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Coburg demonstriert gegen Rechts: CSU und FDP ernten Kritik
Demo gegen die AfD und Rechts in Coburg
Der Verein „Comun“ hatte zur Demo aufgerufen. // Fajsz Deáky
Coburg – Am Sonntag haben 4000 Menschen in Coburg demonstriert. FDP und CSU hatten entschieden, sich nicht zu beteiligen und ernten in den sozialen Medien deutliche Kritik. Einem gibt das zu denken...

Über 4000 Menschen haben sich am Sonntag auf dem Marktplatz versammelt, um unter dem Motto „Gemeinsam gegen Rechts“ zu demonstrieren. „Ehrlich gesagt, sind wir in Coburg kleinere Demonstrationen gewohnt. Wir hätten nicht damit gerechnet, dass so viele kommen“, sagt Ulf Wunderlich, Vorsitzender des Veranstalters Comun. Wer jedoch fehlte, waren die FDP und die CSU Coburg. Dabei kam sogar hoher Besuch eines Parteikollegen. 

Jonas Geissler, Bundestagsabgeordneter der CSU im Stimmkreis Coburg/Kronach, kam nicht nur zur Demo, sondern hielt ebenso wie Christian Gunsenheimer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, auch eine Rede. „Ich danke beiden Personen aufrichtig für ihr Kommen. Das war ein wichtiges Zeichen für die Demokratie“, sagt Wunderlich. Die Rede von Geissler sei „äußerst positiv“ aufgenommen worden, sagt er. „Zudem gebührt ihm nach den Aussagen seines CSU-Kollegen auch Respekt, sich vor eine solche Menschenmenge zu stellen. Ohne zu wissen, wie diese reagiert“, erläutert Wunderlich und bezieht sich damit auf die Aussagen von CSU-Mitglied David Lindner im Vorfeld der Demonstration.

Kritik für die Positionen geerntet 

Der stellvertretende Kreisvorsitzende der CSU Coburg-Stadt hatte vorab gegenüber unserer Redaktion erläutert, warum sich die Coburger Christsozialen nicht an der Demonstration beteiligen. Unter anderem sagte er: „Wir glauben nicht, dass es sinnvoll ist, sich mit Ideologen gegen Ideologen zu stellen. Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass wir uns nicht gegen Extremismus positionieren.“ Auch die FDP hat sich nicht an der Demonstration beteiligt. „Wir halten nichts von einer Demo gegen einen Mitbewerber“, begründete Michael Zimmermann, Kreisvorsitzender der FDP Coburg-Stadt vorab.


Die Positionen in voller Länge lesen Sie hier:

Beide Aussagen haben auf Instagram unter einem korrespondierenden CT-Beitrag heftige Kritik hervorgerufen. Besonders der von Zimmermann gewählte Begriff „Mitbewerber“ führt bei einigen zu Unverständnis. „Die AfD, die auch in Bayern vom Verfassungsschutz beobachtet wird, so verharmlosend als ,Mitbewerber' zu bezeichnen, ist vollkommen daneben“, schreibt eine Nutzerin. „Schade, dass sich nicht wenigstens FÜR die Demokratie positionieren“, schreibt ein anderer. 

CSU nimmt Stellung

Auf Nachfrage, wie man die Demonstration im Nachgang bewerte und wie man mit der Kritik umgehen möchte, verwies stellvertretender Kreisvorsitzender David Lindner auf seinen Kollegen und Vorsitzenden der CSU Coburg Stadt, Kurt Knoch. „Die Demonstration war ein wirklich positives Zeichen und die Intentionen der allermeisten waren positiv“, sagt Knoch. Es sei vorab abgesprochen gewesen, dass Mandatsträger an der Demonstration teilnehmen, der Verband jedoch nicht, erläutert er.

Die mögliche Außenwirkung dieser Entscheidung sieht man nicht als Problem. „Als Verband sehen wir es so, dass die eigentliche Lösung nur durch die entsprechende Politik kommen kann“, so Knoch. Das könne man durch Demonstrationen nicht lösen. „Was wir alle erreichen wollen ist, dass die Menschen wieder Parteien wählen, die die Demokratie verteidigen und mit Leben füllen.“ Man werde die Menschen nur überzeugen, etwas anderes zu wählen, indem die berechtigten Probleme und Sorgen der Menschen annimmt und Lösungen sucht.  

Das sagt die FDP

Ebenfalls kritisiert wurde Michael Zimmermann von der FDP für die Position seiner Partei. Die Kritik wurde gehört. „Es wird noch ein Mal eine Diskussion geben“, sagt er. Im Nachgang bewertet er die Demonstration etwas anders. Zuvor hatte er gesagt, dass bei der Kundgebung überwiegend Gruppen aus dem linken Spektrum vertreten sein werden und man deshalb keine Notwendigkeit sehen mitzumachen, da man gegen Extreme von links uns rechts sei.

Nach der Demo sagt er nun, dass man sich allgemein etwas verschätzt habe und, dass eine „breite Masse“ dabei war. Er selbst sei etwas nachdenklich geworden. „Was mir besonders zu denken gegeben hat, waren die Aussagen von Martin Böhm, der seine Kollegen mit Karnickeln vergleicht.“ (Anmerkung der Redaktion: Die Aussage hat Martin Böhm, aus Coburg stammender und in Coburg wohnender AfD-Landtagsabgeordneter, beim Landesparteitag der AfD in Greding am Samstag, 13. Januar, getroffen. Volles Zitat: „Wir müssen den Karnickeln in den Parlamenten den verdienten Nackenschlag versetzen und nicht unseren eigenen Parteikameraden.“)

Keine Eintagsfliege

An der Demonstration teilgenommen hat auch Andreas Engel, Präsident der IHK Coburg. Er ist zwar kein CSU-Mitglied, gehört im Coburger Stadtrat aber der CSU/JC-Fraktion an. Auf Facebook begründete er seine Teilnahme wie folgt: „Es ist Gefahr im Verzug, und deshalb ist es dringend notwendig, dass sich die breite Mitte der Gesellschaft ganz klar gegen Extremismus positioniert!“

Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte sich Andreas Engel nicht zur Position der CSU-Spitze äußern. Er versicherte jedoch, dass es in der Fraktion noch einmal thematisiert werde. Er hoffe sogar, dass die Demonstration keine Eintagsfliege bleibt. „Ganz wichtig wäre es, dass sich viel mehr Menschen in demokratischen Institutionen engagieren. Demokratie ist kein Selbstläufer.“

„Ich fand die Stimmung beeindruckend“, sagt Ulf Wunderlich abschließend zur Demonstration. „Es war eine Energie da und alle haben miteinander interagiert. Vom Punker bis zum Bundestagsabgeordneten, es waren Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft da.“  

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