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Stellenabbau
Landestheater Coburg: Droht dem Ballett das Aus?
Ballett am Landestheater Coburg
Tristesse im Probenraum: Hat das Ballett am Landestheater Coburg eine Zukunft? // Oliver Schmidt
Coburg – Unruhe im Ensemble: Weil die Verträge von zwei Tänzern nicht verlängert wurden, sieht die Kompanie ihre Leistungsfähigkeit gefährdet. Zudem befürchten sie, dass dies der Anfang vom Ende sein könnte.

Ende Oktober wurde im Globe die Premiere des Balletts „1001 Nacht“ gefeiert. In der Besprechung im Coburger Tageblatt hieß es: „Mark McClains Inszenierung fasziniert die Zuschauer!“ Damit war eigentlich der Grundstein gelegt, dass auch diese Produktion des Landestheaters Coburg in den kommenden Wochen und Monaten starke Besucherzahlen verzeichnen wird.

Stimmung am Boden

Doch keine zwei Wochen später ist nicht nur der Premierenbeifall verklungen, sondern die gesamte Stimmung im Ballett-Ensemble scheint am Boden zu liegen. Der Grund dafür ist eine Personalentscheidung des neuen Intendanten Neil Barry Moss: Die Verträge von zwei Mitgliedern des Ensembles wurden nicht verlängert. Nachbesetzungen sind nicht vorgesehen. Ab der Spielzeit 2025/2026 schrumpft somit die Tanzcompagnie von derzeit noch zehn festangestellten Tänzerinnen und Tänzern auf nur noch acht. Das mag für Außenstehende vielleicht gar nicht so dramatisch klingen – doch bei einem Gespräch am Dienstag versuchten die Ensemblemitglieder deutlich zu machen, was das für sie und die gesamte Sparte bedeutet.

„Das war ein großer Schock“

„Wir sind geknickt. Diese Nicht-Verlängerung von zwei Verträgen war ein großer Schock.“ Dieses Zitat stammt von einer Person aus dem Ballett-Ensemble, die namentlich nicht genannt werden will. Zum einen deshalb, weil die eigene Position am Landestheater nicht noch unnötig erschwert werden soll.  Zum anderen möchte das Ballett-Ensemble gerne „mit einer Stimme“ sprechen. Denn: Alle seien geknickt, alle wüssten zurzeit nicht, wie es mit ihnen und der Sparte mittelfristig weitergeht.

Landestheater Coburg
Die Ballettproduktion „1001 Nacht" feierte jüngst ihre umjubelte Premiere im Globe Coburg. // Sylvain Guillot

Um die Situation besser verstehen zu können, muss zunächst die Funktion der Ballett-Sparte am Landestheater Coburg erklärt werden. Unter der Leitung von Ballettdirektor Mark McClain gibt es pro Spielzeit meistens zwei kleinere und zwei größere Eigenproduktionen. Eine der größeren Eigenproduktionen ist in der Regel ein sogenanntes Handlungsballett. Sprich: Es ist ein abendfüllendes Stück, bei dem eine bestimmte Geschichte wie etwa „1001 Nacht“ erzählt wird. Für ein solches Handlungsballett werden in der Regel sehr viele Tänzerinnen und Tänzer benötigt. Selbst bei einer Compagniestärke von zehn Personen mussten zuletzt etliche Doppel- und sogar Dreifachrollen eingebaut werden. Doch der Aufwand sollte sich immer lohnen: „Wir spielen Geld in die Kasse“, heißt es aus dem Ensemble, „die Auslastung liegt zwischen 80 und 100 Prozent.“

Auch bei Rocky mit auf der Bühne

Zusätzlich zu den Eigenproduktionen sind die Tänzerinnen und Tänzer aber auch regelmäßig bei Musicals und Operetten im Einsatz. Ebenso wäre der aktuelle Kassenschlager „Rocky Horror Show“ ohne das Ballett kaum denkbar. Durch ein solches Mitwirken bei Produktionen anderer Sparten erhöhen sich die individuellen Einsatzzahlen enorm. Ein Mitglied des Ballett-Ensembles schafft es pro Spielzeit auf gut und gerne 90 Auftritte.

Aber wie sollen die vielen, auch spartenübergreifenden Herausforderungen noch zu schaffen sein, wenn sich die Compagniestärke verringert? Das ist eine der Fragen, die sich zurzeit viele im Ensemble stellen. Eine andere Frage lautet: Wird die Ballett-Sparte nach und nach komplett verschwinden?

