Jesus, was für eine Aufregung! Ausgerechnet bei der letzten Vorstellung der Sommerfestspiele im Hofgarten musste die Theaterfamilie noch einmal zeigen, was sie vielleicht am Besten kann: Improvisieren! Die entscheidende „Rolle“ wurde dabei kurioserweise Benjamin Hübner zuteil, der ursprünglich in dem Stück „Don Camillo und Peppone“ überhaupt nicht eingeplant war.
Auslöser der Aufregung war eine Schreckensmeldung am Mittwochnachmittag: Florian Graf, der in dem Stück den Peppone spielt, fällt aus! Seine Gesundheit ließ einen Auftritt beim besten Willen nicht zu.
Das war zunächst einmal sehr traurig für Florian Graf ganz persönlich, weil er als Peppone bislang immer geglänzt hatte. Doch dem Team um Regisseur und Schauspieldirektor Matthias Straub bescherte dieser kurzfristige Ausfall auch ein riesiges Problem: Was tun? Ohne Peppone kann das Stück nicht gespielt werden.
Es drohte die Absage
„Verschieben war keine Option“, erklärte Straub später. Denn wenn an den kommenden Abenden das Schlossplatzfest gefeiert wird, ist auf der in Hörweite liegenden Bühne im Hofgarten keine Vorstellung möglich. Und danach? Haben bereits die fest geplanten Theaterferien begonnen. Deshalb stand plötzlich sogar eine Absage der letzten Vorstellung des erfolgreichen Stücks im Raum. Doch kurz nach 15 Uhr hatte Matthias Straub eine Lösung gefunden: „Benjamin Hübner springt ein!“
Die Wandlung des Jesus
Um die Tragweite dieser kuriosen Personalrochade besser zu verstehen, sei Folgendes erklärt: Bei „Don Camillo und Peppone“ ist fast das komplette Schauspielensemble eingebunden – lediglich Eva Marianne Berger und Benjamin Hübner, die beide das Ensemble nach dieser Spielzeit verlassen, hatten keine Rollen. Doch für Benjamin Hübner sollte sich das Ende Mai schlagartig ändern: Vier Tage vor der Premiere fiel Tobias Bode aus, der die Rolle des Jesus spielt. Benjamin Hübner sprang daraufhin ein: In kürzester Zeit musste er den sehr umfangreichen Jesus-Text lernen – eine echte Meisterleistung! Ab der sechsten Vorstellung war dann Tobias Bode wieder dabei, und Benjamin Hübner konnte das Kapitel „Ersatz-Jesus“ schließen.
An diesem Mittwoch, zur letzten Vorstellung, gab es einen schönen Plan: Weil im Anschluss die offizielle Verabschiedung von Benjamin Hübner erfolgen sollte, wurde ihm noch ein weiteres Mal die Rolle des Jesus übertragen. Tobias Bode bereitete sich derweil auf einen freien Abend vor. Zumindest bis kurz nach 15 Uhr. Dann wurde umgeplant: Tobias Bode spielte nun doch den Jesus, weil dadurch wiederum Benjamin Hübner die Rolle des Peppone übernehmen konnte. Intendant Bernhard Loges scherzte: „So eine Wandlung schafft sonst niemand: in wenigen Wochen vom Sohn Gottes zum Anführer der Kommunisten!“
Eine echte Herausforderung
Doch so amüsant das für Außenstehende vielleicht klingen mag: Für die Beteiligten war das kurz vor dem Ende der Sommerfestspiele noch einmal eine echte Herausforderung.
Um 16 Uhr (!) trafen sich Nils Liebscher, der den Don Camillo spielt, und Benjamin Hübner erstmals auf der Hofgarten-Bühne, um zumindest die wichtigsten Szenen noch schnell ein paar Mal zu proben.
Um 19.30 Uhr, als das Stück beginnen sollte, trat zunächst Matthias Straub vor das Publikum. Er informierte über die Änderungen; und er bat um Verständnis, dass Benjamin Hübner alias Peppone ein Textbuch auf der Bühne dabei haben wird.
Minutenlang „Standing Ovations“
Knapp drei Stunden später gab es vom Publikum minutenlang „Standing Ovations“: für wunderbare Sommerfestspiele, die nun zu Ende sind, für eine ganz besondere „Don Camillo und Peppone“-Vorstellung – und für Benjamin Hübner, der seinem Ruf als „Allzweckwaffe“ und Tausendsassa mal wieder gerecht geworden ist.
Weitere Abschiede am Landestheater Coburg
Personalien Außer Benjamin Hübner wurden am Mittwochabend noch weitere Mitglieder der Theaterfamilie verabschiedet: Ballettmeisterin Tara Yipp, Theaterpädagogin Christin Schmidt, Schauspieler Lean Fargel, Regieassistentin Pauline Vorberg sowie Katharina Malur (Mitarbeiterin Künstlerisches Betriebsbüro).
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