Eine Auslastung von weit über 90 Prozent sowie ein Anstieg der verkauften Abos auf über 1500, dazu Mammutproduktionen wie die „Götterdämmerung“ und Kassenschlager wie ganz aktuell die „Rocky Horror Show“: Die erste Spielzeit des Landestheaters Coburg im neuen Globe darf bereits jetzt als voller Erfolg bezeichnet werden.
Die Herausforderung, dieses Niveau auch in der zweiten Spielzeit zu halten, ist groß. Doch das fünfköpfige Direktorengremium nimmt diese Herausforderung an.
Am Mittwoch wurde das Programm für die Spielzeit 2024/2025 vorgestellt – und das enthält sehr viele spannende Projekte und Neuerungen. Wir stellen die wichtigsten vor:
In diesem Text lesen Sie:
- Das plant der Operndirektor
- Das plant der Schauspieldirektor
- Das plant der Ballettdirektor
- Das plant der Generalmusikdirektor
- Das sagt der Kaufmännische Direktor
1. Auftakt mit Puccini
Für Operndirektor Neil Barry Moss ist die Oper „Il trittico“ von Giacomo Puccini ein echtes „Traumstück“. Es wird am 5. Oktober 2024 seine Premiere im Globe feiern. Italienisch geht’s auch weiter mit „Il barbiere di Siviglia“ von Gioachino Rossini.
Der „Ring des Nibelungen“ ist mit der „Götterdämmerung“ zwar in der Spielzeit 2023/2024 abgeschlossen worden. Doch mit „Der fliegende Holländer“ wird es in der kommenden Spielzeit zumindest „einen kleinen Wagner“ geben, wie es Neil Barry Moss nannte. Als Wiederaufnahme wird es ab Dezember 2024 die Märchenoper „Hänsel und Gretel“ geben.
Grundsätzlich setzt Moss also wieder auf viele populäre Stücke. Einzige Ausnahme dürfte wohl die Oper „Jenůfa“ von Leoš Janáček sein, die ab Mai 2025 im tschechischen Original zur Aufführung kommen wird.
2. Chicago
Am 22. März 2025 feiert „Chicago“ Premiere im Globe. Dieses Jazz-Musical spielt auch eine wichtige Rolle, wenn im Mai 2024 wieder das Festival „It'z Jazz“ stattfindet. Unter anderem soll es dann auch erstmals einen Theaterball geben (dazu auch Punkt 8).
3. Meister Eder und sein Pumuckl
Gleich aus mehreren Gründen verspricht das Weihnachtsmärchen (beziehungsweise das „Familienstück zu Weihnachten“) etwas ganz Besonderes zu werden. Auf die Bühne kommt ab dem 30. November: „Meister Eder und sein Pumuckl“.
Schauspieldirektor Matthias Straub erklärte: „Die kommende Spielzeit wird die letzte von unserem Stephan Mertl sein. Zum Abschied in den Ruhestand soll er noch einmal eine besonders schöne Rolle bekommen.“ Mertl, der seit 2001 zum Ensemble des Landestheaters gehört, darf deshalb den Meister Eder spielen. Beim Pumuckl wird es sich hingegen um eine Puppe handeln, die von zwei Personen geführt wird. Spannend!
4. Comeback in Coburg
In der neuen Spielzeit wird es ein Wiedersehen mit mehreren alten Bekannten geben. Zum Beispiel mit Thorsten Köhler. Bis vor ein paar Jahren gehörte er zum Schauspielensemble des Landestheaters, ließ aber auch schon damals mit eigenen Projekten aufhorchen. Inzwischen ist er – unter Intendant Bodo Busse – am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken tätig. In Coburg wird er als Gast-Regisseur „Don Karlos“ auf die Bühne im Globe bringen (Premiere am 21. September 2024).
