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Von Reels zu Rampenlicht
6 Fragen an Comedian Raphael Breuer
Raphael Breuer zu Besuch in Coburg
Comedian Raphael Breuer zu Besuch in Coburg am Albertinum. // Julia Scholl
Coburg – Von TikTok auf die Bühne: Raphael Breuer spricht im Interview über sein erstes Solo-Programm, den Umgang mit Stottern – und warum er als Satzzeichen ein Semikolon wäre.

Raphael Breuer ist bekannt für seine humorvollen Sprachvideos auf TikTok und Instagram. Seine Witze erzählt er jetzt auch live auf Bühnen. Aktuell debütiert er sein erstes Solo-Programm „Verstehen Sie Sprach?“ Über seinen Weg dorthin hat er mit uns gesprochen.

Raphael Breuer zu Besuch in Coburg
Comedian Raphael Breuer zu Besuch in Coburg am Albertinum. // Julia Scholl

Herr Breuer, wenn Sie ein Satzzeichen wären – welches wären Sie?

Raphael Breuer: Das Semikolon! Ich brauche Zeit für mich, aber danach geht’s weiter. Ich bin nicht ganz Punkt, nicht ganz Komma – ich bin beides. Fragezeichen ist mir zu skeptisch. Ich mache einfach eine kleine Pause, und dann geht’s weiter.

Gibt es eine Sprachregel, bei der Sie dachten: Das kann doch nicht sein?

Nicht wirklich. Ich finde, die Absurdität entsteht oft durch Unwissenheit. Viele sagen: „Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – wegen der Artikel, der langen Wörter. Aber das hat alles seinen Grund. Zum Beispiel die Artikel: der, die, das – die sind entstanden, um Missverständnisse zu vermeiden. Wenn man sich die Regeln anschaut und versteht, merkt man: Es hat alles seinen Sinn.

Wie schafft man den Transfer von Videos zu Live-Comedy? Wie bringt man den Humor auf die Bühne?

Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg – nur den eigenen. Und der ist bei mir ganz viel „Trial-and-Error“. Ich habe anfangs versucht, meine Videos eins zu eins auf die Bühne zu bringen, aber schnell gemerkt: Dialog funktioniert live nicht so gut. Ich kann mich ja nicht wie online verkleiden und zwischen Charakteren wechseln. Irgendwann habe ich verstanden: Ich muss einfach mehr ich selbst sein. Nicht überlegen, was ich über Sprache erzählen will, sondern wer ich bin und warum ich darüber sprechen möchte.

Raphael Breuer zu Besuch in Coburg
Comedian Raphael Breuer zu Besuch in Coburg am Albertinum. // Julia Scholl

Sie treten vor ganz unterschiedlichen Publika auf – Schüler, Comedy-Fans, Kabarettpublikum. Wer ist ihre Zielgruppe?

Die ist tatsächlich sehr breit gestreut. Ich werde sowohl für Comedy- als auch für Kabarettbühnen gebucht. Das klingt vielleicht ähnlich, ist aber inhaltlich und stilistisch sehr unterschiedlich. Ich war vor vier Tagen auf einer Kabarettshow und drei Tage später auf einer Comedybühne – und habe gemerkt: Wenn ich Spaß habe und gut bin, kann ich beide Gruppen abholen.

Bevor Sie damit auf die Bühne sind, haben Sie ihr neues Solo-Programm bestimmt vor Freunde oder Familie getestet.

Das ist das Spannende – es funktioniert nicht wirklich, das vorher zu testen. Poetry-Slam-Texte kann man vor Familie und Freunden vortragen, aber Stand-up lebt davon, dass man etwas erzählt, als wäre es gerade passiert. „Ich bin heute mit dem Zug hergefahren – wisst ihr, was mir da Lustiges passiert ist?“ Das funktioniert nur live. Deswegen ist es auch schwierig, wenn Leute sagen: „Erzähl mal einen Witz.“ Das geht nicht. Stand-up braucht eine Bühne. Man muss ins kalte Wasser springen.

Sie haben auch offen über das Stottern als Kind gesprochen. Was würden Sie Menschen raten, die selbst damit kämpfen – vielleicht sogar im Publikum sitzen?

Mir hat geholfen, den Spaß zu suchen. Ich bin ein sehr positiver Mensch. Ich habe mir einfach vorgenommen: Wenn ich erwachsen bin, stottere ich nicht mehr. Das war mein Ziel – so wie andere sagen: Ich will diesen Job, dieses Studium, Familie, Haus. Ich weiß nicht, ob man das so sagen darf, weil es theoretisch nicht stimmt – aber für mich hat es funktioniert. Ich habe es mir manifestiert. 

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