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Videos aus St. Moriz Coburg
Wenn in der Kirche „Viva Colonia“ erklingt
In der Morizkirche wurde Coburgs erster Faschingsgottesdienst gefeiert.
In der Morizkirche wurde Coburgs erster Faschingsgottesdienst gefeiert. // Foto: Oliver Schmidt
Coburg – „Gott will nicht, dass wir nur traurig durchs Leben gehen!“ In Coburg wurde erstmals ein Faschingsgottesdienst gefeiert. Dabei wurden viele Gemeinsamkeiten zwischen Kirche und Karneval entdeckt.

Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin
So’n kleiner Teufel steckt doch in jedem drin
Der liebe Gott weiß, dass ich kein Engel bin
Das mit dem Himmel, das kriegen wir schon hin

Es ist schon erstaunlich, wie viele Faschingslieder es gibt, die einen Bezug zur Kirche und zum Glauben haben. Auch das ist eine Erkenntnis, die am Ende von Coburgs erstem Faschingsgottesdienst steht. Ja, Fasching und Kirche passen tatsächlich zusammen – Gott sei Dank!

Coburger Faschingsgottesdienst: Feierlicher Einzug

Coburger Faschingsgottesdienst: Feierlicher Einzug

Die Idee zu dieser – zumindest für Coburg – völlig neuen Veranstaltung hatte Stefan Unglaub, der Präsident der Coburger Narrhalla. In Gabriele Töpfer fand er eine Pfarrerin, die diese bloße Idee wunderbar in die Tat umsetzen konnte. Mit Witz und Charme, mit Frohsinn und Würde.

„Lachen öffnet das Herz“

In ihrer Ansprache sagte Gabriele Töpfer: „Ich bin überzeugt: Gott will nicht, dass wir nur traurig durchs Leben gehen“. Und weiter: „Humor ist ein Zeichen der Hoffnung. Wer lachen kann, glaubt daran, dass das Leben stärker ist als die Sorgen oder die diffusen Ängste, die viele umtreiben beim Blick in die Welt. Lachen öffnet das Herz, verbindet Menschen und zeigt: Wir sind nicht allein. Und ja: Gott ist dabei – auf den Wegen, den Sitzungen, den Umzügen.“

Peter Stenglein an der Orgel

Eröffnet worden war der Gottesdienst mit einem feierlichen Einzug zahlreicher Faschingsvereine aus der Stadt und dem Landkreis Coburg – zu einem würdigen Orgelspiel von Stadtkantor Peter Stenglein.

Anschließend wurde gleich mal der Faschingsklassiker „Viva Colonia“ gesungen. Da heißt es im Refrain: „Wir glauben an den lieben Gott und ham uch immer Durscht.“ Herrlich. Ebenfalls stark: „Günther’s Musik-Express“, der hier und auch noch bei anderen Liedern für die Begleitung sorgte.

Nach einem ersten Gebet folgte die Ansprache von Gabriele Töpfer. „Fasching erinnert uns daran, wie bunt und lebendig das Leben ist“, sagte sie. „Und es könnte vielleicht sogar wie ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel sein: Gemeinschaft, Freude, ein Fest ohne Ende.“

Die Sache mit den Masken

Sehr schöne Gedanken machte sich die Pfarrerin zum Thema Verkleidung: „Wir tragen Masken. Im Fasching bewusst – im Alltag oft unbewusst. Wir tun stark, obwohl wir schwach sind. Wir lächeln, obwohl uns Sorgen drücken. Im Fasching machen wir das ganz gezielt: Wir setzen Masken auf, schlüpfen in Rollen, probieren mal eine andere Persönlichkeit aus. Prinzessin, Clown, Bauer, Löwe – alles ist erlaubt. Fasching ist bunt, laut, voller Leben. Aber auch mit Kostüm behalten wir manches für uns.“

Pfarrerin: Vor Gott ist keine Maske nötig

Gabriele Töpfer schaffte es ein weiteres Mal, den Bogen zur Kirche zu schlagen: „In der Bibel lädt Gott uns ein: Kommt her zu mir alle, die ihr euch abmüht und beladen seid.“ Und: „Bei Gott dürfen wir die Masken ablegen. Er sieht uns, wie wir sind – und liebt uns trotzdem. Keine Kleiderordnung, keine Narrenkappe nötig – nur ein offenes Herz.“

Was haben Fasching und Kirche gemeinsam?

