„Es ist ein bisschen wie bei einem alten Haus – man weiß erst, was einen erwartet, wenn man loslegt“, beschreibt Kenneth Faber vom Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) die Sanierung der Judenbrücke. Und tatsächlich: Eine zentrale Herausforderung hatte man zu Beginn nicht auf dem Schirm.
Die Judenbrücke ist die älteste Brücke Coburgs. Seit 1783 verbindet die Brücke die Ufer der Itz. „Die Brücke ist teilweise aus der alten Stadtmauer gebaut, man hat also schon damals Baustoffe recyclt“, erläutert Matthias Kachel, Ingenieur beim Kronacher Büro SRP Schneider + Partner.
Schon seit über zehn Jahren gibt es Bestrebungen, das historische Bauwerk zu sanieren. 2020 wurde der Handlungsdruck größer – die Mängel waren inzwischen erheblich. Im April 2025 begann schließlich die Bauphase, angesetzt auf rund 14 Monate.
Ein Problem: Es existieren kaum belastbare Pläne zur Brücke. „Es gibt praktisch keine Planungsunterlagen. Man muss vieles freilegen und dann sehen, wie man es löst“, erklärt Matthias Kachel.
Mehr Sanierungsbedarf als gedacht
Seit Abschluss der Planungen im Jahr 2024 ist klar: Die Sanierung wird deutlich umfangreicher als ursprünglich angenommen. Untersuchungen zeigten, dass die angrenzenden Mauern in einem desolaten Zustand sind – teils sogar einsturzgefährdet. Besonders kritisch: die Stützwand am östlichen Ufer, die komplett erneuert werden muss. Am westlichen Ufer reichen hingegen Instandsetzungsmaßnahmen.
Was damals noch nicht bekannt war: auch die Widerlager bereiten Probleme. Diese seitlichen Bauteile nehmen verschiedene Lasten ab und leiten sie in den Boden, erläutert Ingenieur Matthias Kachel. In ihnen sind Holzbalken verbaut – und die zersetzen sich. Wie aus alten Plänen ersichtlich wurde, ist man früher von einem höheren Wasserspiegel ausgegangen und die Balken waren dauerhaft im Wasser. Durch vorherige Sanierungen, in Kombination mit Hochwasserschutzmaßnahmen, habe sich der Pegel gesenkt. Der wechselnde Wasserstand hat nun zur Folge, dass die Balken häufiger trocken liegen und durch den Luftkontakt verrotten.
Sanierung Judenbrücke
Derzeit wird gemeinsam mit einem Prüfstatiker nach einer Lösung gesucht. „Und wir werden eine finden“, sagt Kachel zuversichtlich. Klar ist aber: Das wird sich finanziell bemerkbar machen.
Dass eine Sanierung dieser Art einem Überraschungsei gleich, zeigt sich auch bei den Kosten. Im April 2024 lag die Schätzung bei 1,9 Millionen Euro – inklusive einer Erhöhung um 690.000 Euro für die maroden Stützmauern. Im März 2025 genehmigte der Stadtrat eine weitere Steigerung um 340.000 Euro. Grund: Die Arbeiten am historischen Mauerwerk erfordern spezialisierte Fachfirmen – und die haben ihren Preis. Die aktuelle Gesamtkalkulation liegt bei 2,3 Millionen Euro, davon sind rund 900.000 Euro voraussichtlich förderfähig.
Fertigstellung bis Herbst 2026
Die Planer sind optimistisch, dass keine weiteren Überraschungen auftauchen. Die Brücke selbst soll bis Dezember 2025 weitgehend fertiggestellt sein. Einige Arbeitsschritte benötigen jedoch eine längere Trocknungszeit. Parallel wird auch die Fernwärmeleitung durch die SÜC umverlegt. Die komplette Fertigstellung der Baustelle ist für Sommer oder Herbst 2026 vorgesehen.