Lilian Prent, die im Sommer 2023 als Schauspielerin von Coburg nach Konstanz wechselte, wird in der neuen Spielzeit das Stück „(R)Evolution“ in der Reithalle inszenieren. Dabei handelt es sich um eine „bitterböse Satire über Künstliche Intelligenz“, wie es Straub umschrieb. Mit „(R)Evolution“ sollen auch gezielt bei jungen Menschen das Interesse für einen Theaterbesuch geweckt werden.
5. Rocky mit Neubesetzung
Wenn es ab 30. Oktober weitere 15 Vorstellungen der „Rocky Horror Show“ gibt, hat Matthias Straub ein Problem: Die beiden Hauptdarsteller Florian Graf und Nils Svenja Thomas werden dann nicht mehr zum Ensemble des Landestheaters gehören. Doch es wurde eine Lösung gefunden: Nils Svenja Thomas wird als Gast engagiert und kann somit weitere 15 Mal den Riff Raff spielen. Die Rolle des Dr. Frank N. Furter wird Multitalent Benjamin Hübner übernehmen. Hübner gehörte bis 2022 zum Ensemble des Landestheaters und kehrt nun zurück.
6. Ewig Jung
Da werden Erinnerungen wach: „Ewig Jung“, das Songdrama von Erik Gedeon, war im Frühjahr 2023 das letzte Stück, das im Großen Haus am Schlossplatz gespielt und riesig gefeiert wurde: Alle zehn Vorstellungen waren ausverkauft! Zusatzvorstellungen konnten nicht mehr eingeschoben werden, weil im Großen Haus nun einmal definitiv Schluss war.
Am 9. Oktober wird „Ewig Jung“ seine erneute Premiere im Globe feiern. Matthias Straub, der wieder Regie führt, muss manches aber natürlich ein bisschen ändern. Diesmal wird – und zwar im Jahr 2074 - die ehemalige Interimsspielstätte zur Seniorenresidenz. Dort leben ehemalige Schauspielerinnen und Schauspieler, die in Erinnerungen an ihre vergangene Theaterzeit schwelgen.
7. Stück im Landgericht
Die Produktion „Prima Facie“ wird im großen Saal des Landgerichts Coburg gezeigt. Denn es geht um eine Rechtsanwältin, die von Milena Weber gespielt wird. Gleich reihenweise schafft es diese kühle Anwältin, für Sexualstraftäter einen Freispruch zu erreichen. Doch plötzlich wird sie selbst das Opfer einer Vergewaltigung, steht auf einmal also auf der anderen Seite und muss darum kämpfen, dass ihr geglaubt wird. Premiere: 28. September 2024.
8. Theaterball im Globe
Im Mai 2025 wird es erstmals einen Theaterball in Coburg geben. „Im Landestheater war das nie möglich, weil wir ja die Bestuhlung nicht herausbekamen“, erklärt Neil Barry Moss. Im Globe hingegen wird - bei freigeräumtem Parkett – Platz für bis zu 500 Menschen sein. Sie dürfen selbst tanzen, gerne bis tief in die Nacht. Zugleich können sie sich auf die Musik von gleich zwei Produktionen freuen. Einen Teil bildet das Jazz-Musical „Chicago“, der andere Teil kommt von den „Comedian Harmonists“, die aber eigentlich erst im Juni 2025 Premiere feiern werden.
Geplant ist, dass sich alle Besucher des Theaterballs verkleiden, und war im Modestil der 1920er Jahre.
Und noch ein Hinweis zu den „Comedian Harmonists“: Auch bei dieser Produktion wird das Globe völlig anders aussehen. Es gibt die Idee, dass im Parkett statt Stühlen ausschließlich Bistrotische aufgestellt werden.
9. Vielseitiges Ballett
Das Ensemble von Ballettdirektor Marc McClain wird nicht nur wieder in eigenen Produktionen zu sehen sein (etwa in „1001 Nacht“; Premiere am 26. Oktober 2024). Ebenso werden die Tänzerinnen und Tänzer an vielen andere Produktionen beteiligt sein. Zu sehen sind sie beispielsweise in „Chicago“, bei den „Comedian Harmonists“ und natürlich weiterhin in der „Rocky Horror Show“.
