Viele verschiedene Töne hat Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) in seiner Rede beim Neujahrsempfang der Stadt Coburg angeschlagen. Zum einen stimmte er die Menschen auf einen wohl noch strikteren Sparkurs ein. „Das wird weh tun“, sagte er, „wir werden in den kommenden Jahren nicht mehr jede freiwillige Leistung einfach durchwinken können.“ Vielleicht müsse auch auf die „eine oder andere liebgewordene Leistung“ verzichtet werden.
Zum anderen machte der Oberbürgermeister aber auch Mut: Coburg stehe sehr gut da – „allen Unkenrufe zum Trotz“. Selbst im Sparmodus könne sich die Stadt mehr leisten als andere vergleichbare Städte. Er verwies auch darauf, dass vieles, was in Coburg als selbstverständlich wahrgenommen werden, andernorts selbst in guten Jahren „Wunschtraum“ sei.
Bekenntnis zur Sanierung des Landestheaters
Sehr konkret äußerte sich Dominik Sauerteig auch zu einigen Großprojekten. Vielleicht am spannendsten waren seine Aussagen zur Sanierung des Landestheaters. Denn bei diesem Thema ist dem OB mitunter bereits eine etwas zu große Zurückhaltung vorgeworfen worden. Anders jetzt beim Neujahrsempfang, der passenderweise im Globe stattfand, also in der Interimsspielstätte des Landestheaters. Sauerteig sagte: „Ich werde alles daran setzen, eine Generalsanierung des altehrwürdigen Gebäudes am Schloßplatz zu vollenden.“
„Das Globe ist kein vollwertiges Theater“
Sauerteig sprach den Umstand an, dass einige ja der Meinung seien, dass das Theater auch dauerhaft im Globe bleiben könnte und es deshalb gar keine Generalsanierung des Stammsitzes am Schlossplatz brauche. „Ich persönlich sehe das anders“, stellte der Oberbürgermeister klar, und er habe das auch schon immer anders gesehen. „Mir war die Generalsanierung immer wichtiger als ein grandioses Interim“, betonte Sauerteig. Denn so schön und hilfreich die Interimsspielstätte natürlich sei: „Das Globe ist kein vollwertiges Theater.“
Eine gewisse Parallele zur Situation des Landestheaters sah Dominik Sauerteig beim Schwimmbad, das neu gebaut soll. Einige Menschen seien ja der Meinung, dass auch ein oder zwei Lehrschwimmbecken statt eines großen Freizeitbades reichen würden. „Mit Blick auf die vielen Familien und den Freizeitwert sowie auf unsere Stellung und Aufgaben als Oberzentrum wäre das wohl aber zu kurz gesprungen!“
Ziel: Coburg lebenswert erhalten
Grundsätzlich gehe es darum, Coburg für die Bürgerinnen und Bürger „lebenswert und zukunftsfähig“ zu erhalten und die Standortqualität auch für die nachfolgenden Generationen hochzuhalten und auszubauen.
Dass in Coburg aber überhaupt noch über so kostspielige Dinge wie eine Theater-Sanierung und einen Schwimmbad-Neubau gesprochen werden kann, hat laut Sauerteig mit einem Großprojekt zu tun, das im vergangenen Jahr die Politik sehr auf Trab gehalten hat. Er meinte die Privatisierung des Klinikums. Der neue Eigentümer Sana wird ja auch sämtliche Kosten für den geplanten Neubau übernehmen – Kosten, die andernfalls von der Stadt Coburg sowie den Kommunen des Landkreises hätten aufgebracht werden müssen.
Klinikum: Entscheidung gegen das Herz
Sauerteig erinnerte noch einmal daran, wie schwer auch ihm persönlich die Entscheidung zugunsten einer Privatisierung gefallen sei. „Das war auch für mich kein einfacher Weg der Entscheidungsfindung“, gab er offen zu. „Gegen das eigene Herz zu entscheiden, ist auch für grundsätzlich eher kopfgeleitete Menschen wie mich nicht einfach.“
Doch ohne die Kooperation mit Sana, so ehrlich müsse man sein, hätte sich die Stadt weder eine Theater-Sanierung noch einen Schwimmbad-Neubau leisten können. Sauerteig wurde sogar noch deutlicher: „Nicht weniger als die Zukunft unserer ganzen Region stand auf dem Spiel angesichts der dreistelligen Millionenbeträge, die wir bei einer kommunalen Trägerschaft für Defizite, Klinikneubau und Bauunterhalt im Altbestand hätten aufbringen müssen.“
Sehen Sie hier ein Video vom Neujahrsempfang der Stadt Coburg:
Neujahrsempfang 2025 der Stadt Coburg im Globe
Sauerteig blickte auf die vielen Krisen in der Welt und räumte ein, dass auch in Deutschland „vieles im Argen“ liege: Die Wirtschaft sei geschwächt, vielerorts würden Menschen um ihre Jobs bangen, und in manchen Bereichen würde man sich auf dem Weltmarkt abgehängt fühlen.
Auch in Coburg könne man sich dieser Unsicherheit nicht entziehen, und man könne vor allem die weltpolitische Lage auch gar nicht beeinflussen. Doch nun fügte Sauerteig ein großes „Aber“ hinzu: „Aber unser Leben vor Ort, das können wir beeinflussen!“ Und zwar jeder Einzelne der rund 41.000 Coburgerinnen und Coburger. „Wir können hinschauen, Kompromisse eingehen, uns gegenseitig unterstützen, Schwächeren helfen.“
OB ruft zu mehr Achtsamkeit auf
Der Coburger Oberbürgermeister rief zu mehr Miteinander und zu mehr Achtsamkeit auf: „Wir können gemeinsam verantwortungsvoll handeln, statt gegeneinander zu arbeiten, andere auszuschließen und nur an den eigenen Vorteil zu denken.“ Und: „Es ist unser aller Verantwortung, dafür zu sorgen, dass wir in Coburg weiter so gut leben können wie bisher.“
“Lassen Sie uns gemeinsam unser Miteinander hier in Coburg schützen.
”
Sauerteig rief den Gästen des Neujahrsempfangs zu: „Lassen Sie uns gemeinsam unser Miteinander hier in Coburg schützen! Und lassen Sie uns dafür sorgen, dass wir hier in Coburg auf uns achten.“ Er ging auch noch ins Detail, was er sich darunter vorstellt: „Schauen Sie hin. Beteiligen Sie sich. Äußern Sie Ihre Meinung. Gehen Sie in den Diskurs. Betrachten Sie Dinge von verschiedenen Seiten. Gehen Sie wählen. Bewahren Sie unsere Demokratie.“
Wichtig sei es auch, so der OB abschließend, die eigene Meinung – wenn nötig – mal hinten anzustellen. Denn: „Wir alle gemeinsam, alle 41.000, haben die Chance, Coburg zu gestalten. Und diese Chance sollten wir nutzen.“
Lesen Sie auch:





















