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Wirtschaft
Faszination Blech - von der Bohrinsel bis zur Tiefkühlpizza
Stephan Schink, Bad Rodach
Stephan Schink, Geschäftsführer der Firma Schink Blechbearbeitung & Metallbau, ist „fasziniert vom Werkstoff Blech“, wie er sagt. Hier begutachtet er in der Produktionshalle im Bad Rodacher Stadtteil Breitenau einige Teile, die demnächst im Bereich der Fördertechnik im neuen BMW-Werk in Dingolfing verarbeitet werden wird. // Oliver Schmidt
Bad Rodach – Die Firma Schink investiert 3,5 Millionen Euro am Standort Bad Rodach. Der Geschäftsführer erzählt, warum die vergangenen Jahre nicht einfach waren – und warum er neuerdings oft gebannt durch eine Luke schaut.

Gold, Silber und Bronze – das gibt es bei sportlichen Wettbewerben für die drei Erstplatzierten. Oft ist auch die Rede davon, dass es für den „undankbaren Vierten“ lediglich „Blech“ gebe. Nun, Stephan Schink wäre darüber vielleicht gar nicht so unglücklich. „Ja“, sagt der Bad Rodacher Unternehmer und schmunzelt: „Wenn das Blech von uns bearbeitet wurde, kann man sich darüber freuen!“

Faszination Blech

Im Gespräch mit Stephan Schink wird sehr schnell deutlich, wie fasziniert er von Blech ist. Zum einen begründet er das damit, dass es sich zwar um einen sehr harten Werkstoff handele, der aber – mit den richtigen Geräten – leicht zu biegen sei. Beeindruckend sei auch die enorme Bandbreite an Möglichkeiten, wo überall Blech zum Einsatz kommen kann.

Firma Schink in Bad Rodach, Landkreis Coburg
Stephan Schink vor einer sogenannten Baugruppe. Hier wurden von der Firma verschiedene Blechteile nicht nur bearbeitet, sondern auch noch zusammengeschweißt. Aus dem Gebilde wird später ein Backautomat, der Waren für einen Discounter vorproduzieren kann. // Oliver Schmidt

Beim Gang durch die Räume der Firma Schink im Bad Rodacher Stadtteil Breitenau bleibt der Geschäftsführer an einer Palette mit großen Blechteilen stehen, die soeben mit einer Laserschneidanlage in die richtige Form gebracht worden sind: „Diese Teile werden im Bereich der Fördertechnik im neuen BMW-Werk in Dingolfing verarbeitet“, erklärt Stephan Schink.

Zwischen Bohrinsel und Tiefkühlpizza

Ein paar Meter weiter holt ein Mitarbeiter deutlich kleinere Teile aus einer Maschine: „Die werden für Hochdruck-Armaturen auf einer Bohrinsel benötigt!“

Am Übergang zur nächsten Halle steht ein Gebilde, das als „Baugruppe“ bezeichnet wird. Die verschiedenen Teile wurden nicht nur geschnitten und bearbeitet, sondern auch noch zusammengeschweißt. Aus dem Gebilde wird später ein Backautomat, der Brötchen für einen Discounter vorproduzieren kann. Automaten, die für renommierte Hersteller von Tiefkühlpizzen benötigt werden, hat die Bad Rodacher Firma ebenfalls schon gemacht.

Weitere Schink-Kunden beschäftigen sich mit dem Fahrzeugbau. Vor allem in vielen Autokränen stecken Teile aus dem Hause Schink.

50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Kurzum: Die 1995 von Günther Schink gegründete Firma, die 2007 von seinem Sohn Stephan Schink übernommen wurde, steht zurzeit gut da. Die Mitarbeiterzahl liegt bei 50, Tendenz weiter leicht steigend.

Zuletzt stand Stephan Schink aber durchaus an so etwas wie einem Scheideweg. Die Corona-Pandemie hatte die Firma noch gut überstanden, doch der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine brachte zwei gewaltige Probleme mit sich: Die Materialkosten für Blech erhöhten sich schlagartig; zum Teil musste bis zu 300 Prozent mehr bezahlt werden, wie Stephan Schink erzählt.

Hoher Energiebedarf

Auch die Energiekosten stiegen kräftig an. Für einen Betrieb, der jährlich etwa 500.000 Kilowattstunden Strom benötigt, stellte das eine enorme Herausforderung dar.

Stephan Schink ist zwar dankbar, dass es die Energiepreisbremse gab. Dennoch müsse er für seinen Strom heute etwa das Doppelte bezahlen im Vergleich zu vor Corona und vor dem Ukraine-Krieg.

Aber was macht ein Geschäftsmann wie Stephan Schink, wenn die Zeiten anspruchsvoll sind? Genau: Er investiert.

Laserschneidanlage
 // Oliver Schmidt

„Wir mussten was machen“, sagt er rückblickend. Daraufhin sei die Entscheidung gefallen, in noch mehr Qualität zu investieren – und zwar sowohl, was die Produkte betrifft, als auch, was die Arbeitsplätze betrifft. Dass neue Maschinen, die angeschafft werden, gleichzeitig moderner sind und deshalb weniger Energie verbrauchen, war ein weiteres Argument, um insgesamt 3,5 Millionen Euro in die Hand zu nehmen.

Alleine mit zwei Millionen Euro hat eine neue Laserschneidanlage zu Buche geschlagen. Sie arbeitet vollautomatisiert und kann das Blechteil nach dem erfolgten, passgenauen Zuschneiden auch gleich noch selbstständig in ein Regal räumen.

