Bereits zum 30. Juni 2023 soll der Coburger Kaufhof geschlossen werden. Das hat der Galeria-Konzern, zu dem das Kaufhaus gehört, am Montag bekanntgeben. Aber noch scheinen die Listen mit den 52 zu schließenden Standorte nicht endgültig zu sein. „Sollten sich an der aktuellen Fortführungsperspektive der Filialen signifikante Änderungen ergeben, kann es durchaus zu einer Neubewertung kommen“, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag.
Diese Aussage dürfte sich vor allem an die Vermieter der Immobilien richten, in denen sich die Kaufhäuser des Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) befinden. Denn schon bei der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenregie am 1. Februar hatte GKK mitgeteilt, dass es insbesondere von den Zugeständnissen der Vermieter abhänge, „welche konkreten Filialen geschlossen, fortgeführt oder eventuell an einen Erwerber übertragen werden können“.
Keine Antwort aus Essen
Ob auch der Coburger Kaufhof ein Kandidat wäre, der noch von der Schließungliste genommen werden könnte, kann nur die Galeria-Pressestelle in Essen beantworten. Die reagierte aber bis Redaktionsschluss nicht auf die Anfrage.
Ein Immobilienpoker?
Für 21 Standorte soll das Ende schon in gut drei Monaten kommen. Betroffen ist auch die ehemalige Horten-Filiale in Erlangen. Der dortige Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) kann sich laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung jedoch vorstellen, dass dahinter ein Immobilienpoker steht. Janik geht davon aus, dass die Erlanger Immobilie in Verbindung mit anderen Liegenschaften an anderen Standorten an GKK vermietet sei – und dass die Immobilieneigentümer nicht bereit seien, die rentablen Standorte aus dem bestehenden Vertrag herauszulösen. Auch in Bayreuth versteht man Medienberichten zufolge nicht so recht, warum dort der Karstadt geschlossen werden soll. Die zentrale Lage, das Umfeld, das Bevölkerungswachstum, der Tourismus – all das spreche für einen Fortbetrieb.
„Haben keine Signale“
Derartige Töne waren aus Coburg bislang nicht zu hören. „Wir haben keine Signale, dass sich an der Schließung noch etwas ändern könnte“, sagt Stadt-Pressesprecher Louay Yassin. „Aber wir werden dran bleiben. Das ist ja eine der Optionen, die weiter bearbeitet werden sollen.“ Die städtische „Taskforce Kaufhof“ werde „sehr zeitnah“ bei GKK und der Immobilieneigentümerin nachfragen, „was jetzt zu machen ist“.
Schließung als Druckmittel
Ob mit der sehr kurzfristigen Schließungsankündigung noch einmal Druck in Richtung Eigentümer der Immobilie aufgebaut werden soll, will ein Insolvenzexperte aus der Region zumindest nicht ausschließen. Denn: „Was will der Eigentümer denn jetzt mit diesem Klotz machen?“ Dass die Stadt Coburg die Immobilie kauft, könne er sich ebenfalls nur schwer vorstellen, wie er anhand eines Rechenspiels erklärt: „Der Kaufhof hat rund 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Selbst bei einer sehr niedrigen Miete von nur 10 Euro pro Quadratmeter ergäbe das bereits eine Monatsmiete von 80.000 Euro und eine Jahresmiete von rund einer Millionen Euro. Wenn bei solchen Immobilien über einen Verkauf geredet wird, nimmt mal als Maßstab gerne einen Multiplikator von 12 oder 14 Jahresmieten. Das bedeutet: Wir reden hier locker über einen Kaufpreis von mindestens 15 Millionen Euro. Wahrscheinlich noch mehr.“
Lieber nicht kaufen
Für realistischer hält der Insolvenzexperte deshalb ein Anmieten der Immobilie. Zu diesem Zweck könnte sich eine Interessensgemeinschaft bilden. Diese könnte dem Eigentümer eine relativ günstige Miete vorschlagen und im Gegenzug einen sehr langfristigen Vertrag anbieten. Ob sich der Eigentümer auf so etwas einlässt? Mit Blick auf die wohl wenig vorhandenen Alternativen für eine andere, kurz- oder mittelfristige Nutzung könnte das zumindest eine Option sein.
„Mir fehlt der Glaube“
Markus Pinzner, der Filialgeschäftsführer von Kaufhof in Coburg, will nicht auf das Prinzip Hoffnung setzen. „Mir fehlt der Glaube, dass in diesen drei Monaten noch mal was passiert“, sagt er. Am Donnerstag werden er und Betriebsratsvorsitzende Dagmar Salwender in Essen erwartet; da dürfte es bereits um die Schließung gehen. Pinzner hat auch keinen Einblick, inwieweit die Immobilienfrage entscheidend war, um den Standort zu schließen, oder ob der Coburger Standort in einem gemeinsamen Mietvertrag mit anderen GKK-Häusern steckt. Was er allerdings sieht: In Coburg herrsche durchaus ein gewisser Innovationstau. „Da ist seit 2006 nichts mehr passiert.“ Inzwischen habe GKK ein neues Konzept für die Filialen entwickelt, „das hätte ich mir für Coburg auch gut vorstellen können“.
Lob für die Stadt
Was das Umfeld am Standort angeht, findet Pinzner lobende Worte: „Ich war persönlich beeindruckt von dem Zusammenhalt in der Stadt, wo noch mal alle versucht haben, Musik rein zu bringen. Die Stadt hat Gespräche geführt, gemacht und getan. Das hat halt leider nicht zum Erfolg geführt.“
Taskforce zunächst intern
In der Stadt bemüht man sich um den Blick nach vorn. Louay Yassin zufolge ist „eine Idee von vielen“, zu versuchen, dass andere Geschäfte sich ansiedeln, die Sortimente anbieten, die durch eine Schließung des Kaufhofs fehlen würden. Die Taskforce arbeite zunächst nur intern. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) hatte angekündigt, dass alle einbezogen werden sollten, die konstruktiv mitarbeiten wollen. „Aber erst, wenn klar ist, in welche Richtung es geht“, sagte Yassin am Mittwoch.
Stoschek-Vorschlag
Klar ist zumindest, dass bei einer Schließung des Kaufhofs ein Kundenmagnet für die Innenstadt fehlt. Michael Stoschek, Vorsitzender des Brose-Verwaltungsrats, hat vorgeschlagen, Lars Jähnichen von der Firma IPH Handelsimmobilien in Diskussionen über die Innenstadtentwicklung einzubeziehen. Stoschek engagiert sich seit Jahren für die historische Innenstadt. Zuletzt hatte er die Brose-Beschäftigten aufgerufen, vermehrt dort (und im Kaufhof) einzukaufen. Laut Louay Yassin ist die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft schon seit Jahren in Kontakt mit IHP Handelsimmobilien. Deren Expertise sei „längst eingeflossen“.










