Nachlass
Das Erbe des Max Böhme
Max Böhme mit Nesthäckchen Lotti.
Max Böhme mit Nesthäckchen Lotti.
Frontblatt eines der Skizzenbücher aus dem Nachlass von Max Böhme, nun im Coburger Stadtarchiv.
Frontblatt eines der Skizzenbücher aus dem Nachlass von Max Böhme, nun im Coburger Stadtarchiv.
Stadtarchivleiter Michael Tröbs, Böhme-Urenkelin Birgit Bauer und Coburgs Stadtheimatpfleger Christian Boseckert (von links) im Innenhof des Stadtarchivs.
Stadtarchivleiter Michael Tröbs, Böhme-Urenkelin Birgit Bauer und Coburgs Stadtheimatpfleger Christian Boseckert (von links) im Innenhof des Stadtarchivs.
Stadtarchiv Coburg
Zum Nachlass gehören auch zwei Zeichnungen Böhmes von der jüngsten Tochter Lotti.
Zum Nachlass gehören auch zwei Zeichnungen Böhmes von der jüngsten Tochter Lotti.
Böhme konnte auch Karikaturen. Stadtarchiv Coburg.
Böhme konnte auch Karikaturen. Stadtarchiv Coburg.
Skizze Böhmes von der Neusatz-Schule in Worms. Ein Vorbild für die Coburger Heiligkreuzschule? Stadtarchiv Coburg.
Skizze Böhmes von der Neusatz-Schule in Worms. Ein Vorbild für die Coburger Heiligkreuzschule? Stadtarchiv Coburg.
Das größte erhaltene Bauwerk Böhmes ist die Heiligkreuzschule in Coburg. Abbildung: Heiligkreuzschule
Das größte erhaltene Bauwerk Böhmes ist die Heiligkreuzschule in Coburg. Abbildung: Heiligkreuzschule
Nachlass
Simone Bastian von Simone Bastian Coburger Tageblatt
Coburg – Als Coburger Stadtbaumeister plante er das Ernst-Alexandrinen-Volksbad und die Heiligkreuzschule. Doch über den Menschen Max Böhme ist bislang wenig bekannt.

1903 war der Architekt Max Böhme nach Coburg gekommen, nach Stationen in der Bauverwaltung des Großherzogtums Hessen-Darmstadt (1898/99) und als stellvertretender Stadtbaumeister in Halle an der Saale (1899 bis 1903). In Coburg übernahm er die Leitung des Stadtbauamts und sofort auch große Projekte: Bau des Direktionsgebäudes des Elektrizitätswerks an der Bamberger Straße, Bau der Heiligkreuzschule, Bau des Ernst-Alexandrinen-Volksbads.

Während die Politik seine Bauten lobte, kritisierte "das Publikum" die Kosten. Zumindest lässt sich das unter der Überschrift "Stimmen aus dem Publikum" im Tageblatt nachlesen.

Gebäude unter Denkmalschutz

Böhme prägte in den Jahren bis 1921 das Stadtbild. Die meisten seiner Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz ; der größere Teil des Ernst-Alexandrinen-Volksbads wurde freilich abgerissen, bevor es ein Denkmalschutzgesetz gab. Das Coburger Volksbad war nicht das einzige, das Böhme baute: Auch in Römhild wurde eines nach seinen Plänen errichtet, und das gab in Coburg Ärger. Denn Böhme forderte 1913 ein höheres Salär, und das, obwohl er diese Nebeneinkünfte hatte.

Max Böhme: An Darmkrebs erkrankt

1921 musste er die Arbeit aufgeben. Ein "tückisches Leiden" habe ihn aufs Krankenbett geworfen, ist im Coburger Tageblatt vom 19. November 1925 nachzulesen - im Nachruf auf Max Böhme, der am 18. November seiner Darmkrebserkrankung erlegen war.

Zwar waren noch neue Behandlungsmethoden wie Bestrahlungen ausprobiert worden, aber die hatten den Kranken eher noch zusätzlich geschwächt, wie seine Urenkelin Birgit Bauer berichtet. Die teure Behandlung und die Inflation zehrten zudem das Vermögen der Familie auf.

Birgit Bauer ist die Enkelin der jüngsten Böhme-Tochter Lotti, die erst 1911 und als einzige in Coburg zur Welt kam. Die anderen drei Töchter waren weitaus älter. Viel sei in der Familie nicht über ihren Urgroßvater überliefert wurden, sagt Bauer. Selbst eine noch lebende Enkelin, heute 100 Jahre alt, erinnere sich nur noch an einen Mann, der nur im Bett lag.

