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Genuss in Coburg
Ein Koch ohne Salto und doppelten Boden
So kennt man Fred Raab: verschmitzt lächelnd an seinem Lieblingsplatz in der Künstler-Klause.
So kennt man Fred Raab: verschmitzt lächelnd an seinem Lieblingsplatz in der Künstler-Klause. // Oliver Schmidt
Coburg – Fred Raab ist seit 40 Jahren Chef der Künstler-Klause. Zum Jubiläum spricht er über seinen ungewöhnlichen Werdegang – und über eine schöne Liebesgeschichte.

Die folgende Anekdote mag kitschig klingen, sie ist aber wahr, sehr schön sowieso, und außerdem beschreibt sie ganz gut, was für eine Mensch „der Fred“ ist. Also: In den späten 1980er Jahren hatte Fred Raab, Chef der Künstler-Klause, eine neue Servicekraft eingestellt. Die beiden mochten sich auf Anhieb, und deshalb unternahmen sie auch privat etwas zusammen. Das erste Date endete in der Wohnung der Servicekraft, die plötzlich Hunger bekam. Ihr Kühlschrank gab allerdings nicht wirklich etwas her – oder vielleicht doch?!

Da schlug Freds große Stunde

Tja, nun schlug Freds große Stunde. Aus allerhand Resten zauberte er ein leckeres Essen. „Das war sensationell, ich war total begeistert“, erinnert sich die Servicekraft von damals, aus der dann schon bald – natürlich – „Frau Raab“ wurde. Und selbst wenn sowohl der heimische als auch der Kühlschrank in der Künstler-Klause heute immer gut gefüllt ist: Ins Schwärmen über Freds Kochkünste gerät Tina Raab noch immer. Deshalb war es ihr auch ein großes Anliegen, für Fred eine schöne Jubiläumsfeier zu organisieren. Denn er ist seit nunmehr 40 Jahren Chef der Künstler-Klause.

Auch vor seinem Lokal sitzt Fred Raab gerne.
Auch vor seinem Lokal sitzt Fred Raab gerne. // Oliver Schmidt

Selbstverständlich freut sich Fred Raab darauf, wenn am Freitag, 17. Juni, viele Freunde, Weggefährten und Stammgäste im Spiegelsaal des Landestheaters zusammenkommen. Andererseits: Dass er selber plötzlich im Mittelpunkt steht, ist eigentlich gar nicht so sein Ding. Viel lieber sitzt er ja nach getaner Arbeit an seinem Stammplatz im Lokal, kommt mit Gästen ins Gespräch und redet mit ihnen über Gott und die Welt, und natürlich auch übers Essen und seine neuesten Kreationen.

Anfänge in der Baderstube

Unsere erste Frage an ihn lautet: Warum sind Sie eigentlich Koch geworden? Fred Raabs Antwort ist eine echte Überraschung: „Ich bin gar kein Koch!“ Wie bitte? Und dann fängt er das Erzählen an.

Fred Raab stammt aus Ebern und kam wegen seines BWL-Studiums nach Coburg. Ein Nebenjob brachte ihn eher zufällig in die Gastronomie: Er half in der damaligen Baderstube im Service. „Das hat mir sofort Spaß gemacht“, erinnert er sich. Eines Tages hatte der Chef der Baderstube eine Idee: „Die Künstler-Klause ist zu haben! Wir könnten sie doch gemeinsam übernehmen.“ Fred Raab sagte tatsächlich Ja – doch bereits wenige Wochen nach dem Start sprang sein Partner ab, weil er schnell gemerkt hatte, dass ihm zwei Lokale gleichzeitig doch zu viel sind. So stand Fred Raab plötzlich alleine in der Künstler-Klause, die zwar damals schon ein gemütliches Ambiente hatte, kulinarisch aber vor allem für „Schmalzbrot, Kuhkäs’ und gefüllte Paprika“ stand, wie Tina Raab an dieser Stelle lächelnd einwirft.

„Tolle Lebensleistung“

Dass es der ungelernte Koch Fred Raab in den folgenden Jahren geschafft hat, das Niveau stetig anzuheben und die Künstler-Klause bis heute zu einem der führenden Restaurants in Coburg zu machen, war keineswegs zu erwarten. „Tolle Lebensleistung“, sagen die einen – „ach, das war gar nicht so schwer“, sagt Fred Raab in seiner bescheidenen Art. „Ich habe mir einfach von allen Köchen, die hier in der Künstler-Klause gearbeitet haben, etwas abgeschaut“, erklärt er. Hinzu kam stets die Lust, etwas Neues auszuprobieren, sowie die grundsätzlich sehr große Leidenschaft fürs Kochen.

Sonderwunsch Hummer

Fred Raab sagt aber auch, dass er von einigen glücklichen Fügungen profitiert hat. Weil er eine Zeit lang noch parallel für das Casino eines großen Coburger Unternehmens kochte, sprachen sich seine Künste nach und nach in bestimmten Kreisen herum. Hinzu kam, dass aufgrund der Lage am Theater die Künstler-Klause ohnehin ein beliebter Treff auch von manch betuchteren Menschen wurde. Der eine oder andere äußerte dann auch schon mal einen Sonderwunsch: „Es steht zwar gar nicht auf der Karte – aber könnten Sie uns beim nächsten Mal einen Hummer zubereiten?“ So wuchs Fred Raab mit seinen Aufgaben, und die Künstler-Klause wuchs mit seinem kreativen Kochkünstler.

Kein eingesprungener Rückwärtssalto

Bevor jetzt aber ein falscher Eindruck entsteht: Selbst wenn in der Künstler.Klause schon viele Promis ein- und ausgegangen sind, ist Fred und Tina Raab das Bodenständige immer wichtig geblieben. „Unser Lokal ist nicht etepetete“, betonen sie. Fred Raab macht das an einem Beispiel deutlich: Anderswo würden sich Köche auf den Speisekarten verkünsteln. „Da steht zum Beispiel: Irgendein Steak an Wirsing mit eingesprungenem Rückwärtssalto…“ So etwas bringt ihn auf die Palme. „Ich bin für Klarheit!“ Deshalb steht etwa auf der Speisekarte der Künstler-Klause: ,Kalbsrückensteak, Jakobsmuscheln, Hummernudeln‘ – fertig.

Alle Rezepte im Kopf

Fred Raab hatte vor kurzem 69. Geburtstag. Er gibt zu, das auch ab und zu an seinen Knochen zu merken. Andererseits: „Die Arbeit hält mich jung!“ Alleine schon deshalb, weil Fred Raab seine Rezepte nicht etwa aufschreibt, sondern alle im Kopf abgespeichert hat. Da passen sie auch gut hin, denn die entscheidende Geschmackskreation findet seiner Meinung nach sowieso im Kopf statt.

So, und zum Abschluss die ganz klassische Frage: Was isst Fred Raab selber am liebsten? Da muss er, der eben noch von der Zubereitung von Lammkarree oder Steinbutt geschwärmt hat, nicht lange überlegen: „Ein Wurstbrot – spätabends bei uns zu Hause!“

HINTERGRUND: Jubiläumsgala für Fred Raab

Termin Am kommenden Freitag, 17. Juni, wird ab 19.30 Uhr im Spiegelsaal des Landestheaters das Jubiläum von Fred Raab gefeiert. Es gibt natürlich gutes Essen, aber auch gute Musik – etwa von der OPA-Band sowie von Solisten des Landestheaters. Restkarten sind noch erhältlich in der Künstler-Klause am Theaterplatz.

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