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Landestheater Coburg
Rocky im Anmarsch: Alle tanzen, alle feiern
Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. Hier wird der „Time Warp“ geprobt. // Foto: Oliver Schmidt
Coburg – Der Countdown läuft: Die Soiree macht jede Menge Lust auf die „Rocky Horror Show“, die auch zu einem „Fest der sexuellen Freiheit“ werden soll. Bis zur Premiere am 20. April im Globe gibt es aber noch ein paar Herausforderungen fürs Ensemble.

Es ist 19.27 Uhr, als am Dienstagabend der Time Warp erklingt – zum ersten Mal seit 32 Jahren vor einem Theaterpublikum in Coburg. Doch obwohl die Ränge im Globe voll besetzt sind bei der Soiree zur „Rocky Horror Show“, ist die Stimmung noch eher verhalten. Das liegt aber keineswegs daran, dass der Time Warp – also der mit Abstand bekannteste Tanz in dem Kult-Musical – nicht gut rübergebracht würde. 

Das Globe wird beben

Stattdessen ist zu vermuten, dass das Soiree-Publikum am Dienstagabend nicht unbedingt in Gänze das typische Rocky-Publikum ist. Sehr viele ältere Menschen sind dabei, die mit dieser Horror Show vielleicht gar nichts anfangen können. Sie wollen im Rahmen der Soiree aber zumindest mal schauen, welches Spektakel da auf Coburg zurollt und das Globe erbeben lassen wird. Ob sich der eine oder die andere auch noch einmal dieses nigelnagelneue Globe anschauen will, ehe es von wilden Rocky-Fans zerlegt wird?

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. Hier eine Probenaufnahme mit Florian Graf (links) in der Hauptrolle des Dr. Frank N. Furter. // Foto: Oliver Schmidt

Die Frage erscheint berechtigt, doch die Furcht sollte unbegründet sein. Bei der Soiree werden von der Theaterleitung erstmals einige Verhaltensregeln beziehungsweise Globe-Sicherheitshinweise bekanntgegeben.

Was erlaubt ist und was nicht, lesen Sie hier:

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, lasst uns ausgelassen eine riesige Party feiern – aber übertreibt es nicht und fügt unserer schicken Interimsspielstätte keinen Schaden zu. Die Zuversicht, dass das klappt, ist groß. 

Keine Kindsköpfe mehr

Diejenigen, die vor gut 30 Jahren bei Rocky fast das Landestheater zum Einstürzen gebracht haben, sind keine jungen Kindsköpfe mehr. Das Publikum von damals dürfte reifer geworden sein. Und neue Rocky-Fans, die natürlich ebenfalls angesprochen werden sollen, haben sowieso oft einen ganz anderen Blick auf die Dinge. Auf die Idee etwa, mit Lebensmitteln zu werfen, würden viele aus der jungen Generation nie kommen.

 „Fest der sexuellen Freiheit“

Viel wichtiger sei der jungen Generation beispielsweise das Thema sexuelle Freiheit. Da trifft es sich natürlich gut, dass die „Rocky Horror Show“ seit jeher auch als ein „Fest der sexuellen Freiheit“ zelebriert wird. Oder wie es die Schauspieldramaturgin Cosma Hahne bei der Soiree sagte: „Dieses Musical ist auch ein Plädoyer für Diversität.“

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. Hier in einer Probenaufnahme zu sehen in einer der vielen turbulenten Szenen: im Vordergrund Christian Huber als „Rocky“ (links) und Florian Graf als Dr. Frank N. Furter: im Hintergrund von links: Milena Weber als Usherette, Hans Ehlers als Brad, Nils Svenja Thomas als Riff Raff, Marina Schmitz als Janet und Annelie Straub als Columbia. // Foto: Oliver Schmidt

Das Team um Schauspieldirektor Matthias Straub, der Regie führt, hat sich sehr viele Gedanken gemacht, wie die Rocky Horror Show im Jahre 2024 auf die Bühne zu bringen ist. Zentrale Gedanken auch hier: der Wandel der Zeit und dass sich der Blick auf manche Dinge geändert hat.

Kein goldenes Höschen

Es wird zum Beispiel nicht nur Strapse, Strapse und nochmal Strapse zu sehen geben. Das fände Matthias Straub zu platt. Rocky, der irgendwann als künstlich erschaffener Traummann erscheint, wird auch nicht – wie bei der Coburger Rocky-Version von Anfang der 1990er Jahre – lediglich ein knappes goldenes Höschen tragen. 

