Schon eine ganze Weile vor Einlass stand die Schlange vor dem Kongresshaus Rosengarten bis auf die Straße. Wrestling-Shirts, aufgeregte Kinder, ganze Familien und Freundeskreise, die sich gegenseitig ausmalten, wie die Rivalitäten zwischen den Wrestlern an diesem Abend wohl ausgehen würden. „Ich hab mir gestern Nacht nochmal schnell alle Hintergrundgeschichten auf Instagram reingezogen“, erzählte Leon aus Coburg, für den es der erste Wrestling-Abend überhaupt war.
Mehr als 300 Karten waren zu diesem Zeitpunkt schon verkauft, deutlich mehr, als der Veranstalter ursprünglich kalkuliert hatte. So viel Andrang für eine Sportart, die in Coburg bisher kaum jemand live gesehen hatte, hatte wohl niemand erwartet.
Kein Eintritt für Kinder unter 12
Am Einlass selbst gab es einiges zu organisieren. Jugendschutz und Security kontrollierten gemeinsam die Ausweise, denn Kindern unter 12 Jahren war der Zutritt zur Show nicht gestattet. Einer der Veranstalter erklärte, dass das offenbar eine Coburger Besonderheit sei.
In Erlangen, wo die GAW ebenfalls regelmäßig Shows veranstaltet, habe es damit bislang nie Probleme gegeben. Mitten im Einlassgeschehen stand Timur Shatalov, Gründer der GAW und später selbst im Ring aktiv, der zunächst persönlich die Tickets kontrollierte. Zusätzlich gab es vor Beginn die Möglichkeit, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Das Kongresshaus selbst war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Über drei Stunden volles Programm
Als es dann losging, bekamen die Gäste neun Matches in gut drei Stunden geboten. Cara Noir und Peter Tihanyi lieferten sich das mit Spannung erwartete erste Aufeinandertreffen der beiden. GAW World Champion King Nixxon, gebürtiger Coburger wie Shatalov, trat gemeinsam mit ihm gegen die ehemaligen Champions Superior und Connor Hesketh an, ein Duo gegen zwei Wrestler, mit denen sie beide seit Jahren trainieren. Bei seinen Auftritten wurde die Halle spürbar lauter.
Im Frauen-Wrestling standen sich Jane Nero und Madison Marley gegenüber. Der Sieg brachte der Gewinnerin einen Titelshot gegen die amtierende GAW Women's Champion Nikki Storm ein. International Champion Hektor Invictus verteidigte seinen Gürtel derweil gegen Laurance Roman. Dabei blieb der Kampf nicht immer im Ring. Immer wieder ging es mitten hinein ins Publikum.
Wrestling-Premiere in Coburg: Volles Kongresshaus
Ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art
Unter den Gästen waren auch Chris, Hannes und Mike, drei Freunde, die sich seit über 20 Jahren kennen. „Irgendwann wusste man einfach nicht mehr, was man sich noch schenken soll. Immer nur Schnaps wurde langweilig“, erzählte Chris. Also schenkten sie sich seither gegenseitig Erlebnisse: mal ein Konzert, mal die Oper, mal einen Abend mit Helge Schneider. Wer Geburtstag hat, erfährt vorher nie, wohin es geht. Mike, der im August Geburtstag hatte, wurde an diesem Samstag mit der Wrestling-Show überrascht.
Um die Spannung bis zuletzt hochzuhalten, gingen die drei erst gemeinsam in Coburg essen. Danach erzählten Chris und Hannes ihm, es stehe noch eine anderthalbstündige Autofahrt bevor. 15 Minuten später standen sie dann vor dem Kongresshaus. Vor Ort überreichten Chris und Hannes ihm noch ein selbstgemachtes T-Shirt, mit dem Mike seine frische Begeisterung fürs Wrestling zeigen konnte. Die Tickets waren für die erste Reihe. Sein Kommentar zum Geschenk fiel kurz sichtlich begeistert aus: „Geil.“
Laut und mittendrin
Diese Einschätzung teilten offenbar viele im Saal. Immer wieder wurde es laut, wenn das Publikum den Wrestlern zurief, mal aufmunternd, mal alles andere als das. „Hau ihm auf die Fresse“ und „Bring es zu Ende!“ gehörten zu den freundlicheren Zurufen. Dazwischen wurde gebuht, gemeinsam runtergezählt und mit den Kämpfern gestichelt.
Besonders laut wurde das Publikum, wenn der Kampf den Ring verließ und mitten unter die Zuschauer geriet. Dann wurde nicht nur zugeschaut, sondern weiter gestichelt, während Wrestler teils auf freigehaltene Plätze in der ersten Reihe geschubst wurden.















