Der Fackelzug und die sich anschließende Feierstunde beim diesjährigen Pfingstkongress des Coburger Convents sind ohne größere Zwischenfälle verlaufen. Kurios wurde es allerdings ganz am Ende. Ein Redner hatte über Lautsprecher verkündet: „Die Feierstunde ist beendet.“ Anschließend folgte noch eine Anweisung an die Chargierten der einzelnen Verbindungen: „Abmarsch der Chargierten über die Herrngasse!“ Denn: Nach Fackelzug und Feierstunde verlassen die Chargierten, die unter anderem auch die jeweilige Fahne ihrer Verbindung dabei haben, eigentlich immer über die Herrngasse.
Doch in diesem Jahr war das nicht möglich! Gut einhundert Demonstranten, die zuvor an verschiedenen Stellen entlang des Fackelzugs protestiert hatten, waren mittlerweile in der Herrngasse zusammengekommen. Zahlreiche Polizeikräfte eilten herbei und verhinderten, dass die Demonstranten auf den Marktplatz vordringen. Das wiederum hatte zur Folge, dass es ausgerechnet vor dem Gasthaus „Goldenes Kreuz“ zu einer Blockbildung kam: Auf der einen Seite standen die Demonstranten, auf der anderen die Polizei. Für die Chargierten war da kein Durchkommen mehr. Nach kurzer Beratung drehten die Chargierten eine Runde um den Marktplatz und marschierten schließlich durch die Ketschengasse ab.
Viele CC-Mitglieder wären nun gerne wieder Bier trinken gegangen. Aber das war zumindest im „Goldenen Kreuz“ vorerst nicht möglich. Denn die Demonstranten verharrten auf ihrer Position, so dass auch die Polizei lange Zeit nicht abrücken konnte.
Während viele der Demonstranten, die sich zum Abschluss noch in der Herrngasse trafen, Mundschutzmasken trugen und sich auch ansonsten stark verhüllt hatten, war der sonstige Protest gegen den Fackelzug so bunt und kreativ wie selten.
Am Ernstplatz hatten sich zum Beispiel die „Omas gegen Rechts“. Vor dem Alexandrinenbad wurde auf diversen Instrumenten musiziert. Allerdings: Es wurde explizit „schlechte Musik“ gemacht, wie ein Sprecher erklärte. Man wolle „Krach machen“ gegen den Fackelzug. Das dazugehörige Motto war auch auf einem Bettlaken zu lesen, das den Teilnehmern des Fackelzugs entgegengehalten wurde: „Ihr seid noch peinlicher als wir! Kampf dem CC“.
Am Spitaltor wiederum wurde von Demonstrantinnen und Demonstranten unter anderem eine Parole skandiert, die bis vor wenigen Tagen wohl niemand verstanden hätte: „Wir – wir – wir lesen eure E-Mails!“ Eine Anspielung auf die Affäre um die geleakten E-Mails des (inzwischen zurückgetretenen) CC-Kongressbeauftragten.
Die offizielle Ansprache bei der Feierstunde hielt in diesem Jahr Michael Schramm (Landsmannschaft Saxo-Suevia). Er beschäftigte sich ausführlich mit der Frage, ob ein Fackelzug mit nächtlicher Feierstunde im Fackelschein noch zeitgemäß sei. Er kam zu der Einschätzung: „Nein, Fackelzüge wie der unsere sind nicht unzeitgemäß.“ Fackelzüge seien auch „nicht per se politisch“. Es komme aber eben darauf an, was man damit ausdrücken will.
Fackel ein „Symbol der Freiheit“
Fackelzüge seien „eine Jahrhunderte alte Geschichte in vielen Ländern Europas“. Was studentische Fackelzüge anbelangt, sagte Schramm, dass die Fackel nicht nur von einer Ehrerbietung zeuge – etwa gegenüber einem Hochschullehrer, den man zum Bleiben bewegen will, wie etwa 2020 in Saarbrücken. Die Fackel sei historisch auch immer ein „Symbol der Freiheit“ gewesen, wie auch die von Frankreich gestiftete Freiheitsstatue vor New York eindrucksvoll zeige.
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