0
Streit ums Essen
Kritik am Vorstoß von veganer Bürgerinitiative
So sieht wahrscheinlich der Alptraum für die Leute vom „Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur“ aus: vegane Weißwürste.
So sieht wahrscheinlich der Alptraum für die Leute vom „Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur“ aus: vegane Weißwürste. // Felix Hörhager/dpa
Coburg – Jedes Gasthaus soll verpflichtet werden, mindestens ein veganes Gericht auf seiner Karte zu haben. Der "Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur" ist empört - im Coburger Land wird deutlich unaufgeregter darüber diskutiert.

Sollten Restaurants und Gastwirtschaften europaweit dazu verpflichtet werden, mindestes ein veganes Gericht auf der Speisekarte zu haben? „Ja“, sagt man bei einer entsprechenden Bürgerinitiative, die aber zunächst einmal mindestens eine Million Unterschriften in mindestens sieben verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten sammeln muss, damit ihre Forderung überhaupt ein offizielles Thema für die EU-Kommission wird. Nichtsdestotrotz ist man beim „Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur“ (VEBWK) bereits in heller Aufruhr und kritisiert diesen Vorstoß auf das Heftigste.

Vegetarische und vegane Produkte werden immer beliebter.
Vegetarische und vegane Produkte werden immer beliebter. // Planty of Meat GmbH/obs

Deutlich unaufgeregter wird über die Angelegenheit im Coburger Land diskutiert. Peter Mittag vom Gasthof Reinwand in Seßlach sagt, dass er „natürlich“ mitmachen würde, wenn es zu einer solchen gesetzlichen Vorgabe käme. Allerdings fragt er sich, ob eine solche Vorgabe besonders nachhaltig wäre: „Wenn ich ein veganes Gericht auf der Karte habe, muss ich ja auch die entsprechenden Lebensmittel dafür in der Küche vorrätig haben. Wenn dann aber niemand dieses Gericht bestellt, muss ich die Lebensmittel irgendwann wegwerfen.“ Denn zu einem fränkisch-urigen Lokal wie „dem Reinwand“ würden die Gäste nun einmal in erster Linie wegen der Fleischgerichte kommen. Beliebt sind Bräten, Schnitzel, Schäufele. Wer es vegetarisch möchte, findet auf der Karte immerhin Kartoffeltaschen – „manche, die es vegetarisch wollen, bestellen aber auch einfach nur Beilagen, also etwa Klöße mit Wirsing.“ Ein rein veganes Gericht gibt es derzeit nicht beim Reinwand.

Die „Alte Henne“ in Ahorn-Hohenstein
Die „Alte Henne“ in Ahorn-Hohenstein // CT-Archiv

Bei der „Alten Henne“ in Ahorn-Hohenstein ist das anders: Daniel Polzer hat ohnehin sehr viele vegetarische und auch vegane Gerichte auf der Speisekarte; „und sonntags bieten wir ein komplettes veganes Menü an!“ Andere Gastwirtschaften zu verpflichten, mindestens ein veganes Gericht anzubieten, findet Polzer allerdings „nicht gut“. Er hoffe stattdessen, „dass dies nach und nach der Markt regelt, weil sich bei immer mehr Menschen das Bewusstsein wandelt und somit auch die Nachfrage nach veganen Gerichten steigt“.

Immer mehr Vegetarier und Veganer

Dass ein solcher „Wandel“ bereits voll in Gang ist, kann Kerstin Pilarzyk (Dehoga und Brauereigasthof Grosch) bestätigen. „Wenn eine Familie zu uns kommt, kann man eigentlich davon ausgehen, dass heute schon mindestens ein Vegetarier oder Veganer dabei ist.“ Viele würden sich deshalb vorab über die Speisekarte informieren – „und wenn dann kein vegetarisches oder veganes Gericht drauf steht, sucht sich diese Familie eben ein anderes Lokal.“ Beim Grosch gibt es deshalb bereits seit längerem drei vegetarische Hauptgerichte, von denen meistens zwei sogar auch noch vegan sind. Eine feste Vorgabe, wie sie von der besagten Bürgerinitiave gewollt wird, bezeichnet Pilarzyk allerdings als „Quatsch“.

Jessika Wilms im Henneberger Haus (bekannt auch als „Pflaum“) in Coburg
Jessika Wilms im Henneberger Haus (bekannt auch als „Pflaum“) in Coburg // Oliver Schmidt

Die Speisekarte vom Henneberger Haus in Coburg wird sehr von Fleischgerichten dominiert. Dennoch hat auch Jessika Wilms inzwischen auf den Trend reagiert und bietet einen veganen Nussbraten an, der auch sehr gut ankomme, wie sie sagt.

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!