„Die Pandemie hat nun noch wie ein Beschleuniger gewirkt“, sagt Erlebnispädagoge Ronny Fleck, der das Sozialkompetenztraining an Coburger Grundschulen seit 2021 macht.
Seine Einschätzung: Den größten Nachholbedarf haben die Kinder vor allem im Bereich der Kompetenzen, die für ein gutes Miteinander in der Gruppe wichtig sind. Da geht es darum, die eigenen Bedürfnisse in einer Gruppe unterordnen zu können.
Anstrengend und frustrierend
Durch die Pandemie haben viele Kinder sehr häufig einen Ansprechpartner für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse gehabt. Seitdem die Kinder wieder in die Schule gehen, erwarten sie ebenfalls, dass diese Bedürfnisse zeitnah befriedigt werden. Doch in der Klasse konkurrieren plötzlich zwischen 20 oder fast 30 Kinder mit ihren Bedürfnissen, was in der Folge zu Konflikten und einem Unterrichtssetting führt, in dem man nur schwer Unterricht halten kann. Das ist sowohl für die Kinder als auch die Lehrerkräfte anstrengend und frustrierend. Es fehlt den Kindern inzwischen immer mehr sowohl die Erfahrung als auch das Wissen, Konflikte konstruktiv lösen zu können.
Sie haben Schwierigkeiten, ihre eigenen und fremde Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren, sich an bestehende Regeln zu halten. „Außerdem war und ist die Pandemie für einzelne Kinder ein traumatisches Erlebnis und dieses zu verarbeiten bedarf entsprechender Angebote“, sagt der Erlebnispädagoge.
Förderung der Rücksichtnahme
„Wir arbeiten viel mit kooperativen Abenteuerspielen, Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsübungen - und natürlich mit erlebnispädagogischen Methoden, wie klettern oder mobilen Niedrigseilelementen“, erläutert Fleck. Im Vordergrund stehen die Stärkung und Förderung von Rücksichtnahme, Wertschätzung, Empathie und der Fähigkeit sich selbst und anderen zu vertrauen. „Es geht um die Einhaltung von Regeln, sowie dem Lernen, dass das eigene Handeln immer eine Konsequenz hat und dafür die Verantwortung übernommen werden muss.“
Das wichtigste in der Arbeit mit den Kindern, um sie zu gewinnen, sind: Authentizität, Verbindlichkeit, Vertrauen, Ehrlichkeit und die Fähigkeit die Kinder so anzunehmen wie sie sind und zu zeigen, dass man sie annimmt und versucht, mit ihnen gemeinsam etwas zum Positiven zu verändern.
Viele Kinder schaffen es mit Hilfe des Projektes ihre eigenen Grenzen und die ihrer Mitschüler*innen besser kennen zu lernen. Sie entdecken, dass sie anderen vertrauen können und welche Stärken die anderen Kinder in der Klasse haben.
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