Es sind ja oft die (vermeintlichen) Kleinigkeiten, über die am meisten gestritten wird. Beispiel: Globe. Während die Interimsspielstätte fürs Landestheater in die Höhe wächst, sorgt die geplante Adresse für Streit. Die Verwaltung schlägt „Von-Schultes-Platz 1“ vor.
Wer war Johann Adolf von Schultes?
Johann Adolf lebte von 1744 bis 1821 und war herzogliche Archivar. Und: Ihm war schon einmal eine Straße in Coburg gewidmet, doch 2015 wurde die „Von-Schultes-Straße“ in „Max-Brose-Straße“ umbenannt. Das damalige Versprechen, bei der nächst besten Möglichkeit eine andere Straße (oder eben einen Platz) nach von Schultes zu benennen, könnte also am Globe eingelöst werden.
Doch es regt sich Widerstand. Passt der Name eines herzoglichen Archivars zum neuen Kulturbau? Wäre nicht ein Name passender, der irgendeinen Bezug zum Theater hätte? Ach, und eigentlich sollte es im Coburger Adressverzeichnis auch endlich mehr weibliche Namen geben.
Bühne frei für Nina Bellosa
Da zaubert der Coburger Stadtheimatpfleger Christian Boseckert eine gewisse Nina Bellosa aus dem Hut. Nina Bellosa war Schauspielerin am damaligen Hoftheater in Coburg, und zwar sage und schreibe 47 Jahre lang. Als sie 1896 pensioniert wurde, ernannte man sie zum „Ehrenmitglied des Hoftheaters“. Eine noch größere Würdigung folgt 126 Jahre später: Das neue Globe Coburg bekommt die Adresse „Nina-Bellosa-Platz 1“.
Ansturm auf die Eintrittskarten
Eröffnet wird das Globe im Oktober. Obwohl die Außenanlagen noch lange nicht fertig sind, wird in vielen Reden von der „schönsten Interimsspielstätte Deutschlands“ geschwärmt. Doch nicht nur die Optik kann überzeugen: Das vierköpfige Direktorengremium, von dem das Landestheater ab der Spielzeit 2023/2024 geleitet wird, stellt ein Programm auf die Beine, das beim Publikum sehr gut ankommt. Egal, ob die Oper „Macbeth“, das Schauspiel „Was ihr wollt“ oder das Weihnachtsmärchen „Der Zauberer von Oz“: Die Besucher kommen in Scharen.
Die Auslastung des Globe liegt in den ersten zehn Wochen bei 99 Prozent – dieser Wert dürfte in Deutschlands Theaterszene einzigartig sein. Und: Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil. Als bekannt wird, dass ab Mai 2024 die „Rocky Horror Show“ gespielt wird, gibt es einen riesigen Ansturm auf die Karten. Unglaublich, aber wahr: Ein halbes Jahr vor der Premiere sind bereits alle 14 Vorstellungen ausverkauft. Die Theatermachen haben deshalb gleich zwei tolle Idee.Erstens: Die „Rocky Horror Show“ wird es auch in der Spielzeit 2024/2025 im Globe geben.
Rocky Horror Show als Open Air
Zweitens: Am Montag, 10. Juni 2024, wird die „Rocky Horror Show“ als Open Air auf dem ehemaligen Griesbachgelände (Kulturfabrik Cortendorf) aufgeführt. Da werden bei vielen Coburgern natürlich Erinnerungen wach: Das „Rocky Open Air“ von 1992 hat Legendenstatus und gilt zugleich als Geburtsstunde für den heutigen HUK-Coburg-Open-Air-Sommer auf dem Schlossplatz.
Landestheater Coburg: Was wird aus dem alten Haus?
Die Freude über das Globe ist groß. Doch eines darf nicht vergessen werden: Es handelt sich lediglich um eine Interimsspielstätte. Sobald das „Große Haus“ am Schlossplatz saniert ist, soll der Theaterbetrieb wieder dort stattfinden. Aber wann beginnt die Sanierung und wie lange wird sie dauern? Beziehungsweise: Wird die Sanierung überhaupt je in Angriff genommen?
Letztlich wird das eine Frage des Geldes sein. Im April legt der Freistaat Bayern eine Finanzierungsvereinbarung vor. Als Eigentümer des Gebäudes würde er zwar grob gesagt zwei Drittel der Kosten übernehmen. Angesichts einer möglichen Gesamtsumme von 360 Millionen Euro, die plötzlich im Raum steht, bliebe für die Stadt Coburg trotzdem ein ordentlicher Brocken. Dass die 360 Millionen nur eine erste grobe Schätzung sind und zudem einen enormen Risikozuschlag enthalten, geht in der allgemeinen Aufregung erst einmal unter. Spätestens, wenn verlässlichere Zahlen auf dem Tisch liegen, dürfte die Grundsatzdiskussion über den Wert von Kultur hitzig werden.
Coburger Puppenmuseum: Neue Location gesucht!
Das Coburger Puppenmuseum der Stadt Coburg wurde Ende 2022 geschlossen. Eigentlich sollten die rund 4000 Exponate künftig als Dauerleihgabe in einem neuen Kulturforum der Horst-Weingarth-Stiftung in Rödental zu sehen sein. Doch die Pläne für dieses Kulturforum zerschlagen sich im April 2023. Somit ist auch der Puppen-Deal geplatzt. Gesucht wird jetzt eine neue Bleibe.
Coburg: Neue Location im Aufwind
Das ehemalige Griesbachgelände ist plötzlich in aller Munde. Die „Kulturfabrik Cortendorf“ wird unter anderem neue Heimat für viele heimische Bands, die ihre Probenräume auf dem BGS-Gelände verlasen mussten.
Auch die „Coburger Designtage“ finden 2023 erstmals in Cortendorf statt. 2024 wird die Location erstmals für Konzerte des HUK-Coburg-Open-Air-Sommers genutzt.
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