Landtagswahl 2023
SPD schickt Stefan Sauerteig ins Rennen
Michael Busch (rechts) wird 2023 nicht mehr für den Landtag kandidieren. Stefan Sauerteig soll ihn beerben.
Michael Busch (rechts) wird 2023 nicht mehr für den Landtag kandidieren. Stefan Sauerteig soll ihn beerben.
Foto: Wolfgang Desombre
F-Signet von Wolfgang Desombre Fränkischer Tag
Coburg – Jetzt setzt auch der Bruder des Coburger Oberbürgermeisters zum großen Karrieresprung an.

Der 34-jährige Stefan Sauerteig soll neuer Landtagsabgeordneter der SPD im Stimmkreis Coburg werden. Bei einer Versammlung in der Gaststätte „Oylnspygl“ in Scheuerfeld wurde der Bruder von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig einstimmig als Direktkandidat für die Wahl im Herbst 2023 nominiert. Offiziell vorgeschlagen wurde Stefan Sauerteig vom derzeitigen Landtagsabgeordneten Michael Busch, der bereits vor Monaten erklärt hatte, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten.

Michael Busch (rechts) wird 2023 nicht mehr für den Landtag kandidieren. Stefan Sauerteig soll ihn beerben.
Michael Busch (rechts) wird 2023 nicht mehr für den Landtag kandidieren. Stefan Sauerteig soll ihn beerben.
Foto: Wolfgang Desombre

Stefan Sauerteig ist verheiratet und Vater eines einjährigen Sohnes. Als Realschullehrer ist er derzeit an einer Gemeinschaftsschule im Landkreis Sonneberg tätig. Politisch war er viele Jahre SPD-Vorsitzender in Coburg; seit 2020 ist er Stadtrat und zudem Klimaschutzbeauftragter der Vestestadt.

 

Kämpferische Rede von Sauerteig

In einer kämpferischen Rede zeigte Sauerteig auf, mit welchen Themen er bei den Wählerinnen und Wählern punkten möchte. Sehr bewegen würden ihn vor allem die Bildungspolitik, die Klima- und Energiepolitik sowie die medizinische Versorgung im Coburger Raum. Sauerteig betonte, dass er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, und dass er sich mit Leidenschaft der „großen Herausforderung“ dieser Kandidatur stelle.

Stefan Sauerteig (SPD) bei seiner Rede.
Stefan Sauerteig (SPD) bei seiner Rede.
Foto: Wolfgang Desombre

Er sei der festen Überzeugung, dass der Stimmkreis Coburg eine „starke, aktive und hochengagierte Stimme“ im Landtag brauche. Die bloße Weitergabe von Mitteilungen der Staatsregierung und das Warten auf Unterstützungsbitten aus den Rathäusern der Region sei ihm zu wenig.

Nach Sauerteigs Überzeugung ist es die vorrangige Aufgabe von seriöser Politik, die Sorgen, Nöte und Existenzängste der Bürgerinnen und Bürgern aufzunehmen und bei Lösungen bis an die staatlichen Leistungsgrenzen zu gehen. Dies gelte insbesondere auch für diejenige Generation, die den heutigen Wohlstand durch harte Arbeit erarbeitet habe und nun aber von einer nur kleinen Rente leben müsse.

„Das ist eine Unverschämtheit!“

„Der Freistaat Bayern ist reich“, sagte Stefan Sauerteig, „diesen Reichtum hat aber nicht die CSU erarbeitet, sondern es waren die Menschen in Bayern!“ Deshalb sei es eine „Unverschämtheit“, wenn die Landespolitik jetzt jede Verantwortung von sich weise und versuche, die Lösung der aktuellen Herausforderungen auf den Bund abzuschieben. Geprägt durch seine Herkunft aus einer Arbeiterfamilie, seine Bildungsbiografie und seine berufliche Tätigkeit versprach Stefan Sauerteig: „Ich werde alles einbringen, was mich persönlich ausmacht, um den Menschen, den Betrieben, den Vereinen und den Verbänden in unserer Region wirklich zu helfen. Nicht nur mit Worten, sondern wo immer möglich mit echter Tat.“

