Der Abend beginnt nicht mit einem Iren, sondern einem Briten: Nick Howard, der 2012 bei „The Voice of Germany“ gewann und mit einem Mischmasch aus Englisch und Deutsch spricht. Er singt „Can′t break a broken heart“ und animiert das Publikum zum Mitsingen: „Wenn ihr den Text kennt, sing along with me!“
Doch keiner scheint sich so Recht an den Gewinner von „The Voice of Germany“ von vor 13 Jahren zurückzuerinnern. Aber vielleicht ist es auch das falsche Publikum, denn die meisten der Anwesenden sind wohl zwischen 35 und 55 Jahre alt, und haben statt „The Voice of Germany“, „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Popstars“ geguckt.
Dann betritt der Star des Abends die Bühne: „Danke schön!“, ruft Ronan Keating. Anders als Nick Howard spricht Ronan Keating, bis auf ein, zwei Wörter, kein Deutsch. Und obwohl sein irischer Akzent sehr schwach ist, redet er schnell und es könnte sein, dass das Publikum ihm nicht immer folgen kann, wenn er zum Beispiel davon spricht, wie gut er sich aufgehoben fühlt in Deutschland: „You make me feel like one of your own“; „Ihr gebt mir das Gefühl dazuzugehören.“
Aber darauf kommt es ja auch nicht an, die Menschen sind schließlich für die Musik gekommen. Und für die Nostalgie: Boyzone-Poster im Kinderzimmer, Ronan Keating in Bravo Heften und der erste Kuss zu „When you say nothing at all“.
Mit dem ersten Song „Loving each day as it lasts“ befinden wir uns im Jahr 2002. Ein gute-Laune-Song, der zum Tanzen anregen könnte, doch das Publikum ist etwas verhalten. Trotzdem gibt Ronan Keating alles. Er ist Profi, er trifft die Töne ohne Mühe und lässt sich auch vom anfangs etwas trägem Publikum nicht beirren.
Es geht ins Jahr 1998: „Ihr seht viel zu jung aus, um euch daran zu erinnern, aber in den 90ern war ich in einer Boyband namens Boyzone. Das war der Beginn meiner Karriere, hier habe ich mein Handwerk gelernt“ erklärt Ronan Keating. Dass er dem großteils älteren, weiblichen Publikum damit schmeicheln möchte, könnte den Meisten entgangen sein, denn das Publikum bleibt stumm. Als er dann „Baby can I hold you“ von Boyzone anstimmt, wippen immerhin ein paar der Zuschauerinnen und Zuschauer hin und her oder ziehen ihre Smartphones hervor.
Ronan Keating legt Gefühl in den Song, ist dabei aber weniger pathetisch als noch in den 90ern mit Boyzone. Und er hat noch ein paar weitere Boyzone Klassiker zum in Erinnerungen schwelgen in Petto. Bei „Words“ kann Ronan Keating das Publikum dann doch zu einem zaghaften Mitsingen animieren. „Words is all I have to take your heart away“ summen sie und bekommen dafür Lob von Keating auf Denglisch: „Unfassbar beautiful singing!“.
„That was boyzone in a nutshell“ – „Das war Boyzone in Kurzfassung“ verkündet Ronan Keating und weiter geht die Reise durch seine Musikkarriere. Immer wieder versucht es Ronan Keating mit einem Witz und langsam wird das Publikum wärmer. – Mit ihm, seinem irischen Akzent und seinem Humor.
Als er von seiner Zeit als einzig englischsprachiger Juror bei „The Voice of Germany“ erzählt, verwundert es doch nicht sehr, dass er mit seinen 48 Jahren schon Opa ist: „Ich bin ein Mann, ich kann kaum laufen und dabei Kaugummi kauen.“ Ein bisschen Mann-Frau Klischees, das passt doch irgendwie auch zur Reise in die Neunziger- und Nullerjahre.
Als Ronan Keating von der Bühne aus, Cocktails bestellt, begründet er das so: „Ich bin Ire, mir entgeht kein Cocktail-Van“. Und damit schafft er geschickt die Überleitung zu seinem nächsten Song, einem Cover von „The Blower’s Daughter“ von dem irischen Sänger Damien Rice. Während des Lockdowns habe er viel irische Musik gehört und sich wieder mehr mit seinem Heimatland verbunden gefühlt. Damals lebte Keating in Australien. Mittlerweile lebt er wieder in seinem Heimatland Irland.
Dann ein weiteres Cover: „Faith“ von George Michael, sein Idol, wie Ronan Keating sagt. Er habe damals vor dem Spiegel mit einer Haarbürste George Michael gesungen und von einer Musikkarriere geträumt.
Und dann gibt es noch einen Überraschungsgast: Egon Herrnleben, der bei „The Voice of Germany“ im Team von Ronan Keating war und ins Finale kam. Er kommt aus Bamberg. Zusammen singen sie „No matter what“ von Boyzone. Ronan Keating verschwindet kurz und kehrt mit neuem Jackett, und wie es scheint, neuer Energie zurück. Vielleicht hat aber auch der Cocktail sein Übriges getan.
Dann geht es langsam dem Ende zu. Doch zwei Klassiker fehlen doch noch …
Während seiner Anreise habe er überlegt, was sich denn auf Coburg reimt. „Dieser Song heißt Coburg“, ruft Ronan Keating ins Mikrofon. „It's amazing how you can speak right to my Coheart“ singt er und schafft es so doch noch dem Publikum ein herzhaftes Lachen zu entlocken.
Nach eineinhalb Stunden bedankt sich Ronan Keating: „Es ist einfach toll, dass ich das beruflich machen kann. Vielen Dank, habt einen schönen Sommer!“ Als Zugabe spielt er „Life is a Rollercoaster“ und gibt nochmal alles. Er springt auf der Bühne auf und ab und schließlich ist das Publikum, jetzt am Ende des Konzertes, doch noch bereit diesen Abend mit Leben zu füllen. Im Chor singen sie „Life is a rollercoaster, just gotta riiiide iiit“ – „Das Leben ist eine Achterbahn, man muss einfach mitfahren“.

























