Die Temperaturen steigen, vereinzelt spitzt das erste Grün an dem ein oder anderen Busch hervor und statt klappernden Zähnen kann man mittlerweile etwas anderes klappern hören: Der Weißstorch ist zurück im Coburger Land. Bis auf das Storchenpaar in Schottenstein sind schon alle 36 Störche zurück. Bereits am 20. Januar wurde der erste Storch in seinem Horst in Beiersdorf gesichtet. Auffällig: In diesem Jahr kamen einige der Störche des Coburger Landes damit 104 Tage früher zurück als im Vorjahr.
Warum ist das so? Einer der Gründe: Nicht alle Tiere machen so lange Reisen wie früher.
Der Verein Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) ermittelt mithilfe von Satelliten-Sendern die GPS-Daten von Störchen, die mit Sendern ausgestattet wurden. Anhand dieser Daten werden die Bewegungsmuster aufgezeichnet. So ist die Störchin Marina aus Baunach über Frankreich und Spanien bis nach Marokko geflogen und legte auf dem Rückweg einen Zwischenstopp in Sevilla ein. Der Storch Pettstadt-1 dagegen nahm die östliche Route über Bulgarien und die Türkei, um in Ägypten zu überwintern.
Aufnahmen einer Storchennest-Webcam in Heroldsbach
Viele Störche fliegen nicht mehr bis nach Afrika
Der Grund für das Überwintern der Störche südliche von Coburg ist nicht die Kälte, sondern die Nahrungsknappheit, die sie hier im Winter haben. Doch nicht alle Störche machen sich noch immer auf den weiten Weg nach Nordafrika. So verließ die einjährige Störchin Arielle Deutschland nicht und überwinterte am Bodensee. Andere Störche machten sich zwar auf den Weg, doch stoppten bereits in Spanien oder Frankreich. So auch der Storch Pettstadt-2, der in Spanien überwintert hat. Doch warum fliegen die Störche kürzere Strecken oder bleiben vereinzelt sogar in Deutschland?
Störche fliegen in den Süden, um ihr Überleben zu sichern. Früher mussten sie, um genug Nahrung zu finden, zum Teil bis nach Westafrika fliegen. Wenn sie also in Spanien oder Deutschland genügend Mäuse, Schnecken oder Fische finden, bleiben sie da und ersparen sich damit eine gefährliche und anstrengende Reise. Der Klimawandel verändert die Gewohnheiten der Tiere, doch sie scheinen anpassungsfähig und werden nicht etwa weniger, sondern mehr. So lasse sich laut LBV in der Gesamtzahl der Störche in Deutschland ein leichter Anstieg verzeichnen.
Ein entscheidender Grund dafür dürfte sein, dass eine kürzere Reise, bei der sie kein Meer überfliegen müssen, ungefährlicher für sie ist. Denn Störche nutzen die Thermik, die ihnen beim Überfliegen von Land Auftrieb gibt und können so kräftesparend fliegen. Über Wasser fehlt dieser Auftrieb und so stürzen Störche immer wieder ab und ertrinken.
Bleiben die Störche für immer hier?
Der Storchenexperte Hans Schönecker vom LBV vermutet, dass Störche in 30 oder 40 Jahren gar nicht mehr in den Süden fliegen werden. Bereits in diesem Jahr hätten ungefähr 300 Störche den Winter in Deutschland verbracht. Ganzjährig in Spanien oder Frankreich zu leben, kommt für die deutschen Störche allerdings nicht in Frage, da dort bereits andere Störche leben und das Futter für alle dann auf Dauer knapp würde. Das ist auch der Grund, aus dem nicht alle der circa 12.000 Störche aus Deutschland den Winter im selben Land verbringen.
Störche sind Gewohnheitstiere
Umso eher Störche nach dem Winter in ihrem Nest ankommen, desto besser. Denn so können sie ihren Horst gegen potenzielle Eindringlinge verteidigen. Denn Störche sind Gewohnheitstiere und kehren am liebsten immer wieder in ihr altes Nest zurück, da sie hier die Umgebung schon kennen und gute Erfahrungen gemacht haben. Auch finden sich in einem Horst häufig die gleichen Storchenpaare wieder, wenn nicht eines der beiden auf der Reise stirbt oder aber zu spät kommt. Meist trifft der männliche Storch zuerst ein. Wenn die Störchin dann etwa verspätet zurückkommt und ihren Gatten mit einer anderen Störchin vorfindet, versucht sie mit allen Mitteln die neue Störchin zu vertreiben.