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Ich bin damit nicht einverstanden.

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Mark McClain Ballettdirektor am Landestheater Coburg

Damit zurück zu den beiden nicht-verlängerten Verträgen. Der Ärger im Ensemble ist auch deshalb groß, weil es keinerlei Begründungen für die Nicht-Verlängerungen gegeben habe. „Oft werden künstlerische Gründe genannt – aber auch das war nicht der Fall.“ Hinzu komme, dass sich selbst diejenigen Tänzerinnen und Tänzer nicht mehr sicher fühlen, deren Verträge sich um ein weiteres Jahr verlängert haben. „Uns wurde vom Intendanten nahegelegt, dass wir – wenn wir auch weiterhin auf einem hohen künstlerischen Niveau tanzen wollen – uns lieber nach anderen Stellen umschauen sollen.“ Dazu muss man wissen: Tänzer, die eine sehr lange und harte Ausbildung absolvieren müssen, wirken zwar gerne bei Musicals und Operetten mit. Ihre tatsächliche Qualifikation können sie aber nur bei den besagten Eigenproduktionen zeigen. Ein Mitglied des Ensembles bringt es auf den Punkt: „Wir wollen Ballett tanzen und nicht nur Deko sein.“

Ballettdirektor:  Der Intendant darf das!

Einer, der die Sorgen der Tänzerinnen und Tänzer versteht, ist Mark McClain. Zur Verkleinerung seines Ensembles sagt er: „Ich bin damit nicht einverstanden.“ Denn auch er sehe die Gefahr, dass das Ballett künftig kaum noch in der Lage sein wird, Eigenproduktionen zu stemmen. Der Ballettdirektor hat aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben, den Intendanten umstimmen zu können. „In den kommenden Tagen habe ich ein Gespräch mit ihm über die nächste Spielzeit.“ Mark McClain weiß aber auch: „Der Intendant darf diese Personalentscheidungen treffen. Er hat immer das letzte Wort.“

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Wir wollen Ballett tanzen und nicht nur Deko sein.

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Ein Mitglied des Ballett-Ensembles über die Perspektive am Landestheater Coburg

Aus dem Ensemble heißt es: „Wir haben das Gefühl, dass das Ballett keine wichtige Rolle mehr in den Planungen der Theaterleitung spielt.“ Sollte sich dieses Gefühl bewahrheiten, würden sich viele Tänzerinnen und Tänzer wohl tatsächlich nach anderen Stellen umschauen – nach Stellen, wo sie eben nicht nur „Deko“ sind, sondern ihre wahren Fähigkeiten zeigen können. Die Ballett-Sparte am Landestheater Coburg könnte somit vor dem Aus stehen.

Ballettfreunde wollen helfen

Zwei, die sich bereits jetzt maßlos ärgern über die Entwicklung am Landestheater, sind Reinhard Paul und Daniel Cimpean. Die beiden gehören zum Vorstand der „Ballettfreunde Coburg“. Der Verein ist 2009 entstanden – also genau zu der Zeit, als am Coburger Landestheater damit begonnen wurde, wieder eine eigenständige Ballett-Sparte aufzubauen. 15 Jahre später sieht Reinhard Paul die wohl größte Herausforderung seit der Gründung gekommen. Beim Gespräch am Dienstag gab es schon einmal Solidarität mit dem Ensemble: „Wir wollen euch helfen.“ Außerdem versicherte Reinhard Paul: „Ihr habt viele Fans in Coburg!“

Ballett am Landestheater Coburg
Zeigt her eure Schuhe! Seit der Spielzeit 2009/2010 hat das Landestheater Coburg wieder eine eigene Ballett-Sparte. Aber wie lange noch? Ein Stellenabbau zur Spielzeit 2025/2026 wirft Fragen auf. // Oliver Schmidt

Doch die „Ballettfreunde“ wollen es nicht nur bei warmen Worten belassen. Bereits in den kommenden Tagen soll ein Offener Brief an den Intendanten und an den kaufmännischen Direktor des Landestheaters verfasst werden. Eine Frage, die Neil Barry Moss und Bernd Vorjans gestellt wird, könnte lauten: Warum wird am Ballett gespart, wenn doch die Zahlen des Balletts so gut sind?

Übrigens: Die nächste Vorstellung von „1001 Nacht“ steht am kommenden Sonntag, 10. November, an. Ein Blick auf den Kartenvorverkauf zeigt: Das Globe wird ausverkauft sein.

Eine Stellungnahme des Intendanten lesen Sie hier:

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