Gemeinsam Mittagessen in der Kirche? Vor ein paar Jahren mag das noch undenkbar gewesen sein. Doch die ersten beiden Vesperkirchen, die es 2023 und 2024 gab, sind auf eine derart gute Resonanz gestoßen, dass die Vorfreude auf die nunmehr dritte Auflage bereits riesig ist. Termin: von Sonntag, 16. März, bis Sonntag, 30. März, in der Coburger Morizkirche.
Im Organisationsteam engagieren sich unter anderem Silke Kirchberger (Pfarrerin St. Moriz), Stefan Kornherr (Diakonie Coburg) und Veit Röger (Pfarrer St. Johannes). Im Gespräch mit ihnen geht es auch darum, wie wichtig die Vesperkirche – gerade jetzt! – für den Zusammenhalt der Gesellschaft sein kann. Sie erzählen, dass wieder sehr viele Ehrenamtliche mitanpacken werden, verschweigen aber auch nicht, dass es aufgrund der wirtschaftlich angespannten Situation diesmal weniger Spenden von Firmen gibt.
Frau Kirchberger, sie gelten als sehr großer Fan der Vesperkirche. Warum?
Silke Kirchberger: Das stimmt, ich bin ein riesiger Fan der Vesperkirche! Mir gefällt, dass so viele Menschen zusammenkommen, die sich überhaupt nicht kennen, miteinander ins Gespräch kommen und eine gute Zeit zusammen verbringen. Gemeinsam an einem Tisch zu sitzen und zu essen verbindet. Das Programm mit Gottesdiensten, Konzert, Line Dance, Spielen und Poetry-Slam macht es leicht, Leute kennenzulernen. Außerdem gibt es ein großes Beratungsangebot. Ich finde, das ist eine super Mischung, und sicher ist für jeden und jede etwas dabei. Deshalb mein Tipp: Vorbeikommen lohnt sich bestimmt!
Wie laufen denn die Vorbereitungen für die diesjährige Vesperkirche 2025?
Stefan Kornherr: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir bereiten die Vesperkirche ja bereits seit einigen Monaten vor. Nun steht das Programm, es haben sich bereits viele Ehrenamtliche bereiterklärt, es gibt einen Caterer – und dennoch sind jetzt noch viele, viele kleine und große Dinge zu tun. Die Vorbereitungstreffen für die Ehrenamtlichen, die konkrete Logistik und die Öffentlichkeitsarbeit für die einzelnen Veranstaltungen beispielsweise.
Veit Röger: Aus den Erfahrungen den letzten Jahren können wir auf viele Dinge aufbauen – die Abläufe sind klar, und wir wissen aus den vergangenen Jahren, dass wir das – bei allen Unwägbarkeiten bei so einem großen Projekt – hinkriegen. Das alles ist schon viel wert. Aber klar, auch wenn schon vieles getan du geplant ist, so kurz vor dem Start im März, ist jetzt nochmal für alle im Vorbereitungsteam Endspurt angesagt.
Die erste Vesperkirche wurde im März 2023 veranstaltet. Damals hieß es: Nach der überstandenen Corona-Pandemie ist das genau der richtige Zeitpunkt, um Menschen wieder zusammenzubringen. Zwei Jahre später und kurz vor der Bundestagswahl ist unsere Gesellschaft, wie es scheint, erneut in einem sehr angespannten Zustand. Kommt deshalb auch die Vesperkirche 2025 genau zum richtigen Zeitpunkt?
Stefan Kornherr: Ja, ich teile die Analyse, die in der Frage steckt: Die Gesellschaft driftet weiter auseinander, und Gruppen stehen sich zunehmend unversöhnlich gegenüber. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen mit geringem Einkommen und Menschen, die derzeit auf der Sonnenseite des Lebens stehen, Menschen mit Migrationserfahrung und Menschen aus einem alten deutschen Adelsgeschlecht an einem Tisch sitzen. Das hilft im Idealfall, sich von vorgefassten Meinungen zu verabschieden und den Nächsten etwas differenzierter wahrzunehmen. Deshalb gibt es auch unsere Foto-Kunst-Aktion „zusammen halten“. Hier versuchen wir zu zeigen, wie viele Menschen es in Coburg gibt, die für den Zusammenhalt etwas tun.
