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Auftakt in Coburg
Wenn es in der Kirche plötzlich Klöße gibt
Vesperkirche in Coburg: Am Sonntag half auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei der Essensausgabe.
Vesperkirche in Coburg: Am Sonntag half auch Regionalbischöfin Dorothea Greiner bei der Essensausgabe. // Oliver Schmidt
Coburg – Regionalbischöfin Dorothea Greiner freut sich, dass es endlich auch in Oberfranken eine Vesperkirche gibt. Denn ein bisschen mehr Gemeinschaft könne unsere Gesellschaft gerade jetzt gut gebrauchen. MIT VIDEO UND BILDERGALERIE

In Baden-Württemberg gibt es „Vesperkirchen“ bereits seit den 1990er Jahren. In Bayern hat es etwas länger gedauert, und in Oberfranken mit am längsten. Um so mehr war Regionalbischöfin Dorothea Greiner am Sonntag erleichtert und sogar regelrecht begeistert, dass es in ihrem Bezirk jetzt auch endlich losgeht mit diesem Veranstaltungsformat. Zwei Wochen lang wird die Coburger Morizkirche zu einem ganz besonderen Ort der Begegnung. Es kann zusammen gegessen und getrunken werden, es gibt ein Musik- und Kulturprogramm, und für Gebete und Andachten ist ebenfalls viel Raum.

Die Morizkirche in Coburg sieht in den kommenden zwei Wochen etwas anders aus. Die reguläre Bestuhlung ist mehreren Tischen gewichen, an denen gemeinsam gegessen und getrunken werden kann.
Die Morizkirche in Coburg sieht in den kommenden zwei Wochen etwas anders aus. Die reguläre Bestuhlung ist mehreren Tischen gewichen, an denen gemeinsam gegessen und getrunken werden kann. // Oliver Schmidt

In ihrer Predigt beim Eröffnungsgottesdienst ging Dorothea Greiner darauf ein, dass manch einer diesem Veranstaltungsformat vielleicht noch etwas skeptisch gegenübersteht. Doch sie stellte klar: „Nein, das ist keine Entweihung der Kirche. Hier passiert genau das, was Jesus will: Gemeinschaft!“

„Gemeinschaft erleben“

Das Wort „Gemeinschaft“ war am Sonntag ohnehin in aller Munde – so, wie auch die Klöße, die später zum Putenbraten oder wahlweise zu den Sojamedaillons gereicht wurden. Immer wieder hieß es aber auch, dass es bei diesem Projekt um sehr viel mehr als lediglich ums Essen und Trinken gehe. Ziel sei es eben vor allem, in den kommenden zwei Wochen „Gemeinschaft zu erleben“. Die Vesperkirche, so sagte es Dekan Andreas Kleefeld, sei „Nahrung für Leib und Seele“.

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Vesperkirche in Coburg

Vesperkirche in Coburg

Aufgrund von Corona musste die Vesperkirche um ein Jahr verschoben werden. Doch jetzt kommt sie auf gewisse Weise gerade recht. Denn ein Grundproblem sei auch noch nach der Pandemie vorhanden, wie Dorothea Greiner attestierte: „die soziale Erkrankung unserer Gesellschaft“. Bereits seit einigen Jahrzehnten gebe es einen „schleichenden Prozess“, der die „Beziehungsarmut in unserem Land“ habe wachsen lassen. Um so wohltuender ist für sie, dass jetzt endlich auch in Oberfranken dieses Veranstaltungsformat angekommen ist. Denn: „Die Vesperkirche fördert genau das, woran es unserer Gesellschaft mangelt: gelebte Gemeinschaft.“ Nach Ansicht der Regionalbischöfin sei es eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, „Gemeinschaft zu stiften, in der Jesus die Mitte ist“. Und um noch einmal auf die Bezeichnung „soziale Erkrankung unserer Gemeinschaft“ zu kommen: „Jesus ist unser Arzt“, sagte Dorothea Greiner.

„Angebot richtet sich an alle“

Mit Blick auf die Bibel erinnerte die Regionalbischöfin daran, dass Jesus nicht nur auf körperliche Weise viele Menschen wie etwa Lahme oder Taube geheilt habe. Nein, er habe auch sozial geheilt und das Miteinander gefördert. Jesus habe Menschen in die Gemeinschaft geholt. Er habe es geliebt, mit Menschen zusammen zu sein, mit ihnen zu essen und zu trinken.

