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Praxis-Test in Coburg
Wie kompliziert ist die Park-Anlage am Anger?
Das Rausfahren funktioniert ohne Probleme.
Das Rausfahren funktioniert ohne Probleme. // Julia Scholl
Signet des Fränkischen Tags von Anne Hagemann
Coburg – Lange Schlangen, frustrierte Fahrer: Das neue Schrankensystem auf dem Anger startete 2024 mit einigen Problemen. Sind die 2025 endlich gelöst?

„Hello“ grüßt der Bildschirm, die Schranke öffnet sich. Die Einfahrt auf den Anger-Parkplatz ist an diesem Freitagmittag schon einmal kein Problem. Eine Kamera erfasst das Nummenschild, ein Schild erklärt, was zu tun ist: einfahren, Kennzeichen merken, Kennzeichen eingeben, bezahlen, ausfahren. Ganz einfach also – in der Theorie.

Eine Stunde standen die Menschen in den vergangenen Monaten manchmal Schlange, um ihr Parkticket zu zahlen.
Eine Stunde standen die Menschen in den vergangenen Monaten manchmal Schlange, um ihr Parkticket zu zahlen. // Gisela Dötschel

Chaos bei vollem Parkplatz

In der Praxis gab es seit der Einführung des Schrankensystems einige Probleme: Vor den Kassenautomaten bildeten sich lange Schlangen verwirrter Parker. Frustrierte Fahrer standen auch nach dem Bezahlen vor störrischen Schranken, die sich nicht öffneten. Vor allem, wenn der Parkplatz bei Großveranstaltungen in Stadt oder Kongresshaus gut gefüllt war, drohte Chaos auf dem Anger.  Die Wohnbau und Stadtentwicklungsgesellschaft Coburg (WSCO), die den Großparkplatz im Auftrag der Stadt bewirtschaftet, ließ dann zeitweise die Schranken vorsorglich lieber gleich offen. Und versprach, technisch nachzubessern. 

Kein Parkticket mehr

Das sei gelungen, findet Natalia Schaffarczyk aus Weidhausen. Sie parkt heute das zweite Mal mit neuer Schranke auf dem Anger. „Beim ersten Mal hat es noch besser funktioniert – da war die Schranke nämlich offen und das Parken kostenlos“, sagt sie lachend.  Heute muss sie zahlen. Aber auch das habe reibungslos funktioniert.  Dass sie hier weder Parkkarte noch Parkschein braucht, freut sie: Beides gehe bei einem Einkaufsbummel in der Innenstadt viel zu schnell verloren.

Versteckter zweiter Kassenautomat

Da ist sie sich einig mit den meisten Autofahrern, die am Anger anzutreffen sind: praktisch und sicher sei das Zahlsystem per Kennzeichenerfassung und insgesamt eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu früher. Aber: Obwohl der Andrang nicht groß ist, bildet sich trotzdem eine Schlange am Kassenautomat vor den Containern der Rückert-Schule. Erstens, weil man dann doch ein bisschen überlegen muss, wie genau das eigene Kennzeichen denn nun lautet, wenn man es eingeben soll. Zweitens, weil so gut wie niemand den zweiten Kassenautomaten nutzt, der versteckt ganz vorne beim Kurzzeit-Parkplatz steht und nur Karten- oder Smartphone-Zahlung akzeptiert.  Und ein bisschen erleichtert ist dann doch jeder, wenn das Bezahlen und Ausfahren reibungslos funktioniert– denn um die technischen Probleme beim Start weiß hier jeder.

Das Kennzeichen fotografiert

Auch die beiden Schwestern Jessica und Miriam Pohl, die sich gerade Mittagessen in der Innenstadt geholt haben, das nun beim Warten aufs Bezahlen langsam kalt wird. Sie diskutieren kurz über die Buchstabenreihenfolge im Kennzeichen – „aber ich habe zur Sicherheit ein Foto gemacht“, sagt Miriam. Die Großmutter der beiden, 79 Jahre alt und ohne Screens aufgewachsen, käme mit der automatischen Kennzeichenerfassung weniger gut klar, erzählen sie: Beim Parken im EsCo-Park, wo ein ähnliches System wie auf dem Anger eingesetzt wird, sei sie oft überfordert und musste sich daher schon Hilfe in angrenzenden Geschäften holen.

Jessica Pohl und Miriam Pohl.
Jessica Pohl und Miriam Pohl. // Julia Scholl

Hilfe per Telefon

Auch Jürgen Fischer glaubt: „Gerade ältere Leute tun sich oft schwer.“ Sein Vater Manfred gibt währenddessen routiniert das Kennzeichen per Touchscreen ein. Er hat darin allerdings auch Übung: Beinahe jede Woche parke er auf dem Anger, erzählt Manfred Fischer. Aber schon zweimal sei es vorgekommen, dass sich die Schranke für ihn und sein Auto nach dem Bezahlen nicht öffnete. „Aber ich habe dann einfach per Telefon-Taste an der Schranke um Hilfe gebeten und das hat gut geklappt.“ 

Manfred Fischer und Jürgen Fischer.
Manfred Fischer und Jürgen Fischer. // Julia Scholl

Zittern vor verschlossener Schranke

Auch Jule Brief stand schon vor verschlossener Schranke, die sich trotz wiederholten Anfahrens partout nicht öffnete. Also probierte sie die Schranke daneben – mit Erfolg. „Zum Glück war hinter mir keine Schlange“, sagt sie. Danach habe sie aber keine Probleme mehr gehabt. Ebenso wie ihre Kollegin Nina Wöhner. Die gibt allerdings zu: Beim ersten Mal bezahlen ohne Parkkarte sei sie noch etwas ratlos vor dem Automaten gestanden. Zwar gibt es eine detaillierte Anleitung zum Bezahlvorgang auf einem Schild am Automaten „aber wenn ich so viel Text sehe, habe ich direkt keine Lust, mir das alles durchzulesen“, sagt Nina Wöhner.

Parkplatz-Test auf dem Anger

Parkplatz-Test auf dem Anger

Also, Selbstversuch: „Kennzeichen exakt eingeben“, fordert der Bildschirm. Kurz überlegen, Buchstaben auf dem Touchpad suchen – klappt. Bezahlen, 60 Cent pro halbe Stunde. Fertig. Jetzt muss nur noch die Ausfahrt gelingen. Langsam an die Schranke heranrollen, kurz zittern – dann geht sie hoch. Geschafft. 

 

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