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. Hier eine Probenaufnahme bei der Soiree. In der Mitte zu sehen ist Roland Fister, der die musikalische Leitung hat. // Foto: Oliver Schmidt

Dr. Frank N. Furter trägt viel Leder und ist oft inspiriert von der Haute Couture; in einer Szene sieht er fast ein bisschen aus wie ein schwarzer Weihnachtsbaum. Eddi wiederum erscheint als Mischung aus Elvis und Jimi Hendrix. 

Das Publikum mitnehmen

Was Matthias Straub und vor allem Bühnenbildner Till Kuhnert sehr wichtig ist: Das Publikum soll mitgenommen werden. Deshalb findet das Spektakel nicht nur auf der eigentlichen Bühne statt. Ähnlich wie beim Weihnachtsmärchen „Zauberer von Oz“ gibt es eine Erweiterung der Bühne in den Zuschauerraum hinein. Vorstellen muss man sich das wie eine große, liegende „8“. Der obere Kreis dieser „8“ befindet sich auf dem herkömmlichen Bühnenbereich; in der Mitte dieses Kreises steht auch die Band. 

Der untere Kreis der „8“ befindet sich mitten im Parkett des Zuschauerraums.  

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. In dieser Probenszene ist „Rocky“ (Christian Huber) zu sehen, wie er zum Leben erweckt wird. Mit im Bild (von links): Florian Graf (Dr. Frank N. Furter), Nils Svenja Thomas (Riff Raff), Annelie Straub (Columbia) und Milena Weber (Usherette/Magenta). // Foto: Oliver Schmidt

Wie es bei Produktionen von Matthias Straub nicht unüblich ist, wird auf der Bühne immer ein ordentliches Gewusel herrschen. Wohlgemerkt: auf der kompletten „Bühne“, also auf der kompletten „8“.

Bis zu 35 Akteure werden zum Teil gleichzeitig singen und tanzen und das Publikum zum Mitmachen animieren.

Auch Ballett und Chor dabei

Zu den 35 Akteuren gehören außer dem nahezu kompletten Schauspielensemble auch Mitglieder des Balletts und des Chors. Matthias Straub sagt: „Ich bin wahnsinnig stolz, dass wir diese Produktion ohne Gäste schaffen.“ Lediglich die Band muss von extern verpflichtet werden.

Bei der Soiree wird Matthias Straub gefragt, warum das Musical als Produktion des Schauspiels läuft und nicht des Musiktheaters. Auch hier gibt es eine Antwort, bei der Stolz mitschwingt: „Weil wir ein toll singendes Schauspielensemble haben!“

Rocky Horror Show im Globe Coburg
Die „Rocky Horror Show“ feiert am Samstag, 20. April, Premiere im Globe Coburg. Regie führt der Schauspieldirektor des Landestheaters Coburg, Matthias Straub (rechts). // Foto: Oliver Schmidt

Noch kommen diese „vielen coolen Stimmen“, von denen Straub schwärmt, aber nicht überall im hohen Rund so richtig zur Geltung. Die Soiree am Dienstagabend, die zugleich als erste große Tonprobe diente, offenbarte noch ein paar Mängel. Doch eineinhalb Wochen bleiben ja noch, um nachzujustieren.

Gefälle als Herausforderung

Die Zeit bis zur Premiere am Samstag, 20. April, wird aber auch noch für andere Dinge benötigt. Allen voran müssen alle Akteure üben, mit der erweiterten Bühne klar zu klommen. Denn die „8“ befindet sich sozusagen in Schieflage. Sprich: Die Schauspielerinnen und Schauspieler müssen ein ordentliches Gefälle überwinden – eine Herausforderung ist das auch deshalb, weil fast alle Akteure Schuhe mit hohen Absätzen tragen.

Weitere Vorstellungen ab November 2024

Nach eineinhalb Stunden endete die Soiree. Sie hat viel Lust gemacht auf die „Rocky Horror Show“.  Und wer bislang keine Karte ergattern konnte oder wollte, dem seien zwei Hinweise hingegeben: Alle 15 Vorstellungen in dieser Spielzeit sind zwar restlos ausverkauft. Doch es gibt noch Karten für das Rocky-Open-Air am Montag, 10. Juni, in der Kulturfabrik Cortendorf. Außerdem wird es die Rocky Horror Show in der Spielzeit 2024/2025 als Wiederaufnahme geben. Wie Matthias Straub am Dienstagabend sagte, werde es ab November 2024 weitere 15 Vorstellungen im Globe geben.

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