Es beginnt mit einer netten Begrüßung: „Hello“ leuchtet auf dem Display auf, das sich unmittelbar vor der neuen Schranke am Anger befindet. Ob das freilich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist, bleibt abzuwarten. Zumal am Freitag, dem ersten offiziellen „Schrankentag“, noch nicht alles ganz rund läuft.
Die Wohnbau und Stadtentwicklungsgesellschaft Coburg (WSCO), die den Großparkplatz im Auftrag der Stadt bewirtschaftet, hatte in einer Pressemitteilung bereits vorsorglich gewarnt: „Trotz Testphasen im Vorfeld kann es zu Beginn aufgrund der hochsensiblen Technik zeitweise noch zu technischen Störungen kommen.“
Ein Mann verzweifelt
Am Freitagmittag ist zum Beispiel ein Mann verzweifelt, weil das Kennzeichen seines weißen Lieferwagens beim Herausfahren offenbar nicht von der APNR erkannt wurde. „Aber ich habe doch bezahlt!“
Die Buchstaben APNR stehen für Automatic Number Plate Recognition und beschreiben die automatische, digitale Erkennung von Autokennzeichen. Deshalb befinden sich sowohl an den zwei Einfahrts- als auch an den zwei Ausfahrtsschranken kleine Spezialkameras. Beim Hereinfahren können sie erfassen, mit was für einem Kennzeichen da jemand zu welcher Uhrzeit auf den Anger gefahren ist und mit dem Parken begonnen hat. Auch beim Herausfahren rücken die Kennzeichen ins Visier der APNR. Weil geprüft werden muss, ob die fällig gewordene Parkgebühr entrichtet worden ist.
Bezahlt werden kann – wie bisher – mit Bargeld, zusätzlich nun aber auch mit Girokarte, Kreditkarte oder App-Zahlungssystemen (Google Pay, Apple Pay) auf dem Mobiltelefon.
Am Anger wurden zwei neue Kassenautomaten aufgebaut, an denen sich am Freitag prompt kleinere Warteschlangen bildeten: „Wie genau funktioniert das jetzt?“
Beim Blick auf die Tariftabelle erschrickt ein Tourist aus Heidelberg: „60 Cent für die angefangene halbe Stunde? Da kommt aber einiges zusammen, wenn ich hier bis Samstagabend stehen will.“ Ein ortskundiger Mitparker kann beruhigen: „Die Höchstgebühr für 24 Stunden sind vier Euro!“ Ein weiterer Mitparker schaltet sich ins Gespräch ein und meint: „Selbst wenn es diese Tageshöchstgebühr nicht geben würde, wären 60 Cent für die halbe Stunde – also 1,20 Euro für eine Stunde – noch ziemlich billig!“
Für Coburg ist das (noch) Neuland
Aber: Vieles ist eben Ansichtssache. Und: Vieles ist auch Gewohnheitssache. Parkplätze mit digitaler Kennzeichenerkennung sind in anderen Städten und vor allem in anderen Ländern seit Jahren gang und gäbe. Für Coburg hingegen ist es (noch) Neuland.
WSCO-Geschäftsführer Christian Meyer hat am Freitag noch einmal wissen lassen, dass dieses System – zumindest langfristig – auch in den übrigen Parkhäusern Coburgs Einzug halten wird. Er bezeichnet das neue System als „benutzerfreundlich“. Klar, die Zeiten, in denen im Voraus ein Parkschein gelöst und hinter die Windschutzscheibe gelegt werden muss, sind vorbei. Abgerechnet wird erst zum Schluss.
Der rettende Knopf
Auch der Fahrer des weißen Lieferwagens hat am Freitag brav bezahlt. Trotzdem bleibt die Ausfahrtsschranke unten. Zum Glück befindet sich an der Schrankenanlage ein Knopf, der bei auftretenden Problemen gedrückt werden kann. Wenige Sekunden später meldet sich eine freundliche Stimme. Sie erklärt dem Mann, dass er wahrscheinlich zu schnell und zu nah an die Schranke herangefahren ist. Daraufhin rangiert der Mann ein wenig – und tatsächlich geht die Schranke auf. Der Mann lächelt. Ob es der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist, bleibt aber abzuwarten.
Hier noch ein paar Zahlen zum Anger, dem größten öffentlichen Parkplatz in Coburg:
Parkplätze insgesamt: 481
Kurzzeitparkplätze im Bereich vor der Schranke: 30
Schwerbehindertenparkplätze im Bereich vor der Schranke: 5
Ladeplätze Elektro-Autos: keine
Fahrradstellplätze: keine – es gibt aber Motorradstellplätze
Wohnmobilparkplätze: 8
Reisebusparkplätze: 14


















