Die Enttäuschung ist groß. Das hoffnungsvolle Projekt „Ein Hostel für Coburg“ droht zu scheitern. „Nach sorgfältiger Prüfung der Planungen und Kosten hat sich jedoch gezeigt, dass dieses Projekt nicht realisiert werden kann. Die derzeit begrenzten Mittel der Stadt und der Stiftung machen eine Umsetzung zum jetzigen Zeitpunkt leider unmöglich“, schreibt Bürgermeister Can Aydin auf Nachfrage.
Noch im vergangenen Jahr zeigten sich sowohl der Bürgermeister als auch Sabine Zeitner von der Bernd-Alexander-Kräußlein-Stiftung, die sich mit einem sechsstelligen Betrag einbringen wollte, zuversichtlich.
Judengasse 36 als Chance
Die Besucher der Designtage 2023 hatten abgestimmt. Ganz besonders freute sich Elena Marie Fischer darüber. Die angehende Innenarchitektin hatte nämlich ein Konzept vorgestellt, wie und wo in Coburg eine solche Herberge entstehen könnte: Das derzeit leerstehende dreistöckige Gebäude in der Judengasse 36 bietet genügend Raum und Möglichkeiten für 67 Übernachtungsplätze – in Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmern.
Mehr noch: Ein Café, ein Designershop, ein Fahrradverleih, ein größerer Veranstaltungsraum und ein heimeliger Innenhof mit Zugang zum KIZ-Spielplatz waren vorgesehen. Einen Namen gab es schon: „Hin und weg“ sollte es heißen.
Ein Kämpfer für die Sache
Elena Marie Fischer ist mittlerweile beim Coburger Designforum Oberfranken angestellt. Der dortige Vorsitzende Auwi Stübbe ist bekanntlich ein großer Verfechter für ein Hostel beziehungsweise eine Jugendherberge für Coburg. Seit Jahren setzt er sich dafür ein – und gibt auch nicht auf.
Jugendherberge am Güterbahnhof
Der Professor hat Pläne für ein Domizil im Zollamt am Güterbahnhof in der Schublade und unterstützt die Idee in der Judengasse. „Ein günstiges Familienhostel brauchen wir zusätzlich“, sagte er bereits 2019 im Gespräch mit dem Tageblatt. Steigende Übernachtungszahlen würden den Bedarf rechtfertigen.
Da gibt ihm auch der Bürgermeister recht: „Ein Hostel, das insbesondere Jugendgruppen und Familien als günstige Unterkunft dient, würde zweifellos eine wichtige Lücke im touristischen Angebot der Stadt schließen.“ Deshalb betont Can Aydin, dass die Stadt und die Stiftung weiterhin offen für zukünftige Ansätze und mögliche Lösungen bleibt, um langfristig eine solche Einrichtung zu realisieren. „Sobald sich neue finanzielle oder strukturelle Möglichkeiten ergeben, werden wir das Thema erneut aufnehmen“, verspricht er.
Auwi Stübbe hat bereits Ideen, wie das Projekt weiter am Leben gehalten werden kann. Zunächst würde er sich wünschen, dass sich interessierte Kreise an einem Runden Tisch zusammensetzen. „Ich habe auch schon die Hochschule informiert, da die 2016 gegründete Bernd-Alexander-Kräußlein-Stiftung gezielt Jugend- und Studentenhilfe unterstützt, unter anderem durch die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur," sagt er.
“Es muss doch möglich sein, einen Investor zu finden.
”
Seit fünf Jahren wird überlegt, die Judengasse 36 zu einem Hostel umzubauen. Sabine Zeitner, die in einem Architekturbüro arbeitet, verwaltet die Bernd-Alexander-Kräußlein-Stiftung. Um die Fördergelder zur Verfügung stellen zu können, brauchte sie allerdings Sicherheiten – wie einen Eigentumsanteil, sagte Sabine Zeitner im vergangenen Jahr gegenüber unserer Zeitung. Und weiter: „Wenn sich alles nicht noch mal fünf Jahre hinzieht, sind wir dabei!“ Das historische Gebäude gehört der Stadt und wird von der Coburger Wohnbau verwaltet.
Seit 2010 keine Jugendherberge mehr
Seit 2010 gibt in Coburg keine Jugendherberge mehr. Die Renovierung von Schloss Ketschendorf wäre dem Jugendherbergswerk zu teuer gekommen. Von sieben Millionen Euro war damals die Rede. Das Schloss wurde an die Firma Kaeser verkauft.
Seither gibt es für Schulklassen, Jugendgruppen, Studentengruppen und junge Familien, die in der Familienstadt Coburg einen Kurzurlaub machen wollen, keine Alternative.
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