Die erste Frage geht an Stephan Mertl, der den „Meister Eder“ spielt: Wie fühlt es sich eigentlich an, mit einem Kobold auf der Bühne zu stehen? Aber noch bevor der Schauspieler antworten kann, gibt es einen schrillen Zwischenruf von der Seite: „Jetzt sag‘ bloß nix Falsches!“
Stephan Mertl muss lachen und schaut zur Pumuckl-Puppe, hinter der wiederum Robert Richter und Sven Tillmann sitzen. Offensichtlich sind die zwei Puppenspieler mit ihrem vorlauten Schaumstoff-Kollegen bereits sehr eng verbunden. Und das, obwohl die intensivste Zeit erst noch bevorsteht: Fast 40 Mal wird in den kommenden Wochen „Meister Eder und sein Pumuckl“ im Globe aufgeführt.
In diesem Text lesen Sie:
1. Landestheater gewährt Blick hinter die Kulissen
2. Das sagt der Regisseur
3. Das sagen die Puppenspieler
4. Hier spricht der Pumuckl!
5. Infos zur Produktion am Landestheater
Kurz vor der Premiere am Samstag gewährte das Landestheater jetzt einen Blick hinter die Kulissen beziehungsweise hinter die Pumuckl-Puppe.
Regie im diesjährigen Familienstück des Landestheaters führt Marten Straßenberg. Der 26-Jährige besucht zurzeit noch die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Dort gibt es nicht nur ganz klassische Studiengänge wie „Schauspiel“ und „Regie“, sondern zum Beispiel auch „Puppenspielkunst“. Das erleichterte Marten Straßenberg die Suche nach einer Lösung, wie sich in Coburg der Pumuckl darstellen lässt.
Er konnte die angehenden Diplom-Puppenspieler Robert Richter (35) und Sven Tillmann (36) gewinnen. Weil Sven Tillmann zusätzlich eine Ausbildung zum Bühnenplastiker absolviert hat, kam sogar ein „Rundum-Paket“ zustande: Sven Tillmann baute die Puppe, die er nun in Coburg zusammen mit Robert Richter zum Leben erweckt.
Der Pumuckl war nackt!
Wobei: Das mit dem „Rundum-Paket“ stimmt nicht ganz. So verrät Sven Tillmann: „Pumuckl kam nackt nach Coburg!“ Sprich: Die Puppe wurde zunächst aus allerhand Stoff und Schaumstoff sowie etwas Holz und Gurtband für die Gelenke „erschaffen“. Die typische Kleidung – gelber Pulli, grüne Hose – bekam der Pumuckl aber erst am Landestheater geschneidert.
Diesen Kobold muss man einfach lieben
Ohne an dieser Stelle bereits zu viel zu verraten: Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen – Pumuckl ist toll, Pumuckl ist süß, diesen Kobold muss man einfach lieben! Bei den letzten Proben war ein echtes Phänomen zu beobachten: Sobald Pumuckl irgendwo auf der Bühne erschien, huschte vielen der Anwesenden sofort ein Lächeln übers Gesicht. Das lag aber nicht nur an der liebevoll gemachten Puppe, sondern vor allem auch an der Puppenspiel-Leistung von Robert Richter und Sven Tillmann.
Offene Spielweise
Marten Straßenberg hat sich für eine „offene Spielweise“ entscheiden. Das bedeutet: Die komplett schwarz gekleideten Robert Richter und Sven Tillmann sind immer zu sehen, wenn sie den Pumuckl bewegen. „Das ist inzwischen üblich im Puppenspiel“, erklärt der Regisseur. Außerdem würden für eine derart große Puppe wie den Coburger Pumuckl ohnehin mindestens zwei Personen benötigt.
Erinnerung an Hans Clarin
Diese beiden Personen müssen während der Vorstellung echte Tausendsassas sein. Zum einen bewegen sie die Arme, die Beine, den Mund und sogar die Augenbrauen der Puppe. Zum anderen lassen sie mit ihren Stimmen den Pumuckl auch sprechen und singen, sehr gerne reimen und mitunter auch weinen. Kurzum: Robert Richter und Sven Tillmann packen sehr viele Emotionen in diesen frechen Kerl, den jeder schnell ins Herz schließt.
Sehen Sie hier ein kurzes Gespräch mit dem Pumuckl:
Interview mit Pumuckl
Für die TV-Version des Pumuckl hatte Hans Clarin seine Stimme hergegeben – leider im wahrsten Sinne des Wortes. Denn mit der durchweg hohen und schrillen Tonlage ruinierte er seine Stimmbänder. Robert Richter und Sven Tillmann haben sehr viel Zeit mit Stimmtraining verbracht. Einerseits wollen sie möglichst nah ran an die Clarin-Stimme, andererseits sollen ihre Stimmbänder auch nach den knapp 40 Pumuckl-Vorstellungen noch voll funktionstüchtig sein.
Ohne, dass es der Zuschauer groß merkt, teilen sich Robert Richter und Sven Tillmann die Sprechrolle. Sie sagen: „Zum Glück können wir eine sehr ähnliche Stimme produzieren.“ Aber das erfordert weitere Disziplin und höchste Konzentration.
Bitte nicht waschen!
„Ja, es ist schon anstrengend“, geben die beiden offen zu, „aber es macht auch großen Spaß!“ Gespannt sind sie, wie das Stück beim Publikum ankommen wird – und auch, wie der Pumuckl die nächsten Wochen überstehen wird. Denn so toll die Puppe ist, hat sie auch einen großen Nachteil: Sie kann nicht gewaschen werden. „Wir können höchstens mal mit einer Fusselbürste drüber oder sie mit einem Lappen feucht abwischen“, erklärt Marten Straßenberg. Nach jeder Vorstellung wird der Pumuckl an einem sicheren, trockenen Ort eingeschlossen – obwohl man im Gespräch das Gefühl bekommen kann, dass Robert Richter und Sven Tillmann „ihren“ Pumuckl am liebsten noch auf ein Bier mit in die Kneipe nehmen würden. Wobei der Pumuckl natürlich am liebsten eine Limo trinken würde.
Ach ja, es fehlt ja noch die Antwort von Stephan Mertl auf die Eingangsfrage. „Es fühlt sich gut an“, sagt Mertl und klopft dem Pumuckl anerkennend auf die Schulter: „Der ist schon okay.“
Hintergrund: Pumuckl in Coburg
„Meister Eder und sein Pumuckl“, Familienstück des Landestheaters Coburg; Premiere am Samstag, 30. November, 15 Uhr im Globe (ausverkauft). Viele weitere Vorstellungen bis Mitte Januar (viele bereits ausverkauft).
- Inszenierung: Marten Straßenberg
- Bühnenbild/Kostüme: Juliane Längin
- Dramaturgie: Mia Massmann
- Theaterpädagogik: Sabrina Schneid
- Meister Eder: Stephan Mertl
- Pumuckl: Robert Richter und Sven Tillmann (Puppenspieler)
- Bärbel: Lea Schönhuber
- Frau Steinhauser/Dr. Gernheim: Niklaus Scheibli
- Anni/Herr Schmitt: Josephine Bönsch
Weitere Informationen, auch zum Kartenverkauf, gibt es hier
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