Mehr über die Foto-Kunst-Aktion lesen Sie hier:
Veit Röger: Ich denke auch, das Anliegen der Vesperkirche ist nach wie vor so aktuell, wie es nur sein kann. Das ist auf der einen Seite ernüchternd, wenn wir merken, dass unsere Gesellschaft nach wie vor im Stress und im Krisenmodus steckt. Auf der anderen Seite wird damit für mich so klar, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt, einschließlich unserer demokratischen Werte und Freiheiten, nichts ist, was uns selbstverständlich gegeben ist. Es ist an uns allen, immer wieder neu an unserem gesellschaftlichen Miteinander zu arbeiten und Energie darin zu investieren, dass wir zusammenkommen, uns begegnen und in all dem gemeinsam unterwegs sind. Sprich: der richtige Zeitpunkt für die Vesperkirche war gestern, ist heute und wird genauso morgen sein.
Die Vesperkirchen 2023 und 2024 waren jeweils riesige Erfolge. Hilft das jetzt bei der Suche sowohl nach ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern als auch nach Sponsoren?
Silke Kirchberger: Nach wie vor engagieren sich viele Menschen bei der Vesperkirche. Es gibt jede Menge Wiederholungstäter und -täterinnen, denn wer einmal dabei war, weiß, dass es neben Arbeit auch ganz viel Spaß, Gemeinschaft und Erfüllung gibt. Unterstützung können wir noch beim Auf- und Abbau brauchen. Da sind Muskeln gefragt. Das Geschirr, die Möbel und alles andere Equipment muss aus dem Lager geholt werden.
Stefan Kornherr: Für die Werbung um Ehrenamtliche haben wir in diesem Jahr kaum etwas tun müssen. Dafür sind wir sehr dankbar. Viele Coburgerinnen und Coburger finden die Vesperkirche gut, haben zum Teil schon Erfahrung und engagieren sich.
Veit Röger: Die letzten beiden Jahre Vesperkirche, die gute Stimmung, die vielfältigen und gelungenen Begegnungen strahlen bis heute aus. So viele Menschen sind begeistert von dem, was wir bei der Veperkirche tun – das merken wir auch bei der Einwerbung von Spenden. Wir hatten in diesem Jahr eine große Mailing- und Telefonaktion. Und ganz viele der angerufenen Menschen und Firmen haben gleich gesagt: „Vesperkirche, kennen wir, finden wir toll!“ Aus privater Hand haben wir so schon gut 13.000 Euro als Spenden bekommen – an alle Spender an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön! Auf der anderen Seite konnten uns manche Betriebe aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Situation trotz gutem Willen nicht unterstützen. Auch das haben wir deutlich gespürt. Insofern hoffen wir nun auch auf unsere Gäste im März und eine großzügige Spendenbereitschaft vor Ort.
Auf welchen Programmpunkt bei der Vesperkirche freuen Sie sich am meisten?
Silke Kirchberger: Ich bin schon total gespannt auf den Line Dance Workshop gleich am Eröffnungstag und auf den Schlagergottesdienst am 21. März. Diese beiden Termine werde ich auf gar keinen Fall verpassen.
Stefan Kornherr: Ich freue mich besonders auf den Poetry Slam. Bereits im letzten Jahr habe ich dort sehr beeindruckende Texte gehört. In diesem Jahr wird es vorab noch einen Workshop geben. Vielleicht werden hier noch Coburger Talente erst entdeckt?
Veit Röger: Ich freue mich auf unsere besonderen und nicht-alltäglichen Gottesdienstformate – der Schlagergottesdienst hat ja in den letzten Jahren schon eine große Fangemeinde gewonnen, dieses Jahr gibt’s daneben noch den Jugendgottesdienst und „Zeit für dich“ – ein tolles Format für (junge) Erwachsene. Gottesdienste, die mich nochmal auf ganz andere Art begeistern und mit ins Geschehen hineinnehmen.
Eine Terminübersicht zur Vesperkirche 2025 lesen Sie hier:
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