Kritik an Bildungspolitik der Staatsregierung

Noch immer seien soziale Herkunft und finanzieller Hintergrund entscheidende Kriterien für den Bildungserfolg eines Kindes in Bayern, bemängelte Stefan Sauerteig. Der Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich zum Jahr 2026 sei ein guter Schritt zur Herstellung von Bildungsgerechtigkeit. Er sei aber längst überfällig, denn Ganztagsangebote in Bayern würden viel zu langsam ausgebaut. Doch, so wirklich klar sei es nicht, wie der Freistaat eine Umsetzung des Ganztagsanspruches bewältigen möchte. Wie so oft in der Bildungspolitik fehle der Plan, wo die Reise hingehen soll.

Medizinische Versorgung – wie geht’s weiter?

Die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum bereite ihm große Sorgen, gab Stefan Sauerteig offen zu. Sicher sei es eine große Erleichterung, dass man mit dem Neubau des Klinikums Coburg auf dem ehemaligen BGS-Areal einer modernen und leistungsfähigen medizinischen Versorgung positiv entgegenblicken können. Die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Bayern im Bereich der Gesundheitsversorgung ende aber sicher nicht mit dem Klinikneubau. Seit vielen Jahren würden die Bürgermeister im Coburger Land zunehmend Hilferufe von Bürgerinnen und Bürgern erhalten, weil die hausärztliche Versorgung Mängel aufweist. Die Medical School von Regiomed sei ein wichtiger Baustein in der regionalen Strategie zur Behebung struktureller Mängel, bei denen die Staatsregierung aber eher nur „stummer Zuschauer“ sei.

„Viele Familien sind in Sorge“

Stefan Sauerteig äußerte sich auch zur Klima- und Energiepolitik. Viele Menschen seien in großer Sorge, wie sie sich und ihre Familien über den Winter bringen können. „Wir als Sozialdemokraten müssen dafür sorgen, dass jeder und jede sich die Entscheidung für ein klimafreundliches Verhalten leisten kann.“ Beim Ausbau erneuerbarer Energien gebe es enormen Nachholbedarf, der Ausbau der Windkraft lahme und auch beim Ausbau der Photovoltaik sowie der Nutzung von Geothermie könnte und müsste Bayern viele Schritte weiter sein. Als Klimaschutzbeauftragter des Coburger Stadtrats habe er sich mit Vorschlägen eingebracht, die auch der Freistaat Bayern längst selbst hätte vorantreiben können. Dabei handele es sich zum einen um ein Pilotprojekt zur Erprobung von Mini-Biogasanlagen im privaten Umfeld und zum anderen um ein Paket zur Investition in Speichertechnologien für erneuerbaren Strom.

Die SPD hat die Weichen für die Landtags- und Bezirkstagswahl 2023 gestellt – von links: MdB Andreas Schwarz,  Stefan Sauerteig, Tobias Ehrlicher, Katharina-Luise Sander und Carsten Höllein.
Die SPD hat die Weichen für die Landtags- und Bezirkstagswahl 2023 gestellt – von links: MdB Andreas Schwarz, Stefan Sauerteig, Tobias Ehrlicher, Katharina-Luise Sander und Carsten Höllein.
Foto: Wolfgang Desombre

Der 35 Jahre alte Tobias Ehrlicher, seit 2012 Bürgermeister der Stadt Bad Rodach, soll für die heimische SPD wieder einen Sitz im Bezirkstag ergattern. 2018 hatte Frank Rebhan (SPD) den erneuten Einzug in dieses Gremium verpasst; seitdem ist Sebastian Straubel (CSU) der einzige Bezirksrat aus dem Coburger Land. Die Nominierung Ehrlichers erfolgte einstimmig.

Als Zweitstimmenkandidaten für Landtagswahlen auf der oberfränkischen SPD-Wahlkreisliste wurde Carsten Höllein nominiert. Höllein ist langjähriger Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Coburg-Land, Kreisrat des Landeskreises Coburg, Stadtrat und 3. Bürgermeister der Stadt Seßlach.

Als Zweitstimmenbewerberin für den Bezirkstag kandidiert Katharina-Luise Sander aus der Gemeinde Ahorn, die ihre beruflichen Erfahrungen als Logopädin im Bereich Gesundheit einbringen möchte.

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