„Ist das jetzt der neue Kaufhof?“, fragt ein älterer Mann, der am Donnerstag um kurz nach 8.30 Uhr durch die Spitalgasse in Coburg läuft. Zu diesem Zeitpunkt steht vor dem Eingang in der Spitalgasse 12-14 bereits ein Torbogen aus grünen Zweigen und roten Blumen. In knapp einer Stunde werden hier auch noch mehrere hundert Menschen stehen und ungeduldig auf die Eröffnung von TK Maxx warten. Schließlich hat die amerikanische Warenhauskette viele Fans.
Die neue Filiale in Coburg ist zwar bereits die 167. ihrer Art in Deutschland, doch im Umkreis von einer Stunde Autofahrt ist sie vorerst trotzdem die einzige. Auch deshalb ist der Hype am Donnerstag groß. Um allerdings auf die Eingangsfrage des älteren Herren zurückzukommen: Nein, TK Maxx ist nicht der neue Kaufhof; TK Maxx ist anders, und zwar in vielerlei Hinsicht.
Restposten und Überproduktionen
Zunächst einmal: Die einzelnen Abteilungen bei TK Maxx heißen nicht Abteilungen, sondern „Departements“. Besonders stolz ist man auf das Bekleidungsdepartement, denn hier wird Markenware angeboten, die „bis zu 60 Prozent“ billiger ist als die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. Das betont zumindest die Mitarbeiterin einer von TK Maxx beauftragten Presseagentur. Die Dame darf namentlich nicht genannt werden - freundlicherweise kann aber notiert werden, was sie sagt. So seien die günstigen Preise vor allem deshalb möglich, weil TK Maxx „gute Kontakte“ in die Textilbranche habe und dort regelmäßig größere Restbestände und auch Überproduktionen aufkaufe. Ja, in einigen wenigen Fällen handele es sich auch um „B-Ware“, die dann aber entsprechend gekennzeichnet sei.
Eine Kleinigkeit, die bei einem Rundgang durch die auf zwei Etagen verteilte Verkaufsfläche von knapp 1700 Quadratmetern auffällt, ist die Gestaltung der Preisschilder. Oft heißt es nicht, dass zum Beispiel bestimmte T-Shirts „ab 9,99 Euro“ kosten, sondern „bis zu 9,99 Euro“. Die namentlich nicht zu zitierende Dame erklärt, dass damit das „Preis-Leistungsverhältnis“ hervorgehoben werden soll. Als ein Fotograf daraufhin diese Preisschilder ins Visier nimmt, schreitet die Dame allerdings ein: „Bitte nicht die Markennamen zeigen!“ Auch das würde zur Philosophie von TK Maxx gehören, dass nicht einzelne Marken hervorgehoben werden.
Beim Presserundgang, zu dem TK Maxx am Donnerstag unmittelbar vor der Eröffnung eingeladen hatte, taucht plötzlich Joachim Preiß auf. Er fungiert als Leiter des neuen TK Maxx in Coburg, beziehungsweise als „Store-Manager“. Er stammt aus dem Itzgrund und ist bereits seit 1987 im Einzelhandel tätig, wie er sagt. Auf Nachfrage, ob unter seinen 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch ehemalige Beschäftigte des bald schließenden Kaufhofs sind, muss er leider passen: „Das kann ich nicht sagen.“ Im nächsten Moment greift aber auch schon eine Dame aus dem TK Maxx-Management ein und gibt unmissverständlich zu verstehen, dass Fragen jetzt nicht erwünscht sind. Stattdessen geht der Rundgang weiter.
Im ersten Obergeschoss gibt es unter anderem kleine Departements für Haushaltswaren, Hundefutter und Gartenbedarf. Auch eine Möbelabteilung gibt’s, wobei die namentlich nicht zu zitierende Dame kurz korrigiert: Nein, es sei auch kein „Möbel-Departement“, sondern eher eine „Möbel-Ecke“. Auf knapp drei Quadratmetern stehen vier Stühle und drei Tische. Mehr nicht. Aber TK Maxx will eben auch kein Möbelhaus sein, sondern ein Warenhaus, das einen bunten Strauß an Waren bietet – von der Pfanne bis zum Parfüm.
Keine Tester, wenig Deko
Apropos: Auf die sonst in Parfümabteilungen üblichen „Tester“ wird bei TK Maxx verzichtet. Auf einem Schild wird erklärt, dass auch solche Maßnahmen dabei helfen würden, die Ware zu möglichst niedrigen Preisen anbieten zu können. Außerdem erklärt die namentlich nicht zu zitierende Dame, dass die Warenhäuser von TK Maxx grundsätzlich über wenig Deko-Elemente verfügen. Auch dadurch werde Geld gespart, das den Kunden bei der Preiskalkulation zugutekomme.
„Besonderer Zusammenhalt“
Um 9.15 Uhr ist der Presserundgang beendet. Draußen vor dem Eingang hat sich schon eine stattliche Menschentraube gebildet. Derweil haben sich drinnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versammelt, weil verschiedene offizielle Vertreter von TK Maxx noch ein paar Worte an sie richten wollen. „Ich bin mächtig stolz auf euch“, sagt ein Mann, der aber eigentlich auch nicht zitiert werden darf. Egal. Auf jeden Fall sei es binnen nur zehn Tagen gelungen, die komplette Ware einzuräumen – das seien zwei Tage weniger als üblich bei TK-Maxx-Eröffnungen. Möglich gemacht habe das der besondere Zusammenhalt des Coburger Teams.
Um 9.30 Uhr öffnet sich die Eingangstür. Bevor eine Schärpe zerschnitten wird, zählen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen Countdown von „10“ abwärts. Als die Null erreicht ist, bricht lauter Jubel aus, es gibt Beifall, und für den ersten Kundenansturm wird ein Spalier gebildet.
Nachdem der erste riesige Andrang vorbei ist, schauen auch Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD), Citymanagerin Andrea Kerby sowie Rolf Krebs von der städtischen Wirtschaftsförderung vorbei. Sie überreichen Blumen und wünschen dem Team von TK Maxx viel Erfolg.
Die Dame von der Presseagentur teilt mit, das am Nachmittag noch eine Pressemitteilung verschickt werde.
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