Nachfahren weit verstreut

Allerdings lebte die Familie noch lange in dem Haus am Gustav-Freytag-Weg, das Böhme 1903 erbaut hatte. "Es muss ein sehr offenes Haus gewesen sein", sagt Birgit Bauer. Auf Fotos seien sehr viele Nachbarn und Kinder zu sehen, die gar nicht zur Familie gehörten. Lebensfreude strahlen diese Bilder aus, sagt sie: "Da sieht man junge Mädchen mit Zigaretten in der Hand, da wird geflirtet - Anfang des 20. Jahrhunderts."

Birgit Bauer, selbst Professorin für Design an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin , interessiert sich nicht nur wegen der Familienhistorie für Böhmes Werk. "Als Gestalterin fühle mich ihm nahe", sagt sie. Doch auch sie weiß wenig über ihren Urgroßvater; Erzählungen, die innerhalb der Familie weitergetragen wurden, gibt es kaum. Inzwischen leben die Nachfahren auch weit verstreut, viele in den USA, erzählt Birgit Bauer.

Architektur des Übergangs

Sie selbst ist in Frankfurt am Main geboten und besuchte ihre Großmutter in den Ferien in Coburg . Die meisten Familienanekdoten, sagt Birgit Bauer, gebe es noch über die Streitigkeiten der Geschwister, die nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen in dem Haus am Gustav-Freytag-Weg wohnten. Und über den "Lösers Karl", den Mann von Trude Böhme, der ebenfalls dort wohnte. "Der muss sein Leben lang ein Hallodri gewesen sein."

So bleiben der Nachwelt vor allem Gegenstände als Hinweise auf die Person Max Böhme: Gebäude , Möbel, Spielzeug, Skizzen, Fotos. "Aber das ist weit verstreut", sagt Birgit Bauer. Das Haus am Gustav-Freytag-Weg selbst habe in der Familie "Kultstatus" genossen - auch, weil alles darin aufeinander abgestimmt war. "Dafür wurden extra Kacheln angefertigt."

Birgit Bauer hat nun drei Skizzenbücher und zwei Zeichnungen , die ihre Großmutter als Kind zeigen, dem Stadtarchiv übergeben. In den Skizzenbüchern findet sich alles mögliche - Tierzeichnungen, Entwürfe für Ornamente an Gebäuden , Kopien von Gemälden, Karikaturen. Wann diese Skizzen entstanden, lässt sich nicht ergründen: Jahreszahlen sind kaum zu finden; Ausnahme ist ein Entwurf für ein Wappen aus dem Jahr 1906. Eins der Skizzenbücher enthält eine Leipziger Adresse, aber l Birgit Bauer hat bislang nicht herausfinden können, ob und wann Böhme einmal in Leipzig wohnte.

Wünsche der Urenkelin

Birgit Bauer vermutet, dass ihr Urgroßvater in vieler Hinsicht zwischen "dem Alten und dem Neuen" stand, wie sie sagt. Einerseits waren da Bewegungen wie Arts & Craft, Jugendstil und später Bauhaus, die Architektur, Kunst und Handwerk miteinander in Einklang bringen wollten. Andererseits musste Böhme sich als Bauamtsleiter auch aufs seriöse Bauen verstehen.

Anzunehmen ist, dass er nach seinem Studium an der Baugewerbeschule Buxtehude bei seiner ersten Anstellung in Darmstadt in Berührung mit den Jugendstil-Architekten kam, die ab 1899 eine Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe bildeten. Die Coburger Heiligkreuzschule gilt als Böhmes bedeutendstes Jugendstilwerk.

Birgit Bauers Wünsche: Dass noch mehr, was aus Böhmes Nachlass überliefert ist, ins Coburger Stadtarchiv kommt, weil da auch die Entwürfe und Akten aus seiner Zeit als Stadtbaurat lagern. Dass sie selbst die Zeit findet, eine Art Werksverzeichnis anzulegen, inklusive der Möbel.

Zu Böhmes Werk gehört übrigens auch der Entwurf des Steins für sein Grab auf dem Glockenberg. "Wer mit ihm zusammenarbeitete, der wusste, dass Max Böhme ein Baufachmann von seltenem Können und künstlerischer Auffassung war", heißt es im Tageblatt-Nachruf auf Max Böhme. "Nicht immer fand er mit seinen Ideen und Plänen Gleichgesinnte, aber dank seiner Beredsamkeit und seiner überzeugenden Sachkunde wusste er sich in den meisten Fällen durchzusetzen."

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