Urban Priol gastierte mit seinem Programm „Im Fluss. Täglich quellfrisch, immer aktuell!“ im Coburger Kongresshaus Rosengarten – und vor einem nahezu ausverkauften Haus zeigte der Kabarettist einmal mehr, warum er zu den profiliertesten Satirikern Deutschlands zählt.
Von der ersten Minute an entwickelte sich ein kurzweiliger, temporeicher und ausgesprochen lebendiger Abend, an dem eine Pointe die nächste jagte. Immer wieder wurde Priols Vortrag von spontanem und kräftigem Applaus unterbrochen. Lachen und Beifall gingen durch den Saal – und spätestens nach wenigen Minuten war zu spüren: Hier hatte einer sein Publikum gefunden.
Priol selbst brachte die Messlatte gleich zu Beginn hoch: „Das, was uns die Politik derzeit an satirischem Material liefert, ist von uns Satirikern kaum zu toppen.“ Ein Satz, der zugleich als Programm und Standortbestimmung für den Abend verstanden werden konnte. Besonders intensiv nahm sich Priol Bundeskanzler Friedrich Merz und die Politik der CDU vor. Die Sozialpolitik der Union zerlegte er mit gewohnt scharfem Blick und stellte die Frage, was daran eigentlich noch christlich sei. Den hohen Temperaturen begegne die CDU, so seine zugespitzte Interpretation, mit „sozialer Kälte“.
Auch die von Merz angekündigten Reformen boten Priol reichlich Stoff. Als erste Maßnahme hätte er sich, so der Kabarettist, die Entlassung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche gewünscht. Priol sprach ihr auf der Bühne jegliche Wirtschaftskompetenz ab – eine seiner zahlreichen bewusst überspitzten Attacken des Abends.
Überhaupt bekam an diesem Abend beinahe jeder sein Fett weg. Selbst die SPD wollte Priol ins Visier nehmen. Nur: Ihm fiel offenbar nicht viel ein. Die Partei sei mittlerweile von einer Partei zu einem „Spurenelement“ geworden, lautete seine Diagnose. Auch Olaf Scholz bekam noch einen Seitenhieb ab. Priol entschuldigte sich beim Publikum dafür, dass er den ehemaligen Bundeskanzler nicht parodiert habe. Dafür, so seine Pointe, müsse man schließlich Pantomime können. Mehr brauchte es nicht. Wieder lachte der Saal.
Priol wechselte dabei mit atemberaubender Geschwindigkeit zwischen großen politischen Linien, aktuellen Ereignissen und scheinbaren Nebensächlichkeiten. Gerade diese Nebensätze erwiesen sich nicht selten als besonders treffsicher. Manchmal genügte ihm ein einziger Halbsatz, um einen ganzen politischen Vorgang auf den Punkt zu bringen. Natürlich nahm Priol die AfD ins Visier. Im Zusammenhang mit den jüngsten Wahlen sprach er vom „Geist der Untoten“, der die Luft verpestet habe. Die Partei, so seine satirische Vorstellung, könne irgendwann wieder zur „Aktuellen Kamera“ und zum „Schwarzen Kanal“ zurückkehren.
Besonders pointiert wurde Priol bei der Frage, warum Menschen AfD wählten. Einen überzeugten Faschisten könne er verstehen – dieser wisse schließlich, was er tue. Wer dagegen lediglich den etablierten Parteien einen Denkzettel verpassen wolle, sei deshalb noch lange kein Nazi. Priols Urteil darüber fiel allerdings drastisch aus: „Die sind einfach nur blöd.“ Noch eindringlicher wurde er mit einem Satz, der aus dem Gelächter heraus plötzlich eine mahnende Ernsthaftigkeit entwickelte: „Es kann passieren, dass man die Faschisten tatsächlich nur einmal wählen kann.“
So scharf seine Attacken auch waren: Priol blieb in seiner Bühnenrolle beim Stil des Kabarettisten. Er arbeitete mit Übertreibung, Zuspitzung und Wortakrobatik, griff zugleich aber immer wieder auf konkrete politische Vorgänge und öffentlich bekannte Fakten zurück. Gerade dadurch erhielten seine Pointen zusätzliche Wirkung.
Auch international nahm Priol kein Blatt vor den Mund. Die Fußball-Weltmeisterschaft lieferte ihm ebenso Stoff wie die Rolle des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Über die deutsche Nationalmannschaft und ihre Reise in die USA spottete er mit einer absurden Landungs-Geschichte: Die Spieler hätten dem Piloten bei der Landung gesagt, er könne die Triebwerke laufen lassen – man bleibe nicht lange. Infantino bezeichnete Priol in gewohnt derber Sprache als den „korrupten Wichser aus dem Wallis“ und attestierte ihm, er lebe „am Darmausgang von Donald Trump“. Auch Friedrich Merz habe dorthin gewollt, musste allerdings feststellen: „Besetzt.“
Es sind genau solche Bilder, die Priols Stil ausmachen. Grob, manchmal bitterböse, aber sprachlich so pointiert, dass selbst die härtesten Spitzen vom Publikum mit lautem Gelächter quittiert wurden.
Wer an diesem Abend im Auditorium saß, erlebte drei Stunden prachtvoller Satire – lebendig, bissig und vor allem ausgesprochen kurzweilig. Priol war dabei das Sprachrohr all jener, die sich vom politischen Betrieb nicht verstanden fühlen.
Und vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke seines Kabaretts: Er hält der Politik den Spiegel vor – und dem Publikum liefert er dabei reichlich Stoff zum Lachen, Nachdenken und Diskutieren.













