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Solidarität in Coburg
Stoschek überrascht mit Besuch im Kaufhof
Solidarität für den Kaufhof in Coburg – von links: Dagmar Salwender und Rainer Roßmann vom Betriebsrat, Markus Pinzner von der Coburger Geschäftsleitung und Michael Stoschek.
Solidarität für den Kaufhof in Coburg – von links: Dagmar Salwender und Rainer Roßmann vom Betriebsrat, Markus Pinzner von der Coburger Geschäftsleitung und Michael Stoschek. // Simone Bastian
Coburg – Kurz vor der Entscheidung, ob der Kaufhof in Coburg geschlossen wird, schaut Michael Stoschek vorbei. Er will Solidarität zeigen – und sich einen neuen Pulli kaufen.

Nanu, wer war denn am Freitag einkaufen im Kaufhof in Coburg? Der prominente Kunde, der gegen 14 Uhr plötzlich in der Abteilung für Oberbekleidung stand, war der Unternehmer Michael Stoschek. Er wollte vor allem noch einmal seine Solidarität bekunden. Denn dem Kaufhof in Coburg steht eine echte „Woche der Wahrheit“ bevor.

Nachdem der Galeria-Konzern im vergangenen November erneut Insolvenz anmelden musste, wird seit Monaten mit den Gläubigern um Milliarden-Beträge gerungen. Ein Insolvenzplan ist für Ende März 2023 angekündigt. Doch bereits in der kommenden Woche soll wohl bekanntgegeben werden, welche Standorte in diesem Plan für einen Neuanfang überhaupt noch eine Rolle spielen – und welche geschlossen werden…

Solidarität für den Kaufhof in Coburg – von links: Dagmar Salwender und Rainer Roßmann vom Betriebsrat, Markus Pinzner von der Coburger Geschäftsleitung und Michael Stoschek.
Solidarität für den Kaufhof in Coburg – von links: Dagmar Salwender und Rainer Roßmann vom Betriebsrat, Markus Pinzner von der Coburger Geschäftsleitung und Michael Stoschek. // Simone Bastian

Doch in Coburg will man optimistisch bleiben. Und der Optimismus lässt sich sogar schwarz auf weiß nachlesen: Markus Pinzner, der Chef des Coburger Kaufhofs, überreicht am Freitag dem Unternehmer Michael Stoschek nämlich einen Bündel Rabattkarten für die Brose-Belegschaft. Auf den Rabattkarten ist vermerkt: „Gültig ab 23. März“. Hoffentlich ist bis dahin nicht schon das Aus besiegelt…

Kaufhaus für Coburg wichtig

Nein, an ein solches Szenario will niemand denken. Ganz im Gegenteil: Michael Stoschek spricht bei seinem spontanen Besuch davon, dass er sich bereits vorstellen könnte, wie die Immobilie umgebaut werden könnte. Offener. Freundlicher. Moderner. Wohlgemerkt: bei einer weiteren Nutzung als Kaufhaus. Denn dass ein Kaufhaus für Coburg wichtig ist, hatte Stoschek in den vergangenen Wochen mehrfach betont.

Stell Dir vor, der Kaufhof in Coburg ist geschlossen: Mit dieser Fotomontage wollte Michael Stoschek noch einmal wachrütteln.
Stell Dir vor, der Kaufhof in Coburg ist geschlossen: Mit dieser Fotomontage wollte Michael Stoschek noch einmal wachrütteln. // Michael Stoschek

Eins der Ergebnisse von Stoscheks Vorstößen: Vergangene Woche brachten Stadt, Landkreis, IHK, die Spitzen der Coburger Unternehmen Brose, HUK Coburg und Kaeser sowie die Kaufhof-Belegschaft einen gemeinsamen Appell an den Vorstand des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) auf den Weg: Das Kaufhaus in Coburg solle weiter betrieben werden. „Es ist beschlossene Sache, dass die Stadt Coburg in den kommen Jahren das Umfeld der Galeria Kaufhof Filiale im Rahmen der Stadtentwicklung massiv zum lebensnahen und modernen Stadtteil aufwertet“, heißt es darin. Es folgen Verweise auf die Projekte „Junges Wohnen“ und „Mehrgenerationenwohnen“, die im Sanierungsgebiet Steinwegvorstadt umgesetzt werden sollen, sowie auf die Aktivitäten der „Stadtmacher“. Dabei handelt sich um eine übergreifende Arbeitsgruppe aus dem Citymanagement, der Wohnbau Stadt Coburg und der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög).

