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Krise in Coburg
Regiomed-Insolvenz: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Die Regiomed-Hauptverwaltung befindet sich in Coburg.
Die Regiomed-Hauptverwaltung befindet sich in Coburg. // Simone Bastian
Regiomed
Coburg – Müssen Mitarbeiter jetzt um ihre Löhne fürchten? Was bedeutet die Insolvenz für die Patienten? Und: Droht bald eine Privatisierung von Krankenhäusern in der Region? Hier sind Antworten auf die zehn wichtigsten Fragen.

Die Regiomed-Kliniken GmbH hat am Dienstag beim zuständigen Amtsgericht Nürnberg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Möglich, dass bereits am Mittwoch diesem Antrag zugestimmt wird. 

Das alles wirft zahlreiche Antworten. - Wir versuchen deshalb Antworten zu geben.

1. Warum ist Regiomed in finanzielle Schieflage geraten?

In einer Pressemitteilung von Regiomed heißt es dazu: „Dieser Schritt ist notwendig, um die Gesellschaft angesichts immenser branchenweiter Herausforderungen, wie den massiv erhöhten Sach- und Personalkosten, Fachkräftemangel und Nachwirkungen der Corona-Pandemie, wieder wirtschaftlich auf stabile Füße zu stellen."

Michael Musick, Geschäftsführer der Regiomed-Kliniken, erklärt außerdem: „Wir sind seit Jahren in der Restrukturierung und planen eine regionale und medizinische Neuausrichtung. Aber aufgrund der extrem angespannten Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen reichen diese Anstrengungen alleine nicht mehr aus, sodass wir auf die finanzielle Unterstützung der Gesellschafter angewiesen sind."

2. Hätte es Alternativen zu einer Insolvenz gegeben?

Ja, und zwar gleich mehrere. Unter anderem hatten die Stadt und der Landkreis Coburg, die gemeinsam als „Krankenhausverband Coburg" einer von vier Gesellschaftern sind, mehrere Rettungsvorschläge unterbreitet. Sie fanden in der Gesellschafterversammlung aber keine Mehrheit. Zuletzt hatten die drei anderen Gesellschafter (die Landkreise Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen) dafür plädiert, ab dem 1. Januar 2024 die einzelnen Kliniken wieder in die Zuständigkeit der jeweiligen Landkreise zu geben. Doch dies wollten die Stadt und der Landkreis Coburg nicht, weil sie dann ganz alleine auf unverhältnismäßig hohen Kosten sitzengeblieben wären.

3. Wer genau ist jetzt von dem Insolvenzverfahren betroffen?

Betroffen vom Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sind die Klinikgesellschaften Regiomed Klinikum Coburg GmbH, die Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels GmbH, die Henneberg-Kliniken-Betriebsgesellschaft mbH mit dem REGIOMED-Klinikum Hildburghausen, die Klinik Neustadt GmbH und die Medinos Kliniken des Landkreises Sonneberg GmbH sowie alle dazugehörigen Einrichtungen (Seniorenzentren, Wohnheime, Rettungsdienst).

4. Wer ist NICHT von dem Insolvenzverfahren betroffen?

Nicht betroffen vom Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung sind die Regiomed Rehaklinik Masserberg, die MVZ Klinikum Coburg GmbH, die Regiomed Service GmbH sowie die Medical School von Regiomed. „Das kann sich aber mittelfristig ändern", sagte Regiomed-Geschäftsführer Michael Musick am Dienstag.

5. Was bedeutet das Insolvenzverfahren für die rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Regiomed?

Geschäftsführer Michael Musick versuchte am Dienstag zu beruhigen: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen!" Dank des Insolvenzgeldes seien die Löhne und Gehälter für zunächst drei Monate gesichert.

6. Was bedeutet das Insolvenzverfahren für die Patientinnen und Patienten?

Auch hier war Geschäftsführer Michael Musick bei einer Pressekonferenz um Beruhigung bemüht: „Die Gesundheitsversorgung ist weiterhin gesichert! Der Betrieb in allen Einrichtungen läuft weiter."

Deutliche Worte waren in diesem Zusammenhang auch einer Pressemitteilung von Regiomed zu entnehmen: „Im vorläufigen Eigenverwaltungsverfahren wird die Gesundheitsversorgung und Bewohnerversorgung in allen Regiomed-Einrichtungen in Gänze aufrechterhalten. Alle Regiomed-Einrichtungen und auch der Rettungsdienst sind wie bisher erreichbar und für alle Patienten und Bewohner da. Der Geschäftsbetrieb wird umfassend fortgesetzt."

7. Droht jetzt die Privatisierung von Krankenhäusern in der Region?

Ein solches Szenario kann zwar nie ausgeschlossen werden. Doch der Sanierungsexperte Rainer Eckert, der jetzt als Generalhandlungsbevollmächtigter bei Regiomed fungiert, machte am Dienstag deutlich, dass alle Kliniken in kommunaler Trägerschaft bleiben sollen.

8. Was genau ist das Ziel des Insolvenzverfahrens?

„Ziel des Verfahrens ist ein langfristiges, wirtschaftlich tragfähiges Konzept", sagte am Dienstag Regiomed-Geschäftsführer Michael Musick. Leicht wird das freilich nicht. So beschrieb Musick die Situation wie folgt: „Wir befinden uns in einem sehr intensiven Transformationsprozess."

9. Gibt es Hoffnung, dass die Sanierung gelingt?

Ja. Allen voran Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) und Coburgs Landrat Sebastian Straubel (CSU) zeigten sich am Dienstag sehr zuversichtlich, dass es zu einem erfolgreichen Neustart kommen wird.

Straubel erklärte: „Mit Hochdruck arbeiten wir auf das Ziel hin, einen Fahrplan zu erarbeiten, der die Gesundheitsversorgung in der Region auf eine stabile Basis stellt. Die Bürgerinnen und Bürger im Coburger Land können sich auch künftig auf eine hohe Qualität bei ihrer medizinischen Versorgung verlassen."

Dominik Sauerteig sagte: „Bei diesem Neustart wollen wir nun gemeinsam mit den Beschäftigten in den Kliniken Coburg und Neustadt sowie der Zentralverwaltung mit Service GmbH und Medical School eine verlässliche und selbstbestimmte Zukunft für die Bürgerinnen und Bürger in der Region und die Beschäftigten aufbauen. Für eine hochwertige medizinische Versorgung in der Region mit Klinikneubau am Standort Coburg.“

10. In Coburg soll ein neues Klinikum gebaut werden - gerät das jetzt durch die Insolvenz in Gefahr?

Nein. Denn das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Tatsache ist zwar, dass der Neubau mit riesigen Investitionskosten für die Stadt und den Landkreis Coburg verbunden sein wird. Zugleich war aber ja bei der Stadt und dem Landkreis Coburg die Befürchtung groß, dass man bei einer Teilauflösung von Regiomed (siehe Frage 2) auf sehr vielen Kosten alleine sitzen bleibt.

UPDATE: Bis einschließlich Freitag (5. Januar 2024, 17 Uhr) hat das Amtsgericht Nürnberg noch nicht über den Antrag entscheiden. 

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