Auch Stefan Unglaub sprach zu den zahlreich versammelten Narren und Närrinnen. „Fasching und Kirche passen deshalb so gut zusammen“, sagte er, „weil sich Menschen mit anderen Menschen in Gemeinschaften zusammenfinden.“ In einer Welt, die oft von Hektik und Individualismus geprägt sei, seien es diese „lebendigen Gemeinschaften des Miteinanders“, die das Fundament des sozialen Zusammenhalts legen, würden, so Unglaub.

Der Glaube an die Kraft der Gemeinschaft 

Der Präsident hatte sich sehr gut vorbereitet und hatte auch noch folgende Gedanken parat: „Faschingsvereine und Kirchengemeinden verbindet ein gemeinsamer Glaube! Der Glaube an die Kraft der Gemeinschaft – an den Wert des Mitgefühls und an die Möglichkeit, die Welt jeden Tag ein Stück besser zu machen. Jedes Lachen, jede helfende Hand, jedes geteilte Erlebnis ist ein Geschenk. Es trägt dazu bei, unsere Gesellschaft menschlicher, solidarischer und lebenswerter werden zu lassen.“

Coburger Faschingsgottesdienst: Zum Abschluss gab es eine Polonaise durch die Morizkirche.
Coburger Faschingsgottesdienst: Zum Abschluss gab es eine Polonaise durch die Morizkirche. // 

Wer jetzt noch nicht gerührt war vom Zusammenspiel von Fasching und Kirche, der wurde es spätestens beim nächsten Lied: „Stääne“. Da heißt es im Refrain: „Wenn am Himmel die Stääne danze - un dr Dom sing Jlocke spillt - Jo dann weiß ich, dat ich doheim bin - Jo doheim bin heh am Ring.“

Coburger Faschingsgottesdienst: Stääne

Coburger Faschingsgottesdienst: Stääne

Mit „Ring“ ist in dem kölschen Lied natürlich der Rhein gemeint. Aber an der Itz kann eben auch Fasching gefeiert werden. Und dass in der bevorstehenden Session viele Menschen sich am Fasching erfreuen und dass alle Veranstaltungen gut und friedlich über die Bühne gehen, waren Themen bei den Fürbitten.

Nach Vaterunser und Segen wurde es aber noch einmal laut: Zum Auszug spielte der Fanfarenzug der Coburger Narrhalla auf.

Coburger Faschingsgottesdienst: Auszug mit Fanfarenzug

Coburger Faschingsgottesdienst: Auszug mit Fanfarenzug

Der Auszug ging nahtlos über in eine große Polonaise durch die Kirche. Ja, auch das ist erlaubt. Denn Gott will nicht, dass wir nur traurig durchs Leben gehen.

Coburger Faschingsgottesdienst: Polonaise zum Abschluss

Coburger Faschingsgottesdienst: Polonaise zum Abschluss

Zum Abschluss des ersten Coburger Faschingsgottesdienst brandete ein weiteres Mal viel Beifall auf in der gut gefüllten Morizkirche. Die Spenden, die am Ausgang gegeben wurden, sind für die Vesperkirche bestimmt, die im März in der Morizkirche stattfinden wird. Zu diesem Zeitpunkt wird die Faschingssession 2025/2026 schon wieder vorbei sein. Aber hoffentlich werden bis dahin viele Menschen gemeinsam gelacht und das Leben gefeiert haben. Amen.

 

 

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