Anflug aufs Globe
Wenn Coburgs Baureferent Peter Cosack durch die Globe-Baustelle führt, braucht er schon längst keinen Plan mehr. Er weiß, wo sich am Ende was befinden wird, auch wenn die Besucher im Moment nur halbfertige Wände, herabhängende Kabel und offene Schächte sehen. Zumindest da, wo sich das Foyer befinden wird. „Wir werden alles doppelt haben“, sagt Cosack: „Zwei Eingänge, zwei Kassen, zwei Garderoben, zwei Treppenhäuser, zwei Aufzüge“ gruppieren sich links und rechts vom Foyer. Hinzu kommen zwei weitere Treppenhäuser in dem Bereich, wo der Zuschauer- in den Bühnenraum übergeht. Die sind, anders als der übrige Bau, aus Beton. Einmal, weil der Rundbau einen „statischen Kern“ braucht, zum anderen aus Brandschutzgründen.
Alles geprüft und genehmigt
Der Brandschutz wird bei einem Gebäude dieser Klasse von Anfang an mitgedacht. Das Globe ist als multifunktionale Veranstaltungsstätte konzipiert, besteht zum großen Teil aus Holz und ist ein Sonderbau. „Jedes Teil hier ist mit Brandschutzsachverständigen und Brandschutzprüfern abgestimmt“, sagt Cosack. Die Kabel, die jetzt noch von der Ecke hängen, werden in Brandschotts verschwinden – Kabelkanäle, die mit Brandschutzklappen voneinander abgetrennt werden können, um zu verhindern, dass sich Qualm aus schmorenden Kabeln im ganzen Gebäude verbreitet. Wobei es natürlich gar nicht erst dazu kommen soll, dass Kabel schmoren.
Wege freihalten
Je nach Bestuhlung kann das Globe zwischen 430 und 780 Besucher fassen, wobei 780 Besucher dann wirklich nur noch Stehplätze vorfinden. Die müssen im Fall es Falles schnell aus dem Gebäude gelangen. „Das ist im Idealfall schon gesehen, bis wir anrücken“, sagt Stadtbrandrat Maximilian Brückner. Deshalb öffnen sich die Türen von den Foyers im Erdgeschoss und im ersten Stock nach außen in die Treppenhäuser. „Dort darf natürlich nichts abgestellt sein“, betont Brückner. Auch die Evakuierungspläne sind ein Teil des Brandschutzes. Trotzdem werden bei Theatervorstellungen weiterhin Feuerwehrleute als Sicherheitswacht anwesend sein, so wie im Landestheater am Schlossplatz auch. Denn wenn auf der Bühne echte Kerzen brennen oder Nebel eingeblasen wird, dann wird ein Teil der Brandmeldeanlage abgeschaltet, damit kein Alarm die Vorstellung stört. Deshalb müssen Feuerwehrleute vor Ort sein.
Beton zwecks Brandschutz
Einen Eisernen Vorhang braucht die Globe-Bühne nicht. Der ist nur für Großbühnen mit über 200 Quadratmetern Fläche vorgeschrieben. Die Theaterleute werden im Globe mit weniger Platz zurechtkommen müssen. Aber die Bedingungen dürften in mancher Hinsicht etwas angenehmer sein: Der Lkw, der Kulissenteile und Ausstattung bringt, kann direkt an die Hinterbühne heranfahren, und die Teile können auf einer Ebene vom Fahrzeug ins Gebäude gebracht werden, erläutert Cosack. Der Lagerraum befindet sich eigentlich schon im Nebengebäude. Auch das ist aus Brandschutzgründen vom Theatergebäude durch eine Betonwand getrennt.
Unten muss es trocken bleiben
Beton prägt auch den Keller, aber aus anderen Gründen. „Wir stehen hier im Grundwasser“, sagt Cosack und zeigt mit der Hand auf der Wand die entsprechende Höhe an. Das Globe steht deshalb in einer sogenannten Weißen Wanne aus folienverstärktem Beton. „Das ist absolut trocken“, betont Cosack. Und belüftet: Für den Keller gelten die gleichen Luftqualitätsstandards wie für den Zuschauerraum. Denn hier unten werden auch Instrumente und Noten gelagert, außerdem die Theaterbestuhlung, wenn sie oben nicht gebraucht wird. Da soll nichts feucht werden oder müffeln.
Globe umkreist
Nichts soll vibrieren oder brummen
Entsprechend viel Raum nimmt die Lüftungsanlage ein, deren Maschinerie sich ebenfalls im Keller befindet. Doch im Zuschauerraum darf kein Vibrieren oder Brummen ankommen, betont Cosack. Deshalb sei die Lüftung „schon ein Kostenpunkt“, genauso wie die Bühne, deren vorderer Teil sich bis in den Keller hinunterfahren lässt, um Musikinstrumente oder Stühle zu transportieren. Hightech findet sich auch an den Wänden und der Decke, abgesehen von Scheinwerfern, Schnürboden und Lautsprechern. Was aussieht wie willkürlich an die Decke gehängte schwarze Bretter, sind Schallschluckelemente, genauso wie die Ausbuchtungen an den Wänden, die ebenfalls noch hinter Lamellen verschwinden werden.
Was wird aus dem kleinen Hof?
Rund 30 mal hat Cosack schon Besucher durch die Globe-Baustelle geführt, 600 bis 700 Personen, schätzt er. Kein Wunder, dass er auswendig erzählen kann, welches Räumchen wofür bestimmt ist oder dass die Balustrade des oberen Foyers oben abgeschrägt wird, damit nichts herunterfallen kann. Eins weiß allerdings auch er noch nicht ganz genau: Wie der kleine Innenhof im zweiten Obergeschoss gestaltet wird. Fest steht nur: Die Besucher sollen ihn betreten können. Wo aber niemand hindarf, ist der umlaufende Steg außen auf Höhe des ersten Stockwerks. Der, sagt Cosack, sei nur für Wartungsarbeiten angebracht worden.


