Für 13. Juni 2025 ist wieder eine Ausgabe von „First Steps“ geplant. Die Tänzerinnen und Tänzer dürfen dann wieder eigene Choreografien zur Aufführung bringen. Als Motto hat Marc McClain diesmal „Whatsoever“ gewählt – zu Deutsch: was auch immer. Die augenzwinkernde Erklärung des Ballettdirektors: „Ich gebe wieder eine Richtung vor, und die wird dann sowieso von allen ignoriert.“
10. Neuer Termin für Sinfoniekonzerte
Generalmusikdirektor Daniel Carter kündigte eine Änderung bei den insgesamt sieben Sinfoniekonzerten an. Bislang gab es jeweils zwei Termine für jedes Sinfoniekonzert: sonntags um 18 Uhr und montags um 20 Uhr.
Doch im Globe war das mit einem sehr hohen logistischen Aufwand verbunden. Denn nach der Generalprobe am Samstagvormittag musste alles wieder abgebaut werden für das Theaterstück am Samstagabend – ehe am Sonntagmorgen wieder alles aufgebaut wurde für die beiden Konzerte.
In der neuen Spielzeit werden die Sinfoniekonzerte am Samstag und am Sonntag um 20 Uhr stattfinden. Das reduziert aber nicht nur die Auf- und Abbauarbeiten. „Wir hoffen auch, dass der Termin am Samstagabend für den freien Kartenverkauf attraktiver ist als der Montagabend“, so Daniel Carter.
11. Neue Idee für Kammerkonzerte
Eine spannende Änderung gibt es auch für die insgesamt fünf Kammerkonzerte in der Reithalle. Den Termin sonntags um 11 Uhr gibt es auch weiterhin. Doch zusätzlich sollen die Kammerkonzerte auch jeweils schon am Samstagabend zuvor gespielt werden – ab 21 Uhr, bei Kerzenschein und mit Cocktails im Angebot. „Dieses Veranstaltungsformat wollen wir auch gezielt an der Hochschule bewerben“, erklärt Daniel Carter.
12. Europameister im Vogelzwitschern
Daniel Carter musste selbst lachen, als er dieses kuriose Detail bekanntgab: Das 1. Sinfoniekonzert am 12. und 13. Oktober 2024 wird das Motto „Naturgewalten" haben. Unter anderem wird es dann Musik von Puccini hören. Zusätzlich konnte Helmut Wolferstetter verpflichtet werden. Er wurde 2007 allen Ernstes Europameister im Vogelzwitschern.
13. Karten werden teurer
Bernd Vorjans, kaufmännischer Direktor des Landestheaters, kündigte zur neuen Spielzeit eine Erhöhung der Eintrittspreise um 10 Prozent an. Es handele sich um die erste Erhöhung seit zwei Jahren, und damals sei der Preis um gerade mal einen Euro angehoben worden. Deshalb sprach Vorjans davon, dass die Erhöhung zwar „schmerzlich“ sei, er sie aber für „noch darstellbar“ halte.
14. Karten werden günstiger
Zur kommenden Spielzeit wird es Änderungen bei den Kategorien der einzelnen Plätze im Globe geben. Weil im Parkett alle Plätze als sehr gut gelten, werden sie künftig auch alle dieselbe (Preis-)Kategorie haben.
In den Rängen hingegen werden diejenigen Plätze, bei denen die Sicht etwas beeinträchtigt ist, in eine günstigere Kategorie als bisher eingestuft.
15. Teamlösung im Trend
Einen Intendanten hat das Landestheater Coburg zurzeit nicht. Stattdessen wird die Leitung auf mehrere Schultern verteilt, nämlich auf die der Direktoren der insgesamt fünf Teilbereiche. Mit dieser Lösung ist Coburg übrigens alles andere als ein Exot – im Gegenteil. Erst zu Beginn dieser Woche wurde am Deutsche Nationaltheater in Weimar bekanntgegeben, dass man ab 2025 auf einen Intendanten verzichtet und stattdessen auf ein Team an der Spitze setzt.
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