Petition übergeben

„Aus diesem Grund sind wir überzeugt, dass die Galeria Kaufhof Filiale in Coburg in den nächsten Jahren eine Umsatzsteigerung erzielen kann und sich im Vergleich zu anderen Standorten deutlich besser positionieren wird. Damit sollte sich die Investition der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH in den Standort Coburg auszahlen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Petition wurde dem Konzernvorstand in Essen übergeben, sagt Stephan Horn, der als Geschäftsführer der Wifög die Aktion koordinierte. Eine Antwort gab es freilich nicht – aber die hat Horn auch nicht erwartet.

Brief an Konzernzentrale

Stoschek freilich wollte es nicht bei Briefen nach Essen bewenden lassen. Er hatte schon am 28. Februar angekündigt, dass er gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzenden auch an die Brose-Beschäftigten appellieren werde, verstärkt in der Coburger Innenstadt einzukaufen. Denn der GKK-Konzern werde den Standort nur weiter betreiben, wenn dort auch die entsprechenden Umsätze gemacht werden. 30 Prozent fehlen laut Filialgeschäftsführer Markus Pinzner zu den Umsätzen in der Zeit vor der Corona-Pandemie.

Appell an Brose-Beschäftigte

Aus diesem Grund war Stoschek am Freitag mit dem Betriebsratsvorsitzenden Rainer Roßmann im Kaufhof für einen Fototermin mit Filialgeschäftsführer Markus Pinzner und der Betriebsratsvorsitzenden Dagmar Salwender. Das Foto wurde für den Appell an die Brose-Beschäftigten gemacht. Salwender und Pinzner überreichten auch gleich noch einen großen Stapel Rabatt-Flyer der „Friends & Familiy“-Kampagne. Damit gibt es ab dem 23. März die genannten 20 Prozent Rabatt. Brose hat zudem mitgeteilt, dass es für innerbetriebliche Verbesserungsvorschläge künftig die Coburger Jobkarte als Prämie gibt – ein Einkaufsgutschein, der in Coburger Geschäften eingelöst werden kann, „vorzugsweise für einen Einkauf im Kaufhof“.

Kampf ums Herz von Coburg

Dem Unternehmer Stoschek geht es beim Engagement für den Kaufhof vor allem darum, dass das Coburger Herz attraktiv bleibt – sowohl baulich als auch von dem Leben her, das da herrscht. Denn nur eine lebendige Innenstadt sei auch ein attraktiver Standort, an den die großen ansässigen Unternehmen neue Arbeitskräfte locken könnten, argumentierte er. Da sei ein Kaufhaus als Magnet wichtig, denn mit Handel, Gastronomie und Events würde Publikum in die Innenstadt gelockt.

Fundstück: Mit dem Slogan „Coburg hat Zukunft“ warb der Kaufhof 1973 um Personal. 50 Jahre später hofft Coburg, dass der Kaufhof eine Zukunft hat.
Fundstück: Mit dem Slogan „Coburg hat Zukunft“ warb der Kaufhof 1973 um Personal. 50 Jahre später hofft Coburg, dass der Kaufhof eine Zukunft hat. // CT-Archiv

Hinzu kommt für Stoschek die städtebauliche Dimension, die ein Leerstand des Kaufhof-Gebäudes zwischen Badergasse-, Hindenburg- und Mohrenstraße bedeuten würde: Bezüglich „Dimension und Fassade“ sei es „in dem Jugendstilensemble der Mohrenstraße schon Problem“ genug, schrieb Stoschek schon am 8. Februar. Beigefügt war dem Schreiben eine von Stoschek selbst gefertigte Montage des Kaufhofgebäudes mit verhängten Schaufensterscheiben, um zu illustrieren, wie ein geschlossenes Kaufhaus wirken würde.

Aber er könnte sich, wie gesagt, vorstellen, wie die Ladenräume aufzuwerten sind. Die Entscheidung dafür liegt freilich bei anderen – die Immobilieneigentümerin, eine Fondsgesellschaft, muss mitziehen. Die GKK-Zentrale in Essen hat überdies – vor der Insolvenz – angekündigt, dass die Filialen nach einem neuen Konzept gestaltet werden sollen, das unter anderem in Frankfurt/Main und Kassel getestet wurde.

Es ist ein Pulli!

Michael Stoschek wollte es bei seinem Besuch nicht mit einem Foto bewenden lassen. „So, und jetzt kaufe ich mir einen Pulli“, verkündete er. „Wo muss ich hin?“ Wer es nicht weiß: Kleidung für Damen und Herren gibt es im ersten Obergeschoss. Und wenn gewünscht, wird sogar ein Kaschmir-Pulli wieder aus dem Lager geholt, wohin er wegen der Umstellung auf die Frühjahrssaison schon geräumt worden war.

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