Vesperkirche in Coburg: Regionalbischöfin Dorothea Greiner reichte auch Coburgs Drittem Bürgermeister Can Aydin eine Portion. Rechts Dekan Andreas Kleefeld.
Vesperkirche in Coburg: Regionalbischöfin Dorothea Greiner reichte auch Coburgs Drittem Bürgermeister Can Aydin eine Portion. Rechts Dekan Andreas Kleefeld. // Oliver Schmidt

Wichtig war Dorothea Greiner der Hinweis, dass sich das Angebot der Vesperkirche wirklich an alle Menschen richtet – egal, welches Alter, welche Nationalität oder welche Glaubensrichtung. Weil für das Essen lediglich um eine symbolische Spende von einem Euro gebeten wird, könnte man zwar auf den Gedanken kommen, es handele sich um ein Angebot speziell für „Bedürftige“. Doch die Regionalbischöfin gab zu bedenken: „Auch reiche Menschen können bedürftig sein.“ Als Beispiel aus der Bibel nannte sie Zacharias: „Er war reich an Geld, aber arm an sozialen Beziehungen.“ Seine ungewollte Einsamkeit habe erst geendet, als er eine Einladung von Jesus annahm.

Über einhundert Ehrenamtliche

Dass in Coburg nun eine solche Einladung ausgesprochen werden kann, bezeichnete Dorothea Greiner als „wirklich große Freude“. In Richtung der mehr als hundert ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die das „Mega-Projekt“ möglich machen, sagte sie: „Ich bin stolz auf euch Coburger!“

Kaum, dass die letzten Klänge des Gottesdienstes verklungen waren (die musikalische Leitung hatte Peter Stenglein), ging’s dann auch schon los mit dem gemeinsamen Mittagessen. Dorothea Greiner packte bei der Essensausgabe mit an und reichte unter anderem Coburgs Drittem Bürgermeister Can Aydin (SPD) eine Portion.

Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
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Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
2025 fand bereits zum dritten Mal die Vesperkirche in der Coburger Morizkirche statt. Hier ein Foto von der Premiere im Jahr 2023.
2025 fand bereits zum dritten Mal die Vesperkirche in der Coburger Morizkirche statt. Hier ein Foto von der Premiere im Jahr 2023. // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
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Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt
Vesperkirche in Coburg
Vesperkirche in Coburg // FOTOGALERIE Oliver Schmidt

Can Aydin hatte sich zuvor in einer kurzen Ansprache sehr beeindruckt gezeigt, wie viel „Wärme und Herzlichkeit“ in der Morizkirche zu spüren sei.

Weitere Ehrengäste bei der Eröffnung waren Landrat Sebastian Straubel (CSU) und Coburgs Alt-OB Norbert Tessmer (SPD). Der Schirmherr der Vesperkirche, Hubertus Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha, musste aufgrund einer Erkrankung seine Teilnahme am Sonntag kurzfristig absagen. Aber: Er hat ja noch zwei Wochen Zeit, um mal in der Morizkirche vorbeizuschauen, etwas zu essen und zu trinken, einem Konzert zu lauschen – und, vor allem: um die Gemeinschaft zu erleben.

Hintergrund: Vesperkirche in St. Moriz

Hintergrund Die „Vesperkirche“, die am Sonntag eröffnet wurde, findet bis einschließlich Sonntag, 19. März, täglich in der Coburger Morizkirche statt. Jeweils ab 10.30 Uhr gibt es eine musikalische Einstimmung. Nach einem „Mittagsimpuls“ um 11.15 Uhr besteht ab 11.30 die Möglichkeit zum gemeinsamen Mittagessen. Es wird dafür um eine Spende in Höhe von einem Euro gebeten – wer mehr geben möchte und kann, wird nicht daran gehindert.

Gespräche Täglich um 12 Uhr finden auch „Mittagsgespräche“ mit prominenten Gästen statt. Für Mittwoch, 8. März, hat sich zum Beispiel bereits Sabine Weingärtner angekündigt. Sie ist die Präsidentin des Diakonischen Werkes Bayern.

Lesungen An vier Tagen gibt es jeweils um 13 Uhr eine etwa halbstündige Lesung von Coburger Autoren. Zu hören sind: Nicole Eick am Dienstag, 7. März, Christian Göller am Donnerstag, 9. März, Renate Wunderer am Dienstag, 14. März, und Heidi Fischer am Donnerstag, 16. März.

Musik Am Freitag, 10. März, gibt es ab 19 Uhr eine „Acoustic Night“. Mitwirkende sind Mix Music, Conrad O’Connell, Ukulissimo sowie die RP Jazz Group. Am Freitag, 17. März, gibt es ab 19 Uhr einen Abend mit Pilgerliedern („Taracea – Musik des Jakobsweges“).

Gottesdienste Außer dem Gottesdienst am Sonntag, 12. März (ab 10 Uhr mit Pfarrerin Silke Kirchberger und Diakonin Nicole Koch), und dem Abschlussgottesdienst am Sonntag, 19. März (ab 10 Uhr mit Dekan Stefan Kirchberger), gibt es am Samstag, 18. März, noch einen Jugendgottesdienst (ab 18 Uhr mit der Ejott).

Eintritt Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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