Zur deutschen Wiedervereinigung sagte einst Willy Brandt: „Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“ Der Altkanzler, das vermuten wir jetzt einfach mal, hätte sich bestimmt auch über die Gründung des Regiomed-Konzerns gefreut. Schließlich wird dort seit 2008 fränkisch-thüringisch zusammengearbeitet.
Die vier Gesellschafter sind die Landkreise Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen sowie der aus Stadt und Landkreis Coburg bestehende Krankenhausverband Coburg. 2023, also 15 Jahre nach der Gründung, kommen die vier Gesellschafter allerdings zu der Erkenntnis, dass dieses Konstrukt nicht mehr passt. Der Regiomed-Konzern bröckelt. Oder, frei nach Willy Brandt: Jetzt könnte auseinanderfallen, was vielleicht doch nie so richtig zusammengepasst hat.
Regiomed: Wie geht’s weiter?
Die Lage Ende des Jahres ist allerdings reichlich verzwickt. Die Coburger haben die Trennungsvereinbarung abgelehnt, weil sie nicht draufzahlen wollten. Bei Regiomed sind Entscheidungen nur möglich, wenn alle Gesellschafter zustimmen. Nun müssen die vier Partner neu verhandeln, wie eng sie als Krankenhaus-Verbund noch zusammenarbeiten wollen.
Neues Klinikum in Coburg
Ungeachtet dieser Turbulenzen schreiten die Planungen für ein neues Klinikgebäude in Coburg weiter voran. Auf dem ehemaligen BGS-Gelände wird sogar schon symbolisch mit dem Abriss der alten Kasernen begonnen. Der Baubeginn fürs neue Klinikum ist für den Sommer 2024 geplant, als Bauzeit sind gut fünf Jahre veranschlagt. Was die Kosten betrifft, wird inzwischen von 562 Millionen Euro ausgegangen. Selbst wenn es großzügige Zuschüsse vom Freistaat gibt: Der Neubau des Klinikums gilt bereits jetzt als „Jahrhundertprojekt“.
Unmut in zahlreichen Gemeinden
Ebenfalls eine immer größere Herausforderung stellt im Coburger Land die Unterbringung von geflüchteten Menschen dar.„Die Grenze der Belastbarkeit ist überschritten“, sagt Landrat Straubel mit Blick auf einzelne Kommunen. So regt sich etwa in Sonnefeld, Untersiemau und Neukirchen Unmut, als Pläne für größere Unterkünfte bekannt werden.
Auch in Coburg ist man unglücklich, dass die Regierung von Oberfranken – gegen den erklärten Willen der Stadt – eine Unterkunft mit 70 Plätzen einrichtet. Bei Unterkünften dieser Größenordnung fällt die Integration erfahrungsgemäßdeutlich schwerer als bei einer Unterbringung in kleineren, dezentralen Unterkünften.
Wichtig ist den heimischen Politikern oft der Hinweis, dass sie sehr wohl solidarisch sein wollen. Aber wie sagte es schon der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck: „Wir wollen helfen. Unser Herz ist weit. Doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“
Beim Coburger Convent geht’s hoch her
Das Verhältnis zwischen den Verantwortlichen des Coburger Convents (CC) und Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) ist kompliziert. Es wird noch komplizierter, als interne Mails publik werden: Darin äußern sich hochrangige CC-Vertreter über Sauerteig in herabwürdigender Weise, verhöhnen ihn gar als „Regenwurm“.
Der Coburger Oberbürgermeister reagiert darauf mit Größe. Er wagt sich am Pfingstmontag beim CC-Festkommers sozusagen in die „Höhle des Löwen“ und hält eine viel beachtete Rede. Die Mails spricht er direkt an und fragt: „Ist das der übliche Umgang von gebildeten Verantwortungsträgern mit Menschen, die anderer Meinung sind?“ Weil noch weitere fragwürdige Aktionen des CC bekannt werden, schreibt Dominik Sauerteig den Verantwortlichen ins Stammbuch: „Sein Gastrecht kann man auch verwirken.“
Flucht aus dem Gericht in Coburg
In die bundesweiten Schlagzeilen schafft es am 20. Februar 2023 die Coburger Justiz. Einem 47-Jährigen, der sich wegen sexuellen Missbrauchs seiner Töchter vor Gericht verantworten muss, gelingt in einer Verhandlungspause die Flucht. Im Erdgeschoss des Justizgebäudes lässt sich ein Fenster – trotz vermeintlicher Sicherung – erschreckend leicht öffnen. Die Fahndung nach dem Mann bleibt zunächst erfolglos. Am darauffolgenden Tag ist es einem aufmerksamen Bürger zu verdanken, dass der 47-Jährige in Grub am Forst geschnappt werden kann. Es klicken die Handschellen – und es bleiben Fragen nach den Sicherheitsvorkehrungen in bayerischen Justizgebäuden.
