Wenn die Bauarbeiten 2023 abgeschlossen sind, wird auf der B4 im Coburger Stadtgebiet durchgehend Tempo 50 gelten. Aus Sicherheitsgründen.Schon 2018 gab es einen Antrag, auf der vierstreifig ausgebauten B4 zwischen der Frankenbrücke und der sogenannten Gaudlitz-Kreuzung durchgehend Tempo 50 einzuführen. Damals wurde mit der Lärm- und Schadstoffbelastung argumentiert.
Aber das Thema wurde seinerzeit vertagt, weil erst einmal gemessen werden sollte, wie laut der Verkehr ist und wie viele Schadstoffe er verursacht. Doch die Messungen verzögerten sich – und dann war Baustelle. Gemessen ist bis heute nicht. Trotzdem landete das Thema „Tempo 50 auf der Stadtautobahn“ nun auf der Tagesordnung des Verwaltungssenats. Das Ordnungsamt schlug vor, zwischen Frankenbrücke und Gaudlitz-Kreuzung nur noch 50 Stundenkilometer zuzulassen, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. Und zwar aus Gründen der Sicherheit.
Häufige Auffahrunfälle
Schadstoffbelastung und Lärm spielten sowohl bei der Begründung als auch in der Diskussion kaum eine Rolle. Tempo 50 sei die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit innerorts, betonte Ordnungsamtsleiter Kai Holland. Man habe nun die alte Ausnahmeregelung überprüft, die 70 Stundenkilometer erlaubte.
Dabei hätten sich genug Gründe gefunden, von der Sonderregelung wieder abzuweichen. So komme es auf der Auffahrt der Gaudlitzkreuzung Richtung Süden (Bamberg) immer wieder zu Auffahrunfällen. Im weiteren Verlauf gibt es viele Einmündungen, bei denen Fahrzeuge aus dem Stand auf die B4 einfahren müssen. Zudem führt ein Bürgersteig direkt an der Straße entlang.
Probleme beim Spurwechsel
An der Abfahrt der Frankenbrücke Richtung Norden krache es häufig beim Spurwechsel, führte Holland aus: Die Fahrzeuge auf der B4 müssen bis nach der Brücke 50 Stundenkilometer fahren. Das gilt zwar auch für die, die von der Frankenbrücke kommen, doch die holen auf der abwärts führenden Rampe quasi Schwung und sind oft schneller als die Fahrzeuge unten.
„Ich glaube nicht, dass es bei Tempo 50 weniger Auffahrunfälle gibt“, argumentierte dagegen Frank Völker (CSB). „Das ist menschliches Versagen – das passiert bei Tempo 70 wie bei Tempo 50.“ Allerdings sei bei einer geringeren Geschwindigkeit der Bremsweg kürzer und damit das Risiko geringer, hielt Holland dagegen.
Dann lieber durch die Stadt?
Barbara Kammerscheid (CSU) trug als Argument vor, dass Tempo 50 die B4 unattraktiver mache und die Autofahrer dann lieber die innerstädtischen Straßen nutzen würden. „Ich kann nicht glauben, dass sich jemand durch die beampelte Innenstadt schlängelt“, konterte Norbert Tessmer (SPD).
Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) widersprach Kammerscheids Vorwurf, man versuche einen „Schnellschuss“: Schon im September seien die Fraktionsvorsitzenden informiert worden, aber damals habe es „keine nennenswert signifikante Rückmeldung“ gegeben. „Wenn man sich aber erst dann damit befasst, wenn die Einladung zur Sitzung raus ging …“ Im Übrigen habe die Stadt viel Geld für eine bessere Beleuchtung der Gehwege an der B4 ausgegeben, „weil es dort gefährlich ist“. Konsequenterweise müsse man dann auch wegen der Sicherheit die zulässige Geschwindigkeit anpassen. Wer den fraglichen Abschnitt mit 50 statt mit 70 Stundenkilometern fahre, brauche zehn Sekunden länger, sagte der OB.
Weniger Lärm für die Anwohner an der B4
Das hat Stadt-Pressesprecher Louay Yassin im Selbstversuch herausgefunden. Er sagte am Rande der Sitzung auch, dass es zahlreiche Beschwerden der Anwohner wegen der Lärmbelastung auf der B4 gebe.
In der Sitzung griff nur Wolfram Haupt (Grüne) diesen Aspekt auf: Allein das Rollgeräusch sei bei Tempo 70 doppelt so laut wie bei 50, sagte er. Am Ende waren es die fünf Vertreter von SPD, Grünen und Pro Coburg, die für Tempo 50 stimmten. Die vier Senatsmitglieder von CSU, CSB und ÖDP waren dagegen.
Baustelle: Bald ist Winterpause
Die nun beschlossene Geschwindigkeitsregelung greift aber erst ab Sommer nächsten Jahres, wenn die Bauarbeiten auf der B4 abgeschlossen sind. Demnächst beginnt die Winterpause: Dann werden wieder alle vier Fahrstreifen durchgehend freigegeben. Weil aber nur eine Baustellen-Abtrennung für die beiden Richtungsfahrbahnen vorhanden sein wird, gilt auch dann Tempo 50.










