Der Fahrradverkehr in Coburg soll gefördert werden – darin war und ist sich die Mehrheit des Stadtrats einig. Trotzdem musste jüngst eine Ausnahmeregelung wieder zurückgenommen werden. Es ging um die Ketschengasse, und zwar im Abschnitt zwischen Albertsplatz und Ketschentor. Dort war es Fahrradfahrern erlaubt, auch gegen die Einbahnstraßenrichtung zu fahren (also stadtauswärts). Doch nicht zuletzt auf Drängen der Polizei wurde die Regelung zum 1. August 2025 gestoppt.
Das Hauptargument für die Zurücknahme war: Die Ketschengasse ist in diesem Bereich zu eng, als dass Fahrradfahrer dort ohne größeres Sicherheitsrisiko gegen die Einbahnstraßenrichtung fahren können. Die Polizei hatte sogar eine Unfallhäufigkeit festgestellt.
Haupt: Der Fehler wurde bereits 2008 gemacht!
Auch die Grünen – und allen voran ihr Fahrradexperte Wolfram Haupt – waren mit der Zurücknahme der Ausnahmeregelung einverstanden. Wolfram Haupt wies in einem Gespräch mit dem Coburger Tageblatt allerdings darauf hin, dass seiner Meinung nach der eigentliche Fehler bereits 2008 gemacht worden sei. Damals wurde die Ketschengasse neu geplant. Wolfram Haupt beschreibt das rückblickend wie folgt: „In eine schmale Straße wurde viel zu viel hineingequetscht.“ Außer Gehwegen auf beiden Seiten sei ja auch noch ein durchgehender Streifen mit Kurzzeitparkplätzen gewünscht und angelegt worden. Speziell im Bereich zwischen Albertsplatz und Säumarktbrunnen gebe das der Straßenraum aber eigentlich gar nicht her. Wolfram Haupt: „Ein Gehweg sollte 2,50 Meter breit sein – dort sind es an den schmalsten Stellen nur 1,50 Meter.“
Eine weitere Gefahrenquelle sieht Wolfram Haupt im Straßenbelag. Der hat sich nämlich im Laufe der Jahre in der Mitte gewölbt. An den Rändern – also dort, wo Radfahrer fahren – ist dadurch ein Spalt entstanden. Dieser Spalt ist zwar nicht sehr breit, kann aber so manchem Radfahrer durchaus Probleme bereiten – erst recht dann, wenn ihm ein breiteres Fahrzeug entgegenkommt und er vielleicht unsicherer fährt.
Coburgs Grüne stellen Stadtratsantrag
Kurzum: Die Grünen haben jetzt einen Stadtratsantrag gestellt. Sie fordern darin, dass die Ketschengasse im Bereich zwischen Albertsplatz und Ketschentor „neu beplant“ wird. Ziel sollte es sein, dort Radverkehr auch wieder stadtauswärts zu ermöglichen und noch dazu den Fußgängerinnen und Fußgängern „angemessene und sichere Geh- und Aufenthaltsflächen mit stadtklimatisch gebotener Begrünung“ zur Verfügung zu stellen.
Ob im Zuge einer solchen Neuplanung auch Kurzzeitparkplätze wegfallen würden, thematisieren die Grünen nicht.
Mehr Grün gefordert
Stattdessen verweisen sie in der Begründung ihres Antrags auf das Coburger Radwegekonzept. Darin sei der Abschnitt der Ketschengasse zwischen Albertsplatz und Ketschentor in beiden als Hauptverbindung in der zweithöchsten Prioritätsstufe eingestuft. Außerdem würden sich in dem Gebiet mehrere Gastronomiebetriebe sowie Geschäfte des täglichen Bedarfs befinden, die einen „erheblichen Quell- und Zielverkehr“ hervorrufen würden, und zwar sowohl fußläufig als auch per Rad. Auch seien die Aufenthaltsbereiche am Albertsplatz (dort insbesondere das Wasserspiel) und am Säumarkt nicht hinreichend vor fließendem und ruhendem Verkehr geschützt und nur unzureichend beziehungsweise überhaupt nicht begrünt.
Um diesen „Unzulänglichkeiten“ abzuhelfen, sehe man eine erneute Überplanung des besagten Gebiets als „dringend erforderlich“ an.
Der Antrag der Grünen steht bereits an diesem Donnerstag (25. September) auf der Tagesordnung des Stadtrats. Die Sitzung beginnt um 14 Uhr im Rathaussaal.
Videoüberwachung am ZOB und am Bahnhofsvorplatz?
Ein weiteres Thema im Stadtrat wird auch eine Videoüberwachung des Bahnhofsvorplatzes und des benachbarten Zentralen Omnibus-Bahnhofs (ZOB) sein. Dazu wird die Polizei eine umfassende Information geben. Sowohl am Bahnhofsvorplatz als auch am ZOB kommt es – vor allem abends und nachts – immer wieder zu strafrelevanten Delikten.
Wie zu hören ist, würde eine Videoüberwachung von der Stadt begrüßt werden. Die alleinige Entscheidungsgewalt, entsprechende Kameras zu installieren, liegt aber bei der Polizei. Vor der Sitzung am Donnerstag wollte die Coburger Polizei keine weiteren Angaben zu der angedachten Maßnahme machen.

















