Was kann den Kaufhof in Coburg retten? Mehr Umsatz. 30 Prozent fehlen zu dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Das sagt Markus Pinzner, der Geschäftsführer der Coburger Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK). Für Michael Stoschek, den Verwaltungsratsvorsitzenden der Brose-Gruppe, Andreas Engel, Präsident der IHK zu Coburg und Hans-Herbert Hartan, den Zweiten Bürgermeister der Stadt Coburg, steht daher fest: Auch die Einwohner der Region können und müssen etwas tun, um den Kaufhof zu retten. Nämlich dort einkaufen.
Gemeinsamer Appell an die Konzernzentrale
Die Gründe, warum das Kaufhaus gerettet werden muss, sind für alle die gleichen, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Es gehe um den „Erhalt des Ankers für die lebendige Innenstadt“, sagte Hans-Herbert Hartan am Dienstagabend im Pfarrzentrum St. Augustin. Dort hatten sich die Kaufhof-Belegschaft sowie Vertreter aus Politik und Wirtschaft versammelt, um einen gemeinsamen Appell an die GKK-Geschäftsführung zu unterzeichnen.
Stadt gefordert
Hartan (CSU) sprach als Vertreter der Kommunalpolitik für den Corona-positiven Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) und Landrat Sebastian Straubel (CSU). IHK-Präsident Engel wies darauf hin, dass Kaufhof einer attraktiven Innenstadt diene und eine attraktive Innenstadt brauche. Hier sei die Stadt gefragt, das Areal um Post, Kaufhof und Lohgraben umzugestalten. „Die Pläne sind vorhanden, so könnte und muss es in diesem Jahr auch direkt losgehen.“
Brose-Belegschaft soll mehr in der Stadt einkaufen
Michael Stoschek sprach „als Unternehmer“ – er hatte den gemeinsamen Appell mit initiiert. Zwar hatten Stadt, Landkreis und IHK schon im November ans GKK-Management geschrieben und Reaktionen erhalten. Doch Stoschek sowie Klaus-Jürgen Heitmann (HUK Coburg) und Tina-Maria Vlantoussi-Kaeser (Kaeser) forderten einen weiteren gemeinsamen Vorstoß. Stoschek will mit dem Coburger Brose-Betriebsrat zusammen an die Brose-Beschäftigten appellieren, verstärkt in der Coburger Innenstadt einzukaufen. Mit Ambiente und Charme allein könne auch eine historisch attraktive Stadt wie Coburg nicht unbedingt als Standort punkten, sagte Stoschek. „Leerstände und wenig Menschen im Stadtinneren kann die historische Bausubstanz nicht kompensieren.“
Manche Sortimente nur bei Kaufhof
Hartan, Stoschek und Engel warnten davor, die Autofahrer aus der Innenstadt auszusperren. Über „Autoverkehr und Aufenthaltsqualität“ müsse „ausgewogen“ diskutiert werden, sagte Hartan. Steffi Cestone, Vorsitzende der Einzelhandelsvereinigung „Zentrum Coburg“, brachte die Einkaufsgutscheine von Zentrum Coburg ins Gespräch: Sie können auch bei Kaufhof eingelöst werden, und Firmen könnten solche Gutscheine auch ihren Belegschaften zukommen lassen, sagte sie. Sie verwies auf die Bedeutung des Kaufhauses für Handel, Gastronomie und Kunden: Zum einen seien manche Sortimente wie Haushalts- und Kurzwaren nur noch dort zu finden, zum anderen bringe der Kaufhof Besucher von außen in die Stadt, die dann vielleicht auch bis zum Marktplatz und weiter bummeln.
Belegschaft versammelt
Zu der Veranstaltung im kleinen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin war auch die nahezu komplette Kaufhof-Belegschaft gekommen. „Es fehlen eigentlich nur die, die krank oder in Urlaub gefahren sind“, sagte Betriebsratsvorsitzende Dagmar Salwender mit einem Blick in die Runde. Geschäftsführer Markus Pinzner lobte den Zusammenhalt der Belegschaft. „Hier haben sich Ehepartner kennengelernt, hier kommen morgens Mütter mit ihren Töchtern in die Arbeit.“
Kommt Galeria 2.0?
Im September könnte Kaufhof Coburg 50-jähriges Bestehen feiern. „Ich glaube an das Warenhaus als Herz der Innenstädte“, sagte Pinzner weiter. Mit „Galeria 2.0“ habe der Konzern ein neues Konzept in Frankfurt (Main), Kassel und Kleve erfolgreich getestet. Doch um dieses Konzept in Coburg umzusetzen, müssten die Umsätze steigen und wahrscheinlich auch die Verkaufsfläche verkleinert werden. Dabei müssten auch die Vermieter mitspielen. Der Mietvertrag für die Filiale läuft noch bis 2026. „In die Entscheidungen sind wir vor Ort nicht eingebunden.“
Allgemeine Kaufhauskrise
Seit Januar befindet sich GKK in der Insolvenz in Eigenregie, um das Unternehmen zu sanieren. Allerdings wird davon ausgegangen, dass dafür ein Großteil der Filialen geschlossen werden muss. Welche, soll in den nächsten beiden Wochen entschieden werden.
Schon mehrmals stand die Coburger Filiale in den vergangenen Jahren in der Diskussion. Bis zur Fusion von Karstadt und Kaufhof 2019 machten beide Ketten Krisen durch. Denn den Kaufhäusern geht es schon seit Jahrzehnten ständig schlechter: Der Online-Handel hat sich zur großen Konkurrenz entwickelt, wie Statistiken zeigen. Als wegen der Corona-Krise Laden-Schließungen verfügt waren, musste GKK schon 2020 umstrukturieren und erhielt Staatshilfen.


