Firma Schink in Bad Rodach, Landkreis Coburg
Spannender als manches Fernsehprogramm: Stephan Schink schaut ganz gebannt der neuen Laserschneidanlage beim Arbeiten zu. // Oliver Schmidt

Beim Blick durch eine Luke ins Innere der Maschine ist Stephan Schink erneut sehr fasziniert: Wie von Geisterhand bewegen sich diverse Geräte, es sprühen Funken, und nach wenigen Sekunden kommt das fertige Teil herausgefahren. „Ganz ehrlich: Da könnte ich stundenlang zuschauen!“

Neue Laserschneidanlage der Firma Schink in Bad Rodach

Die Bad Rodacher Firma Schink setzt auf eine vollautomatisierte Laserschneidanlage.

Wichtig ist Stephan Schink der Hinweis, dass er mit dieser vollautomatisierten Maschine nicht etwa Personal einsparen möchte. Im Gegenteil. Es gehe darum, die Arbeit zu erleichtern und außer der Qualität der Produkte auch die Attraktivität der Arbeitsplätze zu erhöhen. Schließlich gibt es – wie in vielen Branchen – auch in der Blechverarbeitenden Industrie einen Wettkampf um die besten Köpfe. Aktuell sucht Schink wieder junge Menschen, die sich zum Konstruktionsmechaniker (und gerne auch zur Konstruktionsmechanikerin) ausbilden lassen wollen. 

Neue Biegezelle

Außer in die neue Laserschneidanlage hat Stephan Schink noch in eine neue Biegezelle investiert. Die ist ebenfalls vollautomatisiert und bringt die zuvor geschnittenen (oder gelaserten) Teile in die gewünschte Form. Diese neue Biegezelle wird aktuell noch aufgebaut, bis Ende dieses Jahres soll sie in Betrieb gehen.

Firma Schink in Bad Rodach, Landkreis Coburg
Stephan Schink zeigt die neue Biegezelle, die sich derzeit noch im Aufbau befindet. // Oliver Schmidt

Die besagte Investition von 3,5 Millionen Euro umfasst zudem die Schaffung neuer Lagerflächen sowie den Anbau an eine Halle.

 „Sonne scheint, Maschine läuft“

Vor dieser Großinvestition hatte Stephan Schink bereits eine stattliche Photovoltaikanlage auf dem Dach des Firmengebäudes installieren lassen. „An sonnigen Tagen können wir zu 100 Prozent autark sein“, berichtet er stolz. Manchmal gelte gar die Devise: „Sonne scheint, Maschine läuft.“

Das funktioniert aber natürlich nicht immer. Bei guter Auftragslage kann nicht gewartet werden, bis die Sonne aufgegangen ist. Bei Schink wird im Zwei-Schicht-Dienst gearbeitet.

Womit wir noch einmal beim Thema „attraktive Arbeitsplätze“ wären. Stephan Schink ist ja auch politisch engagiert und Mitglied des Stadtrats in Bad Rodach. Ein Thema, das ihn dabei besonders umtreibt, ist die Infrastruktur. 

Firma Schink in Bad Rodach, Landkreis Coburg
Kaum zu glauben, aber wahr: Dieses Teil wird demnächst in der Hochdruck-Armature auf einer Bohrinsel verarbeitet werden. // Oliver Schmidt

Er nennt ein Beispiel: gute Straßen. Die brauche seine Firma aber nicht nur, um produzierte Ware schnellstmöglich ausliefern zu können. Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei das wichtig, weil sie zum Teil eine weite Anfahrt bis nach Breitenau zurücklegen müssen. Deshalb freut sich Stephan Schink auch sehr, dass nun bald die neue Staatsstraße 2205 fertig ist. Die Fahrt von Coburg nach Bad Rodach beziehungsweise Breitenau verkürzt sich dadurch.

Wunsch: Mehr in die Infrastruktur investieren!

Wenn sich der Firmenchef mehr Investitionen für eine bessere Infrastruktur wünscht, meint er aber auch den Glasfaserausbau. Die Firma selbst verfüge zum Glück bereits seit vielen Jahren über diese schnelle Datenleitung. Aber Glasfaser wäre laut Stephan Schink auch an den jeweiligen Wohnorten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig. Denn nur mit einer schnellen Datenübertragung könne auch das Arbeiten im Home-Office reibungslos funktionieren.

Die neue Laserschneidanlage kann selbstverständlich nicht im Home-Office bedient werden. Wäre aber ja auch schade drum – denn der Blick durch die Luke ist einfach faszinierend. Zum Abschluss unseres Rundgangs schaut Stephan Schink noch einmal hinein. Erneut sprühen die Funken; und im nächsten Moment kommt auch schon das nächste, zurechtgeschnittene Teil heraus.

Sehen Sie hier noch ein längeres Video von der Laserschneidanlage:

Neue Laserschneidanlage der Firma Schink in Bad Rodach, Landkreis Coburg

Die Bad Rodacher Firma Schink hat in eine vollautomatisierte Laserschneidanlage investiert.

Hintergrund: Firma Schink in Bad Rodach

Die Firma Schink ist ein Spezialist für komplexe Blechkonstruktionen in Stahl und Edelstahl. Teile, die später oft in Maschinen verarbeitet werden, werden gelasert, geschweißt oder auch abgekantet.

Gegründet wurde das Unternehmen 1995 von Günther Schink und war zunächst im Vorderen Floßanger in Coburg angesiedelt. 2000 erfolgte der Umzug in den Bad Rodacher Stadtteil Breitenau. 2007 übernahm Günther Schinks Sohn Stephan Schink die Geschäftsführung.

Heute zählt die Firma 50 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende zum Konstruktionsmechaniker. Weitere Informationen unter schink-blechbearbeitung.de

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