0
Prunksitzung in Coburg
Tempo 50? Puls 180!
Thomas Eck rockte ein letztes Mal als Präsident die Bühne bei einer Prunksitzung. Am Samstag kündigte er an, bei den Neuwahlen im Herbst nicht mehr für das höchste Amt im Coburger Fasching zu kandidieren.
Zum letzten Mal rockte Thomas Eck als Präsident die Bühne bei einer Prunksitzung 2024. // Christian Gubert
Coburg – Mehrere Stunden lang gaben die Narren „Vollgas“ im Kongresshaus. Dass ausgerechnet auf der Stadtautobahn neuerdings abgebremst werden muss, war eines von vielen Themen. Außerdem gab es ein überraschendes Wiedersehen.

Die Welt verändert sich – und Coburg und die Narrhalla selbstverständlich auch. Bei der Prunksitzung am Samstag war gleich mehreres anders als sonst. Zum Beispiel führte mit Catrin Brückner und Ralf Kühne erstmals ein Duo durch den Abend. Außerdem gab es bereits vor dem Einzug aller Aktiven eine Gesangseinlage: Alt-OB Norbert Tessmer und Elferratskollege Horst Benthin machten gemeinsam einen auf Hans Albers und besangen die „Reeperbahn nachts um halb eins“. Schunkelnd auf der Bühne mit dabei: Stadträtin Ramona Brehm.

Oliver Tissot und das Tempolimit

Die Welt verändert sich – und das Autofahren und das Bewusstsein für Lärm- und Umweltschutz eben auch. Trotzdem regte sich der Kabarettist Oliver Tissot über eine Sache maßlos auf: „Coburg ist so dynamisch – aber warum darf man auf der Stadtautobahn jetzt nur noch 50 statt 70 fahren?“ Der Wortakrobat aus Nürnberg hatte zumindest einen Verdacht: „Damit man beim Vorbeifahren länger etwas von Coburg sieht?“

Kein Parkplatz am Globe

Oliver Tissot ist bekannt dafür, sich immer sehr genau in die lokalen Begebenheiten einzuarbeiten. So lästerte er zum Beispiel über den (noch) nicht vorhandenen Parkplatz am Globe: „Hätte man für die 40 Millionen Euro Baukosten nicht auch noch den Parkplatz schottern können?“ Aber auch hier hatte er eine Theorie: Die Theaterbesucher in Coburg seien solche Verhältnisse wie jetzt am Globe ja schon seit Jahren vom Schlossplatz gewohnt…

Die Sache mit dem Samba-Festival

Auch über die Finanzprobleme des Samba-Festivals wunderte sich Tissot: „Wie kann denn dieses Festival pleitegehen? Jede Teilnehmerin hat doch ihr letztes Hemd gegeben.“

Coburger Narrhalla: Prunksitzung 2024
Prunksitzung der Coburger Narrhalla - hier tanzt das neue Prinzenpaar. // Oliver Schmidt

Doch zum Schluss seines umjubelten Auftritts musste sich Tissot noch einmal das neue Tempolimit auf der Stadtautobahn vorknöpfen. Ob das auch deshalb eingeführt worden sei, weil der Leiter des Ordnungsamts Kai Holland heißt? Mit Blick darauf, dass in Holland vielleicht das Fahrradfahren wichtiger sei als das Autofahren, stellte Tissot klar: „Hier ist kai Holland, hier ist Deutschland!“

Weitere „externe“ Künstler, die wie gewohnt sehr souveräne Auftritte hinlegten, waren Klaus Karl-Kraus und „Das Eich“.

Die Welt verändert sich – warum also nicht auch mal die berühmte „Taxi-Bütt“?  Thomas Eck und Pit Kammerscheid hatten diesmal einen echten Fahrgast dabei. Kaum zu glauben, aber wahr: Die ehemalige und längst schon in Vergessenheit geratene Baureferentin Mechthild Neumann war wieder aufgetaucht! Sie wurde gespielt von Stefan Kessel, und natürlich ging es um ihr zerrüttetes Verhältnis zur Stadtspitze. „Fahren Sie mich sofort zum Rathaus“, so ihre Anweisung beim Einsteigen ins Taxi am frühen Morgen. Sie möchte nämlich dort sein, bevor ihr „der Sauerbrei“ wieder die Tür vor der Nase zu sperrt. Thomas Eck korrigiert: „Sauerteig!“ Daraufhin Kessel alias Neumann: „Sauerbrei oder Sauerteig – egal, ich kann doch nicht jeden Hausmeister kennen…“

Bewerbung für den Bachelor?

Apropos Sauerteig: Der OB ist ja eher für eine vornehme Zurückhaltung bekannt. „Er legt keinen Wert auf Glamour“, meinte Kammerscheid, woraufhin Eck loslegte: „Da stiehlt ihm natürlich unser Sonnyboy Can Aydin die Schau! Selbst wenn Du den früh um 3 aus dem Bett haust, sitzt die Frisur wie eingemeißelt. Und mit seinem Zahnpasta-Lächeln dreht der Can aus dem Stand ein Bewerbungsvideo für den Bachelor.“

„Freddy Quinn  für Arme“

Ein weiteres Thema im Taxi war die Gesangseinlage von Alt-OB Norbert Tessmer zu Beginn der Prunksitzung. „Der macht jetzt auf Freddy Quinn für Arme“, lästerte Thomas Eck. Pit Kammerscheid ergänzte: „Fehlt nur noch das Fahrrad, und Coburg hat wieder seinen Sänger!“

Deutsche Meisterin bejubelt

Die Welt verändert sich – aber zumindest eine Sache ändert sich irgendwie nie: Coburg hat unfassbar viele tolle Tanzgruppen! Der „Coburger Mohr“ trat bei der Prunksitzung mit seiner Jugendgarde sowie der Königsgarde auf. Außerdem begeisterte das Tanzpaar Sophia Meißner/Oscar Cyrus.  Frenetischen Beifall bekam auch Tanzmariechen Melina Meißner, die amtierende Deutsche Meisterin.

Prunksitzung Coburger Narrhalla 2024
Prunksitzung Coburger Narrhalla 2024: Einen stimmungsvollen Showtanz zeigten die „Effect’s“. // Christian Gubert

Die „Effect’s“ lieferten ihre fulminante „Panther“-Show ab, und die Medauschule zeigte den Schautanz „Monster“. Gesang gab es von Allyson.

Aladin und die 33 Damen

Kurz vor dem großen Finale der Prunksitzung trat das Damenballett der Coburger Narrhalla auf. Nicht weniger als 33 Frauen – darunter zehn ehemalige Faschingsprinzessinen! – erzählten die Geschichte von „Aladin“, und zwar nach einer Choreografie von Sabine Benthin.

Sprunggewaltiges Tanzpaar vom Coburger Mohr: Sophia Meißner und Oscar Cyrus begeisterten mit ihrem Auftritt.
Sprunggewaltiges Tanzpaar vom Coburger Mohr: Sophia Meißner und Oscar Cyrus begeisterten mit ihrem Auftritt. // Christian Gubert

Die Welt verändert sich – aber eines ist bei Prunksitzungen der Coburger Narrhalla immer klar: Wenn der Fanfarenzug aufspielt, geht’s langsam zu Ende. Leider. Die Show war bunt und rasant – und zumindest hier gab’s zum Glück auch kein Tempolimit.

Lesen Sie auch:

 

Unsere Leseempfehlungen

Inhalt teilen
  • kopiert!