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Landestheater Coburg
So begegne ich Bob Dylan
Balladen von einem unfasslichen Menschen und Künstler: Hans Ehlers (vorne) und Philippe Roth im Reithallen-Konzert „Where is Dylan?“.
Balladen von einem unfasslichen Menschen und Künstler: Hans Ehlers (vorne) und Philippe Roth im Reithallen-Konzert „Where is Dylan?“. // Sylvain Guillot
Coburg – Hans Ehlers und Philippe Roth nähern sich in der Reithalle mit ihrer atmosphärisch packenden, musikalisch-poetischen Suche einem Monument.

Where is Dylan? – Berechtigte Frage, die da am Landestheater Coburg gestellt wird. Seit den 60er Jahren zieht der Folk-Rock-Sonstwas-Musiker, Nobelpreis-geadelte Literat und Maler seine Kreise mit kaum überschaubaren Auswirkungen. Ein Asteroid ist nach ihm benannt, Bobdylan. Und dem wollen die Drei vom Landestheater in einem animierten Konzertabend gerecht werden?

Begeistert aufgenommen

Geht nicht. Braucht’s auch nicht. Hans Ehlers und Philippe Roth, am Schlagzeug, wo nöti,g wirkungsvoll unterstützt von Stephan Goldbach, machen „ihre Sache“ in der Reithalle verdammt gut. Begeistert, nein, berührt und fast ehrfürchtig aufgenommene Premiere war am Freitag. Das geht weiter so, like a rolling stone.

Viele Bilder von der Produktion gibt es hier:

Um schon mal das Technische zu klären: Englisch sollten Sie einigermaßen verstehen, denn bei Dylan geht es um die tiefgründigen Texte. Sonst bleibt halt die Musik. - Obwohl die in der hier gebotenen Fassung auch wunderbar ist, von der zart und zurückhaltend mit der Akustikgitarre gezupften Folk-Sehnsucht bis zum Hardrock, bizarr gezerrt von den E-Gitarren, und erlesenen jazzigen Akzenten. „Masters of War“ – nach diesem apokalyptischen Klanggemälde mag in der Reithalle keiner mehr Beifall klatschen.

Übergroßes Monument

Regisseur und Musiker und Bühnenbildner Philippe Roth ist für die künstlerische Leitung dieser Produktion verantwortlich. Er agiert an Klavier, Kontrabass und Gitarre zudem als drohend düsteres Schattenriss-Double von Dylan auf dieser Nosferatu-haften Licht- und Schattenbühne.

Schauspieler Hans Ehlers nähert sich mit Stimme, Gestik und Gitarre sehr einnehmend dem übergroßen Monument, ohne eine Kopie zu versuchen. Braucht es ja nicht, wenn sonst alle Welt die Songs des Poeten aus Minnesota ins eigene Repertoire genommen hat.

Landestheater Coburg: Where is Dylan?
Landestheater Coburg: Where is Dylan? // Sylvain Guillot

Bob Dylan ist absolut präsent und Hans Ehlers auf gesangliche, instrumentale und schauspielerische Weise bleibt es bei diesem fesselnden theatralen Erlebnis. Dabei artikuliert er klar, aber unaufdringlich, was, wie gesagt, hier besonders wichtig ist.

Höhepunkt in diesem „Konzert“ in der Coburger Reithalle ist denn auch die Rezitation Ehlers von „Desolation Row“, dem im Programmblatt die deutsche Übersetzung beigegeben ist. Am besten schon vorher lesen und dann mit Dylan/Ehlers in diesem Nightmare von Kain und Abel und Aschenputtel bis Ezra Pound und dem Untergang der Titanic versinken. Ein bisschen gruselig, sicher.

Superhits fehlen

Und, sorry, „Knockin' on Heaven's Door“ steht nicht in der Setliste, andere Superhits von Bob Dylan auch nicht, von „Blowing in the Wind“ als Zugabe abgesehen. Ehlers und Roth öffnen aber die Tür – sagen wir, einen Spalt breit – zu dieser nicht fassbaren Person Bob Dylan in seinen nicht sonderlich heimeligen amerikanischen Weiten, die stets zugleich die Tiefgründe des menschlichen Daseins spiegeln, vom „North Country Blues“ bis zu Blind Willie McTells Südstaaten-Melancholie, bis Hans Ehlers endlich Dylans Masterpiece malen darf. Das ist von lebenslangem heftigen Regen gezeichnet. It’s a hard, it’s a hard, it's a hard rain’s a-gonna fall, wohin alle Songs und Bilder von Philippe Roth und Hans Ehlers zurückfließen.

Hintergrund: Bob Dylan

Bob Dylan, geboren 1941 als Robert Allen Zimmerman in Minnesota, ist ein US-amerikanischer Singer-Songwriter und Lyriker. Er spielt Gitarre, Mundharmonika, Orgel und Klavier. Nach ersten Erfolgen mit Folk wandte er sich Mitte der 1960er Jahre der Rockmusik zu, schöpfte aber im Laufe seiner Karriere auch aus anderen Musiktraditionen wie Country, Blues, Gospel und dem Great American Songbook. Er wird häufig als einer der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Die Produktion „Where is Dylan?“ Aus dem Leben eines Vagabunden. Ein Konzertabend mit Hans Ehlers, Philippe Roth und Stephan Goldbach. Künstlerische Leitung und Ausstattung Philippe Roth. Dramaturgie Mia Massmann, Licht Klaus Böck.

Weitere Termine: 19. Januar, 23. Januar, 25. Januar, 8. Februar, 9. Februar, 27. Februar, 1. März, 28. März, 29. März, 19. April, 20. April, 21. April.

Tickets sind an der Theaterkasse im Globe Coburg (Nina-Bellosa-Platz), an den bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter landestheater-coburg.de erhältlich.

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