Mag ja sein, dass Alex Reuther manchmal viel Quatsch im Kopf hat. Zum Beispiel, wenn er am 11.11. die närrische Jahreszeit mit einem ulkigen „Haadsch“ auf dem Coburger Marktplatz eröffnet. Der rastlose Tausendsassa ist aber sehr wohl auch für ernsthafte und politische Botschaften zu haben. Sehr viel Lob gab es etwa, als er im vergangenen Jahr eine Ukraine-Fahne ans Prinz-Albert-Denkmal steckte. Ebenso für Aufsehen sorgte sein Hitler-Putin-Kunstwerk, das er an die Judenberg-Unterführung sprayte. Kurioserweise waren es genau diese beiden letztgenannten Aktionen, aus denen sich nun Alex’ nächstes Projekt ergeben hat: Für den Gaudiwurm, der sich am Sonntag, 19. Februar, durch Coburgs Innenstadt schlängeln wird, baut Alex einen Wagen, der eine Botschaft an Russlands Machthaber Putin enthalten wird.
Spraydosen als Dankeschön
Kurz nachdem Alex das besagte Hitler-Putin-Kunstwerk gesprayt hatte, meldete sich ein Ukrainer bei ihm. „Er erzählte mir, dass er das Gemälde toll finde und auch schon von der Flagge am Albert-Denkmal begeistert gewesen sei.“ Der Ukrainer, der bereits seit 30 Jahren in Coburg lebt, wollte sich bei Alex bedanken und schenkte ihm eine ordentliche Ration nagelneuer Spraydosen – auf dass sich Alex weiterhin so kreativ austoben kann. Alex Reuther war von dieser Geste sehr gerührt. Zumal ja zumindest kurzzeitig unklar war, ob das Gemälde tatsächlich von der Kunstfreiheit gedeckt ist oder etwa einen Tatbestand nach Paragraf 86a/Strafgesetzbuch („Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen“) darstellt. Ja, die Reaktion dieses Ukrainers habe gut getan, gibt Alex zu.
Für den Frieden
Aus dem Kontakt zu diesem Ukrainer ist inzwischen aber noch sehr viel mehr entstanden. „Weil ich mich so sehr über die geschenkten Spraydosen gefreut habe, wollte ich auch wieder etwas zurückgeben“, erzählt Alex Reuther. So sei er auf die Idee gekommen, auch beim Gaudiwurm eine Botschaft für den Frieden zu platzieren. Idealerweise möchte er das zusammen mit Menschen machen, die aus der Ukraine flüchten mussten und nunmehr im Coburger Land ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben. Am Rande des Spiels der HSC-Handballer gegen den ukrainischen Club Saporischschja konnte Alex bereits einige Ukrainer für seine Idee begeistern. „Es war aber nicht ganz einfach, ihnen zu erklären, was Fasching bedeutet!“
Was genau ist Fasching?
Wie Alex erzählt, habe es unter den Ukrainerinnen und Ukrainern verschiedene Reaktionen auf seine Einladung zum Mitmachen am Gaudiwurm gegeben. „Viele meinten, dass sie doch nicht lachend durch die Stadt ziehen können, während in der Heimat der Krieg tobt.“ Doch er habe dann erklärt, dass zum Fasching nicht nur Lustiges gehöre, sondern auch politische Botschaften.
Die Botschaft, die Alex beim Gaudiwurm mit seinem „Ukraine-Wagen“ aussenden will, lautet „Zurück auf Start“ – das ist gleichzeitig das Motto, das die Coburger Narrhalla der diesjährigen Session gegeben hat. Beim Sessionsmotto handelt es sich um eine Anspielung auf Corona: Nach zwei Jahren Zwangspause geht’s endlich wieder los!
Bei Alex’ Wagen ist der Gedanke, dass man sich die Zeit von vor dem Krieg zurückwünscht. Aber auch hier musste Alex noch einmal nachjustieren: „Die Ukrainer haben mir gesagt, dass die Krim ja bereits vor dem russischen Angriffskrieg von den Russen annektiert wurde.“ Deshalb liegt der Ausgangspunkt, an den man sich zurückwünscht, noch weiter zurück. Am Wagen wird Alex deshalb eine große Landkarte anbringen, die die Ukraine zum Zeitpunkt der Staatsgründung 1991 zeigt. Davor werden zwei überdimensionale Spielfiguren platziert: eine in den Farben der Ukraine, eine in denen Russlands. Die russische wird wahrscheinlich auf dem Bogen liegen – nach dem Motto: Putin wurde („beim Spiel“/„aus der Ukraine“) rausgeworfen.
Alex bastelt für den Gaudiwurm in Coburg
Die Spielfiguren bestehen aus mittelgroßen Pezzibällen und reichlich Karton, den Alex sozusagen zweitverwertet. Damit die Botschaft von beiden Seiten des Wagens erkennbar ist, werden insgesamt vier Spielfiguren benötigt. Was Alex ebenfalls noch braucht, sind weitere Helfer und Ordner – weil noch unklar ist, wie viele Ukrainer genau sich auf das Abenteuer Fasching einlassen. Außerdem ist geplant, mit dem Wagen auch am Faschingsdienstag, 21. Februar, beim Umzug in Seßlach teilzunehmen.
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