Ein Jubiläum kann ein willkommener Anlass zur kritischen Neubewertung sein. Das gilt auch für Bert Brecht, dessen 125. Geburtstag vor wenigen Tagen im Kalender stand. Wie aktuell sind seine Werke, wie aktuell ist sein episches Theater heute noch? Was speziell seine „Dreigroschenoper“ gerade jetzt zu sagen haben kann, will das Landestheater mit seiner Neuinszenierung zeigen. In der Regie von Jasmin Sarah Zamani feiert das Erfolgsstück von Bert Brecht zur Musik von Kurt Weill am 25. Februar Premiere. Zuletzt stand dieses „Stück mit Musik“ in der Spielzeit 2005/2006 auf dem Programm an gleicher Stelle, damals in Szene gesetzt von Hanfried Schüttler.
Wie aktuell ist „Die Dreigroschenoper“?
„Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ – das könnte in Zeiten drastisch gestiegener Energiekosten durchaus unvermutet brisant klingen. Oder muss sich eine Neuinszenierung im Jahr 2023 mehr denn je auf die Sogwirkung von Kurt Weills Melodien verlassen? Wobei auch Weills Klänge knapp ein Jahrhundert nach der Uraufführung 1928 in Berlin natürlich nicht jünger geworden sind.
Kriminelle und Korrupte
Jasmin Sarah Zamani, die Ende November 2021 „Wiener Blut“ erfolgreich auf die Bühne des Landestheaters gebracht hatte, vertraut gemeinsam mit ihrer Bühnen- und Kostümbildnerin Aylin Kaip ganz bewusst auf den typischen Brecht-Gestus der Desillusion. „Es geht nicht darum, was passiert, sondern darum, wie es passiert“, betont Schauspieldramaturg Victor Pohl. Schließlich sei es Brechts Bestreben gewesen, die Zuschauer aufzurütteln, sie zum Handeln zu animieren – zum Protest gegen die Missstände.
Kritische Annäherung
Ausbeuter und Ausgebeutete, Kriminelle und Korrupte – das Personal der späten 1920er Jahre, das Brecht in seiner Bearbeitung der „Beggar„s Opera“ von 1728 versammelt, sei so aktuell wie zu Zeiten der Uraufführung. Bearbeitung, Plagiat oder geniale Umdeutung? Mit knapp einem Jahrhundert Abstand zur Uraufführung verträgt „Die Dreigroschenoper“ eine kritische Annäherung.
Welches Ziel Brecht verfolgte
Unverkennbar zumindest ist, dass Brecht bei allen Ähnlichkeiten in der äußeren Handlung zur „Beggar’s Opera“ mit der „Dreigroschenoper“ ein grundlegend anderes Ziel verfolgt.
Wenn Mackie Messer, der Chef einer Bande von Straßenbanditen, und Jonathan Jeremiah Peachum, der Chef einer effizient organisierten Bettlerbande, aufeinandertreffen, weil Mackie Messer Peachums Tochter Polly heimlich geheiratet hat – dann wird daraus bei Bert Brecht effektvolles Vorführ-Theater. Denn Brecht will sein Publikum nicht in irgendeine raffinierte Theater-Illusion hineinziehen, sondern immer wieder irritieren und zum Widerspruch reizen.
Stummfilm-Assoziationen wecken
Die Ausstattung solle „an die Zeit der Uraufführung in den späten 1920er Jahren erinnern und in Details ganz bewusst Stummfilm-Assoziationen wecken“, erklärt Ausstatterin Aylin Kaip. Das Bühnenbild im Landestheater, so Kaip, soll zudem bewusst vor Augen führen, dass es schlicht Kulisse und nicht Wirklichkeit sei. „Wir wollen die komischen Aspekte herauskitzeln“, verspricht Regisseurin Jasmin Sarah Zamani.
Rund um die „Dreigroschenoper“
Premieren-Tipp „Die Dreigroschenoper“ – Ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern von Bertolt Brecht nach John Gays „The Beggar’s Opera“, Musik von Kurt Weill – 25. Februar, 19. 30 Uhr, Tickets an der Theaterkasse (09561/898989), Termine online (landestheater-coburg.de)
Besetzung Macheath, genannt „Mackie Messer“: Nils Liebscher
Jonathan Jeremiah Peachum: Niklaus Scheibli
Celia Peachum: Juliane Schwabe
Polly Peachum: Annelie Straub
Brown, oberster Polizeichef: Tobias Bode
Lucy: Marina Schmitz
Spelunken-Jenny: Lilian Prent
Smith: Frederik Leberle
Pastor Komball/Moritatensänger, Konstabler: Florian Graf
Filch/Konstabler: Simon Latzer
Hakenfingerjakob: Stephan Mertl
Münzmatthias: Hans Ehlers
Alte Hure: Kerstin Hänel
Chor des Landestheaters und Band
Produktionsteam
Musikalische Leitung: Johannes Braun;
Regie: Jasmin Sarah Zamani
Bühne und Kostüme: Aylin Kaip;
Choreinstudierung: Alice Lapasin Zorzit;
Dramaturgie: Victor Pohl
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