Stacheldraht, meterhoher Beton, Wachtürme. Was vor 36 Jahren Alltag in den ehemaligen Grenzgebieten war, ist heute eine mahnende Erinnerung.
Die Mauer, die die Görsdorfer jahrzehntelang davon abhielt, in das drei Kilometer entfernte Tremersdorf zu gelangen, ist heute ein bröckelndes Relikt der Zeit am Straßenrand. Sie ist über drei Meter hoch, aber nur noch wenige Meter lang, und mit Löchern versehen. Unbeeindruckt tuckern Autos und Traktoren heute einfach an ihr vorbei, Richtung Bayern.
Grenzturm Eisfeld-Rottenbach
Der ehemalige Grenzturm Eisfeld-Rottenbach von dem aus Grenzpolizisten mit Ferngläsern und Maschinengewehren die Grenze bewachten, ist heute eine Gedenkstätte. Die Ausstellung zeigt Dokumente und Bilder zum ehemaligen Grenzübergang.
Die gebrannte Brücke
Vielleicht fünf Kilometer sind es von Neustadt nach Sonneberg. Auch hier verlief die Grenze: Die gebrannte Brücke war dicht. „Herzlich willkommen in der Spielzeugstadt Sonneberg“ lesen die Menschen heute, die ganz selbstverständlich den Weg über die gebrannte Brücke, von Bayern nach Thüringen und wieder zurück, nehmen. An die ehemalige innerdeutsche Grenze erinnert heute nur noch ein großes Schild am Straßenrand: „Hier waren Deutschland und Europa bis zum 12. November 1989 um 8 Uhr geteilt.“
Friedhofskapelle Hönbach
Die Friedhofskapelle Hönbach ist in Thüringen. Auch hier verlief die Grenze. Der bayerische Ort Wildenheid liegt nur ungefähr einen Kilometer, vielleicht 15 Minuten zu Fuß, entfernt. Am Tag der Wiedervereinigung strömen die Menschen durch die geöffnete Grenze. Sie treffen dort Menschen, mit denen sie über 40 Jahre Seite an Seite gelebt hatten und mit denen sie doch nicht viel mehr verbanden, als den Zaun, der sie all die Jahre trennte.
Das Grüne Band
Osten und Westen sind seit 36 Jahren wieder Himmelsrichtungen und trotzdem bleibt die ehemalige Grenze ein besonderer Ort. Der Grenzbereich war für die Menschen jahrzehntelang totes Land, doch für Pflanzen und Tiere boten die unbebauten und nicht wirtschaftlich genutzten Flächen den Platz, den ihnen sonst oft fehlt.
Über 1.200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten leben auf den Flächen des 1.400 Kilometer langen ehemaligen Grenzbereichs. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gründete direkt nach dem Mauerfall, am 9. Dezember 1989, eine Initiative, die die ehemalige Grenzregion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere schützen sollte: „Das Grüne Band“.