Keine Zwischenfälle gibt es bei einem großen Rauschgiftprozess. Allerdings kann zunächst nicht ausgeschlossen werden, dass einflussreiche Menschen aus der Drogenszene die eine oder andere Zeugenaussage im letzten Moment noch verhindern wollen. Deshalb wird das Coburger Justizgebäude im Januar und Februar regelmäßig von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Der Hauptangeklagte, ein 30-jähriger Coburger, wird zu einer Haftstrafe von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt.
Brutale Schlägerei
Deutlich niedriger fallen im Juli die Haftstrafen für zwei junge Männer aus, die im September 2022 in der Badergasse einen 55-Jährigen brutal zusammengeschlagen haben. Aber kann es für eine solche Tat überhaupt eine gerecht Strafe geben? Der 55-Jährige hat irreparable Gehirnschäden erlitten. Beim Prozess fließen im Gerichtssaal viele Tränen – denn der Vorfall hat das Leben einer gesamten Familie komplett verändert.
Ebenfalls emotional wird es, als der „Fall Natalia“ verhandelt wird. Die 28-jährige Natalia S. war im Mai 2022 in der Gartenlaube einer Kleingartenanlage in Coburg ermordet worden. Ihr 30 Jahre alter Geliebter wird zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt.
Um ein weiteres Tötungsdelikt geht es im November. Ein 41-Jähriger aus Untersiemau wird wegen Totschlags seiner 71 Jahre alten Mutter verurteilt.
Im Frühjahr stand der stadtbekannte Oliver N. vor Gericht. Der hatte zum Beispiel im Februar 2022 einen Bombenalarm auf dem Coburger Marktplatz ausgelöst. Angeklagt wird er aber, weil er im August 2022 zwei Dienstfahrzeuge des Oberbürgermeisters in Brand gesetzt hat. Das Gericht kommt zu der Einschätzung, dass Oliver N. psychisch krank und deshalb nicht schuldfähig ist. Es wird die Unterbringung in einer Klinik angeordnet.
Weitramsdorf muss schon wieder wählen
Was Bürgermeister betrifft, entwickelt sich die Gemeinde Weitramsdorf zu so etwas wie dem Hamburger SV der Kommunalpolitik. Okay, der Fußballverein hat in den vergangenen zehn Jahren bereits 13 Trainer verschlissen. In Weitramsdorf hingegen wird 2024 „erst“ der fünfte Bürgermeister seit 2014 gewählt. Denn: Christian Brettschneider (CSU) kündigt im September seinen Rücktritt an. Ende des Jahres ist Schluss. „Aus persönlichen Gründen“, wie es heißt. Eine Neuwahl findet am Sonntag, 18. Februar 2024, statt.
Landtagswahl: Ein Seßlacher verteidigt das Direktmandat
Martin Mittag aus Seßlach vertritt weiterhin als Abgeordneter den Stimmkreis Coburg im bayerischen Landtag. Der CSU-Mann, der 2018 erstmals in den Landtag gewählt worden war, holt 41 Prozent der Erststimmen und landet damit klar vor AfD-Mann Martin Böhm, der aber über die Liste den erneuten Sprung nach München schafft. Bitter verläuft die Landtagswahl für Stefan Sauerteig: Er holt mit 13,3 Prozent zwar eines der besten Erststimmenergebnisse eines SPD-Bewerbers in ganz Bayern. Doch am Ende verpasst er ganz knapp den Einzug über die Liste in den Landtag. Somit stellt die Coburger SPD künftig keinen Abgeordneten mehr in München. In der vergangenen Legislaturperiode hatte man hingegen – zumindest am Anfang – Michael C. Busch, der dann aber aus der Partei ausgetreten ist.
Ein Coburger berichtet aus Israel
Wie schnell sich das Leben manchmal ändern kann, erfährt der Coburger Christian Limpert auf dramatische Weise. Ende September herrscht noch Partystimmung pur: Als Chef der Original Prinz Albert Blasmusik (OPA) ist Limpert mit dabei, als die Kult-Kapelle ihr letztes OktOPAfest in auf dem Coburger Schlossplatz feiert. Wenig später, am 7. Oktober, überfällt die Terrororganisation Hamas auf brutalste Weise den Staat Israel. Als Korrespondent der ARD berichtet Christian Limpert nun regelmäßig aus Tel Aviv.
Ebenfalls im Oktober veröffentlicht Christian Limpert die bemerkenswerte Reportage über eine israelische Familie mit Coburger Wurzeln. Die Reportage „Vom Kibbuz nach Coburg“ wird am 6. Oktober fertig. Nach dem Hamas-Überfall wird sie noch einmal überarbeitet.
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