachtsbaum auf dem Coburger Marktplatz zu werden. Doch daraus wurde dann in letzter Minute doch nichts.
Der 82-jährige Ernst Fischer aus Meilschnitz hatte sich sehr darüber gefreut, dass seine Tanne ausgewählt wurde, Weihnachtsbaum auf dem Coburger Marktplatz zu werden. Doch daraus wurde dann in letzter Minute doch nichts. // Oliver Schmidt
Coburg – Eine Tanne aus Meilschnitz sollte eigentlich Weihnachtsbaum auf dem Coburger Marktplatz werden. Doch die Polizei ließ den Schwertransport nicht losfahren – das erinnert an eine ähnliche Panne aus dem vergangenen Jahr.

Das darf doch nicht wahr sein! Schon wieder gab es Probleme mit dem Baum, der von Coburg Marketing und dem Grünflächenamt als Weihnachtsbaum für den Marktplatz auserkoren wurde. 25 Bewerbungen hatte es gegeben, fünf kamen in die engere Auswahl – und am Ende entschied man sich für die 16 Meter hohe Tanne von Ernst Fischer aus Meilschnitz. Dass Ernst Fischer seine Tanne zunächst auch (erfolglos) der Stadt Neustadt angeboten hatte, wäre im Normalfall eine kuriose Geschichte für sich gewesen. Doch im Laufe des Montags verkam sie plötzlich zur Randnotiz. Denn als die Tanne gefällt und auf einem Lastwagen verladen war, schritt die Polizei ein: Der Transport war zu breit!

„Das hätte nicht hingehauen!“

Nach Tageblatt-Informationen hatte sich der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb den Schwertransport bei der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Coburg genehmigen lassen. Zu Grunde gelegt wurden aber wohl Maße, die aus polizeilicher Sicht viel zu großzügig ausgelegt waren.

Hier hängt der Meilschnitzer Baum bereits am Haken – und hatte große Pläne. Doch wenig später war er Brennholz.
Hier hängt der Meilschnitzer Baum bereits am Haken – und hatte große Pläne. Doch wenig später war er Brennholz. // Oliver Schmidt

Um in Richtung Coburg losfahren zu können, hätte der beladene Lastwagen maximal eine Breite und Höhe von jeweils vier Metern aufweisen dürfen. Die Maße sind vor allem deshalb wichtig, weil ja auch so manche Brücke unterquert und so manche engere Kurve bewältigt werden muss. Ein Experte brachte es auf den Punkt: „Dieser Baum im Straßenverkehr? Das hätte nicht hingehauen!“

Stephan Just vom Grünflächenamt, der kurz nach 8 Uhr noch geschwärmt hatte („Der Baum von Herrn Fischer hat die richtige Höhe, die richtige Breite, und auch seine Krone ist richtig schön gewachsen!), war kurz nach 10 Uhr bedient. „Ärgerlich“ sei es, dass die ganze Arbeit in Meilschnitz „umsonst“ gewesen sei.

2021 war der Baum zu lang

Der Zwischenfall erinnert an eine ähnliche Panne im vergangenen Jahr. Auch damals schritt die Polizei ein – und zwar, weil der in Scheuerfeld gefällte Baum zu lang war. Damals wurde die Spitze des Baums abgeschnitten, damit ein ordnungsgemäßer Transport im Straßenverkehr möglich war.

Und nun? Um an der Breite etwas zu ändern, hätte der Baum derart beschnitten werden müssen, dass er anschließend wohl kaum noch als schöner Weihnachtsbaum getaugt hätte. Deshalb wurde er noch direkt an Ort und Stelle zu Brennholz verarbeitet. Seufzend fügte Stephan Just hinzu: „Wir hätten dieser Tanne ein schöneres Ende gewünscht.“

„Upgrade“ für einen Baum

Doch nachdem für die Tanne das sofortige Brennholz-Schicksal beschlossen war, galt es noch ein weiteres Problem zu lösen: Welcher Baum wird stattdessen Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz? Bei Coburg Marketing, das für den gesamten Weihnachtsmarkt zuständig ist, wurde spontan umgeplant, wie Betriebsleiter Horst Graf dem Tageblatt sagte: Der Baum, der eigentlich als Weihnachtsbaum für den Albertsplatz vorgesehen war, erhielt sozusagen ein „Upgrade“ und wurde zum Weihnachtsbaum für den Marktplatz befördert.

Überraschendes „Upgrade“: Diese Fichte aus Dörfles-Esbach war eigentlich als Weihnachtsbaum für den Coburger Albertsplatz vorgesehen. Jetzt macht sie Karriere auf dem Marktplatz.
Überraschendes „Upgrade“: Diese Fichte aus Dörfles-Esbach war eigentlich als Weihnachtsbaum für den Coburger Albertsplatz vorgesehen. Jetzt macht sie Karriere auf dem Marktplatz. // Oliver Schmidt

Zur Verfügung gestellt wurde der Baum aus Dörfles-Esbach von der Familie Ebert. Die serbische Fichte stand weiteren Bauplänen auf dem Grundstück im Weg, und so hatte man sie der Stadt als Weihnachtsbaum angeboten. „Sie ist etwas schmaler als der Meilschnitzer Baum“, sagte Stephan Just. Und schmaler bedeute in diesem Fall auch: günstiger für den Verkehr.

Auf elegante Weise Strom sparen?

Sina Ebert schaute beim Fällen zu: „Ach, so ein bisschen Herzschmerz ist da jetzt schon dabei!“ Aber: „Als Weihnachtsbaum hat er doch nochmal eine schöne Funktion!“ Die Fichte sei mit ihren gut zwölf Metern zwar nicht unbedingt riesig, aber das sei in der heutigen Zeit doch vielleicht gar nicht so schlecht, wie Sina Ebert augenzwinkernd anfügte: „Ein kleinerer Baum braucht weniger Beleuchtung, also kann gleich Strom gespart werden!“

Baum auf Lastwagen – passt! Dieser Schwertransport konnte dann in Dörfles-Esbach starten.
Baum auf Lastwagen – passt! Dieser Schwertransport konnte dann in Dörfles-Esbach starten. // Oliver Schmidt

Als der richtige Weihnachtsbaum gegen 16 Uhr auf dem Marktplatz eintraf, war auch Sina Ebert unter den vielen Schaulustigen. Natürlich bekam sie dort auch erste Kommentare zu hören. Die waren zwar durchgehend positiv, doch Sina Ebert sprach dennoch eine Drohung aus: „Wenn jemand über meinen Baum lästert, hole ich ihn wieder ab!“

Am Ziel: Kurz nach 16 Uhr erreichte der in Dörfles-Esbach gefällte Baum den Coburger Marktplatz.
Am Ziel: Kurz nach 16 Uhr erreichte der in Dörfles-Esbach gefällte Baum den Coburger Marktplatz. // Oliver Schmidt

Übrigens: Ein ungelöstes Problem gibt es noch immer. Coburg Marketing muss jetzt schnellstens einen Baum finden, der kurzfristig die Rolle des Weihnachtsbaums auf dem Albertsplatz übernimmt.

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