Macht Latein als Schulfach eigentlich Spaß? „Es geht so“, sagt Leonhard Ehrmann, der am Gymnasium Alexandrinum die 11. Klasse besucht. „Aber: Die Kultur dahinter finde ich sehr spannend!“
Da trifft es sich gut, dass Leonhard Ehrmann an einem P-Seminar (Projektseminar) teilnimmt, das zwar vom Lateinlehrer Franz Hochreiner betreut wird. Es handelt sich aber um ein erstaunlich lebendiges Projekt, das noch dazu viele andere Fach- und Themenbereiche umfasst.
Meeresfrikadellen statt Alpenüberquerung
Auch Valentina Priesner ist froh, dass sie sich nicht etwa für das P-Seminar „Alpenüberquerung“ entschieden hat: „Die müssen jetzt jeden Freitag trainieren und mehrere Stunden mit bepackten Rucksäcken laufen!“ Beim P-Seminar unter Leitung von Franz Hochreiner geht es stattdessen um die klassische römische Küche – aber eben auch noch um sehr viel mehr.
„Bis vor kurzem wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich mit Meeresfrikadellen zu beschäftigen“, sagt Valentina Priesner und packt im nächsten Moment eine schicke Toga aus. Lateinlehrer Franz Hochreiner hat sich im Internet ebenfalls solch ein römisches Gewand bestellt. Im Zusammenhang mit der Kleidung weist der Lehrer aber auf ein weiteres Detail hin: „Wir brauchen auch noch Sandalen! Oder zumindest Schlappen.“ Schließlich soll es eine runde, römische Sache sein, wenn von Donnerstag, 20. Juni, bis Samstag, 22. Juni, aufgetischt wird. Unter dem Motto: „Schmausen wie die alten Römer.“ Genau das ist übrigens auch der Titel des P-Seminars.
Insgesamt sind es 13 Schülerinnen und Schüler, die daran teilnehmen. Schließlich braucht es viele Schultern, auf denen die Arbeit verteilt werden kann.
Bevor bald aufgetischt wird, brauchte es beispielsweise einen Projektplan. Fragen, die sich im P-Seminar stellten, waren etwa: Wo können wir den Schmaus veranstalten? Wer kann uns römische Kochtipps geben? Wie lässt sich das Event möglichst erfolgreich bewerben, damit ausreichend Gäste kommen? Und natürlich: Lassen sich Sponsoren finden? Denn am Ende würden die Schülerinnen und Schüler gerne einen Gewinn erwirtschaften, denn sie dem Tierschutzverein Coburger Land spenden können.
Knapp zwei Wochen vor dem großen Festmahl lässt sich sagen: Die 13 Schülerinnen und Schüler waren fleißig und haben bereits viel geschafft.
„Eine coole Idee“
Als Partner konnte unter anderem das Coburger Gasthaus „Goldene Kreuz“ gewonnen werden. Dessen Wirt Markus Zimmer hält das P-Seminar für „eine coole Idee“ und stellt deshalb gerne seine Räumlichkeiten zur Verfügung. Außerdem findet er, dass es durchaus im Trend liegt, nach zum Teil historischen Rezepten zu kochen. „Viele alte Gerichte sind ja wieder im Kommen“, sagt er und nennt Kutteln (Saure Fleck) oder Coburger Gelüng als Beispiel.
Früher war es vielleicht aus der (Hungers-)Not geboren, dass möglichst alle Bestandteile eines geschlachteten Tieres verwertet wurden – auch die Innereien. Heute kann man ein solches Vorgehen traditionell oder auch nachhaltig nennen.
Weitere Sponsoren sind die Medauschule, der Masterbutcher sowie Pompejtours. Hinter Pompejtours verbirgt sich eine kleine Firma von Franz Hochreiner, die Reisen veranstaltet – bevorzugt nach Italien beziehungsweise ins ehemalige Römische Reich. Auf einer dieser Reisen hat Franz Hochreiner den Chefkoch Jean-Claude Weibel kennengelernt. Der Kontakt besteht bis heute, und prompt konnte auch Weibel als Partner für „Schmausen wie die alten Römer“ gewonnen werden.
Rezepte und Schlappen
Als die grobe Rahmenplanung stand, ging es an die Details. Die Schülerinnen und Schüler suchten Rezepte. Sie bildeten Gruppen, wer bei dem Event in der Küche steht und wer als Bedienungspersonal fungiert. Es wurde überlegt, wie sich jeder bei dem Schmaus kleiden könnte – Stichwort: Toga. Und auch noch Schlappen.
Die IT-Spezialisten innerhalb des P-Seminar-Teams erstellten ein Online-Formular, über das Reservierungen entgegengenommen werden. Zu erreichen ist das Formular über einen QR-Code. Es ist aber auch möglich, eine Mail an die Adresse roemischerschmaus@gmail.com zu schicken. Erste Eindrücke vom Verlauf des Projekts gibt es auf einer eigens eingerichteten Seite bei Instagram zu sehen. Ihr Name: dieroemischekueche_coburg
Die spinnen, die deutschen Banker!
Auf die Frage, was bislang die größte Herausforderung war, ist man sich im Team sofort einig: das Eröffnen eines eigenen Kontos für das P-Seminar! Das funktionierte nämlich nur über den rechtlich sauberen Umweg, dass vom P-Seminar aus ein Verein gegründet wurde. Frei nach Asterix möchte man sagen: Die spinnen, die deutschen Banker!
Aber genau dieser Blick über den Latein-Tellerrand hinaus ist es, der den Schülerinnen und Schülern sichtlich Spaß macht. Oder wie es Markus Zimmer auf den Punkt bringt: „Das ist doch mal was anderes als der graue Schulalltag!“
In den letzten Tagen bis zum großen Schmaus sind jetzt nur noch ein paar Kleinigkeiten zu klären. Giulia Cocco würde gerne noch die Tische und Räume passend dekorieren. Das wird aber gleich eine doppelte Herausforderungierig, weil der Schmaus am Donnerstag und Freitag für jeweils 40 Gäste in Menü-Form im glasüberdachten Innenhof des „Goldenen Kreuz“ stattfindet, während am Samstag ein Buffet für 80 Personen im neuen Nebenraum des Gasthauses geplant ist.
Franz Hochreiner wartet derweil noch auf die Toga, die er im Internet bestellt hat. Die Schülerinnen haben da offenbar Online-Händler gefunden, die schneller liefern.
Ein Blick auf die Speisekarte
Menüs Bei „Schmausen wie die alten Römer“ stehen fünf verschiedene Menüs zur Auswahl. Bei allen fünf gibt es begleitend Gewürzwein, Brot und Olivenöl sowie Gurkensalat und frisches Obst. Bei Menü 1 (Preis: 22 Euro) gibt es zudem Linsen mit Kastanien, Pisa-Erbsen, Champignons und Lauch. Menü 2 (24 Euro) umfasst noch einen römischen Eintopf. Zu Menü 3 (26 Euro) gehören Hähnchenkeule mit weißer Sauce, Lauch sowie Linsen mit Kastanien. Menü 4 (26 Euro) lockt mit Ferkel mit Koriandersauce, Linsen mit Kastanien und Lauch. Menü 5 (28 Euro) enthält Meeresfrikadellen, Pisa-Erbsen und Champignons.
Termine Am Donnerstag, 20. Juni, beginnt der Schmaus um 19 Uhr. Am Freitag, 21. Juni, dürfen sich Gäste bereits ab 14 Uhr wie Römer fühlen. Am Samstag, 22. Juni, ist Beginn um 18 Uhr. Wichtig: Am Donnerstag und Freitag kann zwischen den fünf Menüs gewählt werden. Am Samstag wird der Schmaus in Buffet-Form gereicht, und zwar zum Einheitspreis von 32 Euro.
Kontakt Reservierungen sind möglich per Mail an roemerschmaus@gmail.com
Außerdem lohnt ein Blick auf die Instagram-Seite des P-Seminars: dieroemischekueche_coburg
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