Es waren erschreckende Bilder, die am Donnerstag am Bayreuther Landgericht zu sehen waren. Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen zwei 21-Jährige aus dem Landkreis Lichtenfels, denen die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorwirft, wurden Videosequenzen gezeigt, die von festinstallierten Überwachungskameras am Kulmbacher Holzmarkt aufgenommen worden sind.
Diese dokumentieren die Brutalität, mit der die mutmaßlichen Täter in der Nacht zum 27. Juli 2025, dem ersten Bierfestsonntag, gegen eine ihnen bis dato unbekannte Person vorgegangen sind. Sie zeigen eine Gruppe junger Männer, die mit dem späteren Opfer, einem heute 28-jährigen Rumänen, zunächst diskutieren. Unvermittelt schlägt ein Mann, es soll sich um den angeklagten Tim L. handeln, dem Rumänen dann eine Glasflasche von hinten auf den Kopf. Ein zweiter Mann, laut Staatsanwaltschaft der mitangeklagte Lion S., versetzt dem damals 27-Jährigen in der Folge einen kräftigen Schlag mit der Faust. Das Opfer landet in einer Nische beim dortigen Friseurgeschäft.
Was sich da ereignet hat, ist auf dem Video nicht ersichtlich. Oberstaatsanwalt Jan Köhler hatte den Angeklagten zum Prozessauftakt vorgeworfen, dass sie ihre Angriffe fortgesetzt und dem Mann zahlreiche Tritte und Schläge versetzt haben. Sie hätten diesen in akute Lebensgefahr gebracht. Erst als sich die Straßenreinigung näherte, hätten sie von ihrem Opfer abgelassen und seien geflüchtet.
Ein schreckliches Bild
Welches schreckliche Bild sich ihnen bot, schilderten am Donnerstag zwei Männer, die in der Tatnacht mit dem Spülwagen unterwegs waren, um die Innenstadt nach der Bierfestnacht zu reinigen. Der 37-jährige Fahrer hatte bei der polizeilichen Vernehmung erklärt, dass er zwei Männer gesehen habe, die auf einen Mann eingedroschen hätten. Vor Gericht war er sich nicht sicher, ob einer oder zwei Männer mit dem Fuß zugetreten hätten.
Was sich in der Nische genau ereignet hat, hat er nicht verfolgen können. Er sei mit seinen beiden Kollegen dem Opfer zu Hilfe gekommen, das von Schlägen gezeichnet gewesen sei. Der Zeuge sprach von Blut und erheblichen Schwellungen im Gesicht. „Der Mann sah nicht gut aus.“
„Verlässlicher Kollege“
Der 37-Jährige war für eine Fremdfirma im Auftrag der Stadt Kulmbach zur Straßenreinigung unterwegs. Tage später habe er erfahren, dass es sich bei einem der mutmaßlichen Täter um einen Arbeitskollegen handelte, sagte er vor Gericht. Dieser sei ein verlässlicher Mitarbeiter gewesen. Er sei schockiert gewesen, „welchen Scheiß er da gemacht hat“.
Von Szenen wie aus einem schlechten Film, die sich ihm geboten hätten, sprach ein 25-Jähriger, der mit im Spülwagen unterwegs war. „So was habe ich noch nicht gesehen. Das Opfer hatte keine Chance, sich zu wehren“, stellte der Zeuge fest, der die Schläge mit der Flasche und der Faust gesehen haben will. Er habe auch Fußtritte ausgemacht, könne aber auch nicht sagen, ob die von zwei oder nur von einer Person ausgegangen sind. Das Opfer habe er mit seinem Kollegen in der Nische schwer verletzt aufgefunden. Der Mann habe an der Hauswand angelehnt am Boden gelegen. „Alles war voller Blut. Ein Auge war völlig eingeschwollen.“
„Ich bin in meiner ersten Einschätzung von mittelschweren Verletzungen ausgegangen“, sagte ein Notfallsanitäter, der in der Tatnacht mit dem Rettungswagen angerückt war. Das Opfer habe mehrere Hämatome am Kopf gehabt, am Körper aber keine Verletzungen erlitten. Der Mann sei benommen, aber bei Bewusstsein gewesen. Wie die mutmaßlichen Täter war auch das Opfer alkoholisiert. In der Notaufnahme wurden 1,58 Promille festgestellt.
Stark betrunken will auch ein 23-Jähriger gewesen sein, der zur Gruppe der Männer gehörte, mit der die Angeklagten unterwegs waren.
Zeugen drohte Beugehaft
Er könne sich an nichts erinnern, sagte der Zeuge. Weil er sich trotz mehrfacher Ermahnung von Vorsitzender Richterin Andrea Deyerling und Oberstaatsanwalt Jan Köhler nicht einlassen wollte, wurde ihm mit Beugehaft gedroht. Als zwei Polizeibeamte in den Gerichtssaal kamen, brach er sein Schweigen. Er habe Angst gehabt, sich zu äußern. Er habe befürchtet, sich selbst strafbar zu machen, stellte er fest.
Auf dem Video war zu sehen, dass der Zeuge vor der Tat mit dem späteren Opfer diskutiert hat. Was der Grund für die Eskalation war, wisse er nicht. Auch zu den Schlägen seiner Freunde konnte er nicht viel sagen. „Das ging alles so schnell.“
Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.
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