Die Coburger Morizkirche hat schon viel erlebt. Sie hat sogar einst – vor einem halben Jahrtausend – den Reformator Martin Luther live bei der Predigt erlebt. Aber eine solche radikale Verwandlung hat sie noch nicht durchgemacht. Die Verwandlung in einen riesigen Bühnenraum. In den nächsten Wochen bis Mitte Oktober wird Coburgs Stadtkirche zur wichtigsten Spielstätte des Landestheaters.
„Wir wollten die Kirche nicht kapern“
„Am Anfang haben wir nur einen Ort für eine konzertante Aufführung von Berlioz’ ,Fausts Verdammnis’ gesucht, weil wir davon ausgehen mussten, dass uns ab Herbst das Landestheater nicht mehr zur Verfügung stehen würde“, erklärt Intendant Bernhard F. Loges die Entstehung eines außergewöhnlichen Projektes. „Wir wollten die Kirche nicht kapern“, versichert Loges – doch letztlich hat das Landestheater genau das gemacht. Denn das Projekt „Fausts Verdammnis“ in der Regie von Neil Barry Moss hat an diesem besonderen Ort mit seinen speziellen Möglichkeiten und Herausforderungen eine ganz eigene Dynamik entwickelt.
Gottesdienste in der Salvatorkirche
Längst hat sich die Kirchengemeinde St. Moriz von der Vorstellung verabschiedet, in diesen Wochen im umgestalteten Gotteshaus auch Gottesdienste abhalten zu können. Die finden deshalb in der Salvatorkirche statt.
Riesiges Aufgebot an Mitwirkenden
Währenddessen wird die Kirchen als riesiger Bühnenraum für insgesamt exakt 148 Mitwirkende zum Schauplatz eines Ringens zwischen Gott und Teufel um Fausts Seele. Neil Barry Moss inszeniert dieses Ringen um eine Seele ganz bewusst als eine Art Schachspiel mit ganz besonderem Einsatz.
Margarethes Himmelfahrt
Der Titel dieser zwischen Oper und Oratorium balancierenden „dramatischen Legende“ lässt eigentlich kaum auf ein Happy End hoffen: „Fausts Verdammnis“. Immerhin jedoch hält Berlioz Margarethes Himmelfahrt als versöhnliches Element bereit.
Was aber wird aus Faust in dieser Inszenierung? Die Antwort liefert die Premiere an diesem Samstag (24. September, 19 Uhr). Und Regisseur Neil Barry Moss deutet an: „Jeder hat eine zweite Chance verdient.“ Auch Faust?
Kulturherbst in St. Moriz – Kooperation zwischen dem Landestheater Coburg und der Musica Mauritiana
24. September „Fausts Verdammnis“ - dramatische Legende von Hector Berlioz, 19 Uhr – Weitere Termine:
30. September, 5., 11., 13., 15. Oktober, 19 Uhr
25. September „Der Weg von Händel zu Haydn“ – Main-Barockorchester Frankfurt – 18 Uhr
1. Oktober Morizer Orgelnacht – César Franck zum 200. Geburtstag –
Markus Ewald und Peter Stenglein an der Schuke-Orgel, 19 Uhr
9. Oktober „König David“ – Symphonischer Psalm von Arthur Honegger; Coburger Bachchor, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, 18 Uhr
12. Oktober „Nosferatu“ – Stummfilm mit Orgelimprovisationen, Peter Stenglein (Orgel), 19 Uhr; weiterer
Termin: 16. Oktober, 19 Uhr
15. Oktober Kulturgespräch „Spiel um des Menschen Seele“, 13 Uhr (Landestheater)
17. Oktober 1. Sinfoniekonzert „Nach den Sternen greifen“, Philharmonisches Orchester
Der Kulturherbst in St. Moriz ist eine Kooperation zwischen der Reihe
Musica Mauritiana und dem Landestheater Coburg. „Wir haben uns sehr ins Zeug gelegt, um uns inhaltlich einzubringen“, erklärt Coburgs Kirchenmusikdirektor Peter Stenglein. Er beteiligt sich nicht nur als Dirigent des Coburger Bachchors an diesem Kultur-Projekt, sondern gleich doppelt als Organist – mit der Morizer Orgelnacht und mit seinem Improvisationskonzert zum Stummfilm-Klassiker „Nosferatu“.
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