0
Wehmut in Coburg
Ein Blick ins verwaiste Landestheater
Landestheater Coburg
Das Landestheater Coburg steht seit bald einem Jahr leer. Hier der Blick von der Bühne in den Zuschauerraum – fotografiert an diesem Donnerstag von der Opernsängerin Kora Pavelić. // Foto: Kora Pavelić
Coburg – Jetzt soll endlich Schwung in die Planung kommen: Erstmals gab es eine große Expertenrunde im Großen Haus. Das ist seit einem Jahr verwaist und lässt nicht nur eine Opernsängerin wehmütig werden.

Kora Pavelić ist Opernsängerin am Landestheater Coburg und nicht etwa Influencerin in den sozialen Medien. Trotzdem bekamen einige Fotos, die sie am Donnerstag auf Facebook veröffentlichte, erstaunlich viele „Likes“.

In diesem Text lesen Sie:

  1. Seit einem Jahr steht das Landestheater Coburg leer
  2. Der Zeitplan für die Sanierung
  3. Die größten Herausforderungen bei der Sanierung
  4. Wobei das Globe helfen kann
  5. Wie eine Opernsängerin jetzt ins verwaiste Gebäude kam

Auf den Fotos von Kora Pavelić zu sehen: das verwaiste Große Haus am Schlossplatz. Dazu schrieb Kora Pavelić  auch noch folgende emotionalen Zeilen: „Hatte heute die Gelegenheit, die alte Dame am Schlossplatz zu besuchen. Das ging direkt ins Herz. So viele Erinnerungen, so viel Geschichte. Man wünschte, diese Mauern könnten reden. So leer und doch so wie immer – irgendwie nur auf den Vorhang warten.“

Landestheater Coburg
Das Landestheater Coburg steht seit bald einem Jahr leer. Hier der Blick vom dritten Rang hinunter zur Bühne - – fotografiert an diesem Donnerstag von der Opernsängerin Kora Pavelić. // Foto: Kora Pavelić

Dass sich im Großen Haus zum bislang letzten Mal der Vorhang gehoben hat, ist jetzt mittlerweile fast ein Jahr her. Am 13. Mai 2023 war es, als erst das Finale Glorioso stattfand und anschließend auf der Bühne noch eine unvergessliche Tanzparty gefeiert wurde.

Bis sich der Vorhang das nächste Mal wieder heben wird, das könnte dauern. Ulrich Delles, der Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, hatte kürzlich dem Coburger Stadtrat einen neuen Zeitplan genannt. Demnach werde alleine die Planungszeit voraussichtlich bis 2030 dauern. Die anschließende Bau- und Sanierungsphase würde dann weitere fünf bis sechs Jahre in Anspruch nehmen.

Ministerium erteilte den Auftrag erst im Februar 2024

Nicht wenige Coburgerinnen und Coburger sind über diesen Zeitplan frustriert. Ärgerlich erscheint vor allem der Umstand, dass lange Zeit rein gar nichts passiert ist. Wenige Wochen nach der Schließung konnte sich der Freistaat Bayern als Eigentümer des Gebäudes zwar auf eine Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Coburg einigen. Doch erst im Februar 2024 erteilte das zuständige Ministerium für Wohnen, Bau und Verkehr dem Staatlichen Bauamt Bamberg den entsprechenden Auftrag.

Jetzt durchstarten!

Aber, immerhin: Ulrich Delles und sein Team wollen jetzt durchstarten. Deshalb gab es am Donnerstag dieser Woche einen ersten gemeinsamen Ortstermin aller beteiligten Institutionen. Sprich: Zugegen waren Expertinnen und Experten von Ministerium, Regierung von Oberfranken, Staatlichem Bauamt Bamberg, Stadt Coburg sowie Landestheater Coburg.

Sanierung Landestheater Coburg
Ortstermin 2024 im verwaisten Landestheater Coburg (von links): Abteilungsdirektor Bernd Endres von der Regierung von Oberfranken, Bernd Vorjans (kaufmännischer Direktor des Landestheaters), Oberbürgermeister Dominik Sauerteig, Birgit Reichardt (Referatsleiterin am Bauministerium) und Ulrich Delles, der Leiter des Staatlichen Bauamtes Bamberg. // Staatliches Bauamt Bamberg

In einer Pressemitteilung, die anschließend vom Staatlichen Bauamt verschickt wurde, heißt es: „Sehr beeindruckt zeigten sich die Fachleute, unter welch beengten Verhältnissen und unter welch widrigen technischen Gegebenheiten es den Coburger Theaterleuten bis in den letzten Sommer gelungen ist, einen anspruchsvollen Theaterbetrieb zu bieten.“

„Handlungsdruck unübersehbar“

Und: 50 Jahre nach den letzten baulichen Veränderungen sei beim Gang durch die verwaisten Räume und vor allem auch beim Anblick der Bühnentechnik der Handlungsdruck „unübersehbar“ gewesen.

Die Sanierung des Landestheaters befindet sich derzeit in der sogenannten Projektphase 2. Wie Ulrich Delles erklärt, müssen nun bis Ende 2024 die bestehenden Verträge des Objektplaners und der Fachplaner angepasst und die noch zu vergebenden Planungsleistungen ausgeschrieben werden.

Ab 2025 soll das Architektenbüro mit der Unterstützung der Fachplaner den Vorentwurf erstellen. Dieser muss anschließend sowohl vom bayerischen Landtag als auch vom Coburger Stadtrat freigegeben werden. Umgangssprachlich wird in diesem Zusammenhang von einer „Notbremse“ gesprochen: Diese kann – und zwar von beiden politischen Gremien – gezogen werden, wenn der Vorentwurf speziell mit Blick auf die Kosten als nicht darstellbar angesehen wird.

Weitere „Notbremse“ eingebaut

Sollte keine „Notbremse“ gezogen werden, erfolgt basierend auf diesem Vorentwurf die konkrete Projektplanung. Auch diese muss anschließend aber noch einmal von Landtag und Stadtrat abgesegnet werden. In die Finanzierungsvereinbarung wurde also noch eine weitere „Notbremse“ eingebaut.

Sobald Landtag und Stadtrat „grünes Licht“ gegeben haben, kann mit der Sanierung und auch den diversen Erweiterungsbauten begonnen werden.

Landestheater Coburg
Das Landestheater Coburg steht seit bald einem Jahr leer. Hier ein Blick in den Spiegelsaal – fotografiert an diesem Donnerstag von der Opernsängerin Kora Pavelić. // Foto: Kora Pavelić

Als besonders ehrgeizig – und auch als besonders teuer – gilt zum einen die Sanierung des Palais Kyrill. Das Gebäude wurde bis vor wenigen Jahren für die städtische Betreuungseinrichtung „Kinderhaus“ genutzt. Künftig sollen die dortigen Räume dem Landestheater zur Verfügung stehen.

Zum anderen ist auch noch der Neubau eines Verwaltungsgebäudes zwischen dem Palais Kyrill und dem Großen Haus geplant.

Zur Aufgabe, das Palais Kyrill in den Theaterbetrieb einzubeziehen und noch ein weiteres Gebäude in Hanglage neu zu errichten, heißt es in der besagten Pressemitteilung des Bauamts, dass dies „einiges an Vorstellungskraft“ erfordere.

Landestheater Coburg
Das Landestheater Coburg steht seit bald einem Jahr leer. Hier der Blick von der Bühne in den Zuschauerraum – fotografiert an diesem Donnerstag von der Opernsängerin Kora Pavelić. // Foto: Kora Pavelić

Vielleicht tat es den versammelten Expertinnen und Experten deshalb ganz gut, sich nach dem Ortstermin am Schlossplatz auch noch das im vergangenen Jahr fertiggestellte Globe anzuschauen. Der Technische Direktor des Landestheaters, Daniel Kaiser, erklärte dort allerhand zum Bau der Interimsspielstätte. In der Pressemitteilung ist die Rede davon, dass dies ein „für die Landestheater-Planungen wichtiger Input“ gewesen sei. Die Erfahrungen beim Bau des Globe und auch jetzt im laufenden Betrieb sollen demnach „gewinnbringend in die Planungen einfließen und eine gute Funktionalität der Räume für die 240 festen Mitarbeiter und für mindestens wieder 50 Jahre bieten“.

Fotos für neue Spielzeitheft

Bleibt zum Abschluss noch die Frage, warum Kora Pavelić am vergangenen Donnerstag die Möglichkeit bekommen hat, noch einmal einen Blick ins Große Haus zu werfen beziehungsweise die „alte Dame am Schlossplatz“ zu besuchen.  Da muss die Sängerin im Gespräch mit dem Coburger Tageblatt schmunzeln: Es war nämlich reiner Zufall! So wurden Fotoaufnahmen fürs neue Spielzeitheft gemacht. Doch der ursprüngliche Plan, dass Kora Pavelić  auf dem Marktplatz fotografiert wird, musste aufgrund des schlechten Wetters kurzfristig geändert werden. Auf der Suche nach einer trockenen Ersatzlocation fiel der Blick plötzlich aufs Große Haus – zumal dort am Donnerstag ohnehin das Licht brannte, weil mehrere Expertinnen und Experten einen Ortstermin hatten.

Landestheater Coburg
Das Landestheater Coburg steht seit bald einem Jahr leer. Hier ein Blick vom dritten Rang auf die Bühne – rechts sind einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Ortstermins vom Donnerstag zu sehen. // Foto: Kora Pavelić

Übrigens: Das Team des Staatlichen Bauamts, das sich in den kommenden Jahren um die Planung für die Landestheater-Sanierung kümmert, wird nicht von Bamberg aus arbeiten. Stattdessen soll es in der Coburger Außenstelle des Staatlichen Bauamts am Rittersteich in Coburg („Rittersteichschlösschen“) angesiedelt werden, wie Ulrich Delles angekündigt hat.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!