Beim Wort „Konstruktion“ denken viele an Gebäude oder Maschinen. Nicht an Mode. Doch auch das Entwerfen und Herstellen eines Kleidungsstücks ist ein Konstruktionsprozess, wie jetzt eine Ausstellung im Münzmeisterhaus vor Augen führt.
Nur, dass das Konstruktionsmatarial weicher Stoff ist statt störrischem Metall oder sprödem Holz. Ein Kleidungsstück besteht aus Teilen, die zusammengefügt werden – und es bedarf einiger Vorstellungskraft, den flach liegenden Stoff so zurechtzuschneiden, dass er am Ende, in Form genäht, den Körper so umhüllt, dass dieser geschützt ist und beweglich bleibt.
Ausprobieren, anprobieren
„Man fängt mit dem Drapieren an“, sagt Anett Franke und zeigt ein Foto: Stoffbahnen umhüllen eine Nähpuppe. Wie fällt der Stoff, wo darf er auf keinen Fall einengen? Solche Dinge lernen die Studierenden durchs Ausprobieren.
Die Modedesignerin aus Leipzig (TAF Woman) hat zusammen mit Ralph Neisser von der Hochschule Coburg den Kurs im vergangenen Wintersemester geleitet, bei dem 14 Studierende – zwölf Frauen, zwei Männer aus unterschiedlichen Semestern – sich an das Thema Mode heranwagten. Ihre Aufgabe: Ein Kleidungsstück designen und nähen. „Einer der Jungs hat sogar extra einen Nähkurs gemacht“, sagt Anett Franke mit einem Schmunzeln. Andere, wie Tivka Hahma, hatten schon einige Erfahrung. Tivka Hahma hat sich zum Beispiel das Kleid für ihre Abiturfeier selbst genäht, wie sie erzählt.
Möglichst ohne Verschnitt
Ihr Projekt war ein schlichter Umhang mit Kapuze. Aber der Umhang soll schön fallen, das Innenfutter nicht auftragen, die Kapuze den Kopf wärmen, ohne über die Augen zu rutschen.
Und, die wichtigste Herausforderung, die sich allen Kursteilnehmern stellte: Es sollten so wenig Stoffreste wie möglich abfallen. Und wenn, dann sollten auch die noch einer Verwendung zugeführt werden können. Tivka Hahma hat aus dem restlichen Futterstoff unter anderem eine Innentasche für ihren Umhang gemacht.
Nutzen, was übrig bleibt
Lilo Metzger hatte zwar keinen Verschnitt, aber übrigen Stoff, und schuf daraus einen Minirock, den man – ähnlich einer Schürze – über einem anderen Rock oder einer Hose tragen kann. Bei ihrem Hauptprojekt, einem Abendkleid, nutzte sie die gesamte Stoffbreite, teilte die Front, raffte den Stoff an den Schultern und nähte einen breiten Stoffgürtel, mit dem das Kleid in der Taille zusammengehalten wird. „Die Schnalle habe ich selbst konstruiert“, sagt sie und zeigt die Drahtkonstruktion, die es erlaubt, den Stoffgürtel stufenlos zu verstellen.
So viel wie möglich weiter nutzen
Dozentin Anett Franke kommt selbst vom Zero Waste, sozusagen. Sie wuchs in dem Bewusstsein auf, dass nichts verschwendet werden sollte. Alte Kleidungsstücke kann man umschneidern, Stoffreste eignen sich für Patchwork. Und selbst wenn heute CAD-Maschinen helfen, die Schnittbogen zu zeichnen – es ist der Mensch, der sich vor Augen führen machen muss, wie ein Kleidungsstück zusammengesetzt sein muss, sagt sie. Notfalls wird da mit Papier oder Stoffstücken herumexperimentiert. Drapiert.
Hochschule Coburg macht auf Mode
Der Modekurs war übrigens derart begehrt, dass es im nächsten Wintersemester wieder einen gibt. Und selbst, wenn die Studierenden sich später als Produktdesigner mit völlig anderen Dingen befassen: Das, was sie beim Schaffen eines Kleidungsstücks gelernt haben, wird ihnen auch an anderer Stelle helfen, ist Anett Franke